Alt und Jung: Die „anderen“ Freundschaften

von Redaktion

Wenn Generation Oma auf Generation Enkel trifft, dann ist das vor allem eines: Glück pur. Gemeinsam lachen, lesen, Ausflüge machen – für beide Seiten ein Gewinn. „Ältere Menschen genießen das Zusammensein mit Kindern“, sagt Lydia Staltner, Vorsitzende des Vereins Lichtblick Seniorenhilfe, der Rentner in Not aus Oberbayern unterstützt. Zusammen mit Elly & Stoffl, Privatkindergärten und -krippen in München, hat der Verein jüngst ein besonderes Projekt gestartet – bei dem Alt und Jung zusammenkommen. Ein Interview mit Lydia Staltner und Franziska Emde, die Pädagogische Gesamtleitung bei Elly & Stoffl.

Die Senioren sind ja ganz begeistert. Wie kommt das Projekt bei den Kleinen an?

Emde: Die Kinder haben sehr offen auf die Senioren reagiert. Sie haben sich über die „neuen Gesichter“ richtig gefreut. Bisher hat ein gemeinsamer Ausflug stattgefunden, während unserer „Waldtage“. Wir waren von Anfang an von der Idee und auch den Werten des Vereins Lichtblick Seniorenhilfe überzeugt. Es ist das erste Projekt dieser Art für uns und wir wollen dranbleiben! Staltner: Eine Seniorin meinte nach dem Spaziergang im Wald ganz gerührt: „Ein kleines Mädchen hat mir gerade ganz lieb über die Wange gestreichelt!“ Ist das nicht unglaublich schön? Die Kinder waren ganz neugierig auf die Omas und Opas.

Warum ist es für Ältere grundsätzlich wichtig, mit der ganz jungen Generation in Berührung zu kommen?

Staltner: Kinder sind unvoreingenommen, da spielen Vorurteile noch keine Rolle – und es ist für sie auch nicht wichtig, ob jemand arm oder reich ist. Was hier zählt, ist die Empathie, die Zugewandtheit. Die älteren Herrschaften werden von den Kindern an die Hand genommen und zum Mitspielen aufgefordert, alleine diese kleinen Gesten der Kinder erfreuen die Senioren und vermitteln ihnen das Gefühl, gebraucht zu werden.

Wie profitieren die Kinder von den Begegnungen?

Emde: Kinder lernen vor allem im sozialen Austausch und durch Interaktionen mit anderen Menschen. Ältere Menschen können dabei eine Vorbildfunktion einnehmen: Viele Kinder haben in der Stadt keine Großeltern und sind so kaum in Kontakt mit älteren Menschen. Durch die neue Kooperation profitieren sie von der Lebenserfahrung der Senioren und es können neue, „andere“ Freundschaften entstehen.

Ersetzen solche Begegnungen tatsächlich eine fehlende Großelternbeziehung?

Emde: Das können sie. Aber dafür ist es wichtig, dass ein sehr regelmäßiger Kontakt stattfindet, damit die Kinder und Senioren eine gute Bindung aufbauen können.

Das ist auch im Sinne der älteren Menschen …

Staltner: Absolut! Die meisten der Senioren, die an diesem Projekt teilnehmen, haben keine Enkel. Deshalb sind sie ganz begeistert, dass sie dank Elly & Stoffl jetzt die Möglichkeit haben, zu spüren, wie es sich anfühlt, Enkel um sich zu haben – und Zuneigung von den Kindern zu bekommen. Gerade dieses Projekt ist ja gekennzeichnet von einer längeren, immer wiederkehrenden Begegnung zwischen Jüngeren und Älteren. Das macht es so wertvoll.

Wie soll das Projekt in Zukunft gestaltet werden?

Staltner: Beide Seiten sind von dem Projekt begeistert. Zur Vereinfachung werden künftig unsere Senioren einfach direkt von den Kindergärten telefonisch eingeladen. In einigen Kindergärten waren die Betreuer sogar so angetan von der ersten Begegnung zwischen Jung und Alt, dass sie spontan den Damen und Herren angeboten haben, dass sie jederzeit vorbeikommen können, wenn sie Zeit mit den Kleinen verbringen möchten! Ist das nicht wunderschön?

Emde: Unser Ziel ist, dass die Pädagogen selbstständig mit den Senioren in Kontakt treten und besprechen, welche Aktivitäten sie gemeinsam durchführen möchten. Wir wollen auf jeden Fall langfristig kooperieren. Daher haben wir gemeinsam auch schon viele schöne Aktionen für dieses Jahr geplant – etwa gemeinsames Backen an Ostern oder Lesestunden … Staltner: Ich glaube, wir alle sind sehr, sehr froh, dass dieses Projekt so gut angelaufen ist. Das Besondere ist ja auch die Leichtigkeit, mit der es beide Seiten, Elly & Stoffl und unser Verein Lichtblick Seniorenhilfe, aus der Taufe gehoben haben. Ich denke: So kann es noch lange weitergehen!

Interview: Barbara Nazarewska

Artikel 7 von 9