GLÜCKSFITNESS – DAS SCHÖNSTE GEFÜHL IM BESTEN ALTER

Nicht in der Wut stecken bleiben

von Redaktion

Eine Kolumne über das Glück zu schreiben, die gleichzeitig irgendwie auf den morgigen Welt-Parkinson-Tag Bezug nimmt? Eine ganz schöne Herausforderung! Es stimmt, gerade Parkinson ist statistisch gesehen derzeit auf dem Vormarsch. Ein Nebeneffekt der ständig steigenden Lebenserwartung, denn Parkinson tritt hauptsächlich jenseits des 65. Lebensjahres auf.

Im Schnitt trifft es dann trotzdem nur einen von 100 Senioren – aber was, wenn gerade man selbst dieser eine ist? Ist es dann nicht automatisch vorbei mit dem Glück?

Dagegen spricht eine Zahl aus der Traumaforschung, die sich über die Jahre hinweg in Studien immer wieder bestätigt hat: Mehr als 80 Prozent der Menschen, die schwere Schicksalsschläge aushalten müssen – darunter eben auch solche, wie eine unheilbare Erkrankung –, kommen mittelfristig überraschend gut mit diesen zurecht. Aber natürlich nicht sofort.

Erst einmal reagiert wohl jeder angesichts einer schlimmen Diagnose geschockt, verzweifelt, wütend. Dennoch sind wir Menschen eine unglaublich anpassungsfähige Spezies: Zwei Jahre nach einem derartigen Tiefschlag bezeichnen sich tatsächlich die meisten Betroffenen in Befragungen schon wieder als durchschnittlich oder sogar überdurchschnittlich zufrieden mit ihrem Leben.

Entscheidend dabei ist allerdings, wie ein Mensch nach dem ersten Schock mit seiner neuen Situation umgeht. Wer in Wut und Verbitterung stecken bleibt, sich aus Scham und Angst vielleicht zurückzieht und von seiner Umwelt isoliert, für den führt der Weg tatsächlich oft ins Tal der Depression.

Bei Parkinson sogar umso schneller – und zwar deshalb, weil Gefühle wie Stress und Ärger dessen Symptome nur noch verstärken. Was dann wiederum schnell zu einem Teufelskreis führt.

Wer dagegen seine persönliche Herausforderung annimmt und sich ihr mutig stellt, kann lernen, die neuen Belastungen im Alltag besser zu meistern – und dadurch auch viel von seinem Selbstvertrauen zurückzugewinnen. Und damit das Bestmögliche aus dem weiteren Leben herauszuholen.

Es gibt da eine sehr berührende Geschichte über den großen Geiger Itzhak Perlman (der übrigens aufgrund einer Polio-Erkrankung in seiner Kindheit lebenslang an Krücken gehen musste): 1995, bei einem Konzert in New York, riss gleich nach den ersten paar Takten mit einem lauten Knall eine Saite seiner Geige. Das Publikum erwartete natürlich, dass Perlman seine Darbietung unterbrechen und entweder die Geige wechseln oder eine neue Saite aufziehen lassen würde.

Doch stattdessen hielt er nur kurz inne – und spielte dann auf drei Saiten einfach weiter. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit bei einem Musikstück, das für vier Saiten komponiert wurde. Doch er tat es, indem er spontan alles modulierte, anpasste, veränderte, was nötig war – mit enormer Leidenschaft, Kraft und Entschlossenheit.

Die Zuhörer dankten es ihm mit stehenden Ovationen. Perlman lächelte, bat mit einer Geste um Ruhe und sagte: „Wissen Sie, manchmal ist es die Aufgabe des Künstlers, herauszufinden, wie viel Musik man machen kann mit dem, was übrig blieb.“ Einen besseren Rat zum Thema Glück kann man kaum geben!

VON FELICITAS HEYNE

Die renommierte Diplom-Psychologin und Buchautorin schreibt anlässlich des morgigen Welt-Parkinson-Tages, wie man es – trotz Krankheit – schafft, sich eine gewisse Zufriedenheit zu bewahren.

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