Schlucken fühlt sich einfach an – und wir merken erst, wie komplex dieser Vorgang ist, wenn es nicht mehr klappt. Wir schlucken etwa 2000-mal am Tag, und das dient nicht nur der Nahrungsaufnahme, sondern auch der Reinigung der Speiseröhre. Das Problem beim Schlucken ist, dass die Luft- und Speiseröhre eng nebeneinanderliegen – dadurch kreuzen sich die Atem- und Speisewege.
Es gibt mehrere Phasen beim Schlucken: Zuerst wird die Nahrung mit Speichel vermischt. Dann transportiert die Zunge den Speisebrei nach hinten. Jetzt wird es aber komplizierter: Die Nase wird durch das Anheben des Gaumensegels abgedichtet und die Stimmlippen schließen sich, darum kann man beim Schlucken auch nicht sprechen. Der Kehldeckel wiederum schließt den Kehlkopf und damit den Eingang zur Luftröhre – so wird Speise in die Speiseröhre geleitet. Hier wird sie mit einer Geschwindigkeit von 2 bis 4 Zentimetern pro Sekunde transportiert, selbst dann, wenn man kopfüber steht, wie bei einem Handstand. Erst nach 8 bis 20 Sekunden erreicht sie den Magen.
Kommt es zum „Verschlucken“, so ist fälschlicherweise Nahrung oder Flüssigkeit in die Luftröhre gelangt. Der Körper wehrt sich und versucht mit einem Hustenstoß, den „Eindringling“ loszuwerden. Dabei werden Höchstgeschwindigkeiten erreicht: bis zu 1000 Kilometern pro Stunde. Schallgeschwindigkeit!
Wer zu schnell isst oder sehr kalte respektive heiße Speisen bevorzugt, kann schnell Schluckauf bekommen. Die meisten Tricks, das Hicksen wieder loszuwerden – etwa an sieben Männer mit Glatze zu denken –, sind deshalb so hilfreich, da es durch diese Ablenkung wieder zu einer Entspannung des Zwerchfells kommt; beim Schluckauf sind seine Muskeln angespannt.
Übrigens: Haben Sie sich mal gefragt, wie Schwertschlucken funktioniert? Das Schwert wird die Speiseröhre hinuntergeschoben. Dazu muss unter anderem der Würgereflex abtrainiert werden – erst durch eine entsprechende Halsposition und Muskelentspannung können Engstellen der Speiseröhre überwunden werden. In einer Publikation des renommierten „British Medical Journal“ wurde beschrieben, dass die häufigsten Komplikationen beim Schwertschlucken Verletzungen der Schleimhaut in der Speiseröhre sind. Die erste Endoskopie, eine Untersuchung von Hohlorganen, wurde interessanterweise bei einem Schwertschlucker durchgeführt: 1868, mit Spiegeln und einer Benzinlampe.
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Magen: Warum ist er so komisch geformt? (Erscheinungstag: 21. Mai)