Plötzlich schmerzt die Flanke, man fühlt sich abgeschlagen, hat vielleicht auch etwas Fieber. Was erst mal an eine Nierenbeckenentzündung oder banale Rückenschmerzen denken lässt, entpuppt sich als etwas ganz anderes, sobald – meist einseitig – Bläschen auf geröteter Haut auftreten: die Gürtelrose, auch Zoster genannt.
Es handelt sich hier nicht um eine Neuerkrankung im eigentlichen Sinn. Vielmehr ist es die Reaktivierung eines alten Bekannten: des hochansteckenden „Varicella- zoster-Virus“. Beim „Erstkontakt“ löst er die Windpocken aus. Nach Ausheilung verschwindet er aber nicht aus dem Körper – sondern schlummert lebenslang in den Hirnnerven und Nervenwurzeln des Rückenmarks. Sind die Abwehrkräfte schwach, kann er sich erneut vermehren, wandert die Nerven entlang und führt zu dem klassischen bläschenförmigen, meist stark schmerzhaften Ausschlag.
Am häufigsten ist der Rumpf betroffen. Die Gürtelrose kann aber in jeder Körperregion auftreten. Gefürchtet ist ein Befall der Hirnnerven mit Beteiligung der Augen, Ohren und Gesichtsnerven. Im schlimmsten Fall bis hin zur Erblindung!
Nach Diagnosestellung muss deshalb schnell gehandelt werden. Zum einen werden sogenannte Virustatika eingesetzt – Mittel, die die Vermehrung der Viren hemmen. Zum anderen bedarf es unbedingt einer sehr guten Schmerztherapie. Diese dient nicht nur zur akuten Beschwerdelinderung, sondern auch insbesondere zur Vermeidung der häufigsten Komplikation, der sogenannten Postzosterneuralgie. Denn: Die durch den Virus oft geschädigten Nerven verursachen Monate bis Jahre, oft lebenslang anhaltende, brennende und stechende Schmerzen. Teilweise sind diese so stark, dass die Lebensqualität der Betroffenen erheblich eingeschränkt ist. Sie müssen dauerhaft Schmerzmittel einnehmen.
Jetzt aber die gute Nachricht: Vorbeugung ist hier möglich! Für Erwachsene ab 60 Jahren – bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung sogar schon ab 50 Jahren – steht seit vergangenem Jahr ein sehr effektiver Zoster-Totimpfstoff zur Verfügung. Seine Wirksamkeit liegt bei mehr als 90 Prozent – und damit weitaus höher als bei dem schon länger vorhandenen Zoster-Lebendimpfstoff. Da er nur Virusbestandteile enthält, ist zudem eine Anwendung auch bei Immungeschwächten gut möglich.
Geimpft wird zweimal im Abstand von zwei bis sechs Monaten. Als Impfreaktion kann es häufiger zu Schmerzen und Rötung an der Einstichstelle – oder allgemeinen Symptomen wie Müdigkeit, Fieber, Muskelschmerzen – kommen. Die Beschwerden sind aber von kurzer Dauer und vergehen nach ein bis zwei Tagen.
Aktuell wird die Impfung noch nicht von allen gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Dies wird aber bald – sehr sicher noch in diesem Jahr – der Fall sein. Spätestens ab dann sollte es heißen: Impfen, denn Impfen ist und bleibt die beste Prävention!
Der hausärztlich tätige Internist mit Praxis in Krailling (Kreis Starnberg) schreibt heute über ein besonders wichtiges Thema: die Impfung gegen Gürtelrose.