Bluthochdruck: Endlich im Griff!

von Redaktion

Bluthochdruck ist tückisch: Er tut nicht weh, schadet aber langfristig Herz und Gefäßen. Umso wichtiger ist es, seine Werte zu kennen. Doch was ist zu hoch, was noch normal? Zum Welt-Hypertonie-Tag an diesem Freitag gibt ein Experte Antworten auf die wichtigsten Fragen.

VON ANDREA EPPNER

Wie ein Motor treibt das Herz den Kreislauf an: Zunächst entspannt sich der faustgroße Hohlmuskel kurz und füllt sich dabei mit frischem Blut. Im nächsten Moment zieht er sich wieder zusammen – und pumpt das Blut damit kraftvoll zurück in das System der Blutgefäße.

Falls Sie sich schon einmal gefragt haben, warum der Blutdruck mit zwei Werten angegeben wird: Das ist der Grund. Im entspannten Moment des Herzens, der „Diastole“, ist er niedrig. Nur um einen Augenblick später, der „Systole“, deutlich anzusteigen. „Das ist die Zeit, in der die Pulswelle durch die Arterien fließt“, erklärt Dr. Christian Bradaric, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I am Klinikum rechts der Isar in München – hier die wichtigsten Fakten.

Ab wann spricht man von Bluthochdruck?

Erst vergangenes Jahr haben Experten diese Frage erneut geprüft – und eine neue Leitlinie erstellt: Von „arterieller Hypertonie“, also Bluthochdruck, spricht man demnach auch weiterhin bei Werten ab 140 zu 90 mmHg (Millimeter auf der Quecksilbersäule). „Dann sollte auch eine medikamentöse Therapie erfolgen“, sagt unser Experte.

Was macht zu hohen Blutdruck so tückisch?

„Das Gefährlichste ist, dass die meisten Patienten den erhöhten Blutdruck gar nicht bemerken“, warnt der Experte. Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit haben viele gar nicht oder allenfalls gelegentlich. So kommt es, dass wohl etwa jeder fünfte Betroffene nichts von seinem Bluthochdruck weiß, schätzt man bei der Deutschen Hochdruckliga – und das bei insgesamt 20 bis 30 Millionen Patienten in Deutschland. Auf lange Sicht schädigt ein zu hoher Blutdruck nämlich Blutgefäße im ganzen Körper – und zwar auch die in den Organen. Nieren und Gehirn reagierten hier besonders sensibel, sagt Bradaric. Es drohen Organschäden, das Risiko eines Schlaganfalls steigt. „Durch den ständigen hohen Druck, gegen den das Herz anpumpen muss, nimmt es an Dicke zu.“ Das kann schließlich zu einer Herzschwäche führen.

Woher kommt der hohe Blutdruck eigentlich?

Bei den meisten Patienten findet sich keine Ursache dafür. Im Befund steht dann meist „idiopathische Hypertonie“. Ein Auslöser finde sich nur bei etwa zehn Prozent der Patienten – nämlich „hormonelle Gründe oder Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sowie Nierenerkrankungen“, sagt Bradaric.

Wer sollte seinen Blutdruck messen lassen?

„Jeder Erwachsene sollte seinen Blutdruck kennen“, rät Bradaric – und das nicht erst, wenn er ins Rentenalter kommt. Je länger Bluthochdruck unentdeckt bleibt, desto mehr Schäden kann er anrichten. „Eine frühe Diagnose und Therapie kann für die Prognose entscheidend sein“, sagt daher unser Experte. Sein Rat: Junge Erwachsene sollten ihre Werte beim Arzt oder in der Apotheke messen lassen – beim ersten Mal am besten an beiden Armen, „um mögliche Unterschiede festzustellen“. Ist der Blutdruck optimal – also unter 120 zu 80 mmHg – reiche eine Kontrolle alle fünf Jahre. Liegen die Werte darüber, aber mit maximal bei 129 zu 84 mmHg noch im normalen Bereich, rät unser Experte zu einer Messung alle drei Jahre. Eine jährliche Kontrolle sei dagegen bei „hochnormalem Blutdruck“ sinnvoll, also im Grenzbereich von 130 bis 139 zu 85 bis 89 mmHg.

Reicht eine Messung für die Diagnose aus?

„In der Regel sind entweder mehrfache Messungen an unterschiedlichen Tagen in Ruhelage in der Praxis erforderlich“, erklärt der Experte. Denn: Der Blutdruck verändert sich ständig. Er wird durch die Tageszeit und viele äußere Umstände beeinflusst. So gibt es etwa ein Phänomen, das als „Weißkittelsyndrom“ gut bekannt ist: Betroffene haben dann nur bei der Messung beim Arzt erhöhte Werte – vielleicht, weil sie in der Praxis immer ein wenig angespannt sind. Den Blutdruck selbst zu messen, ist aber nicht nur dann sinnvoll (siehe Kasten). Hilfreich ist auch eine Langzeitmessung: Der Patient bekommt eine Blutdruckmanschette angelegt, die mit einem kleinen Gerät verbunden ist, das man am Körper trägt. Dieses misst den Blutdruck automatisch in programmierten Abständen – und das auch nachts: Im Schlaf sollten die Werte deutlich sinken. Mit diesen Daten kann der Arzt besser einschätzen, ob tatsächlich Bluthochdruck vorliegt.

Lässt sich der Blutdruck nur mit Tabletten senken?

Im Gegenteil: Basis jeder Therapie sollte immer ein gesunder Lebensstil sein. Dazu gehört eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst. Bradaric empfiehlt hier besonders die mediterrane Küche, die man allerdings nicht durch zu viel Wein ergänzen sollte: Denn auch Alkohol sollte man nur in Maßen genießen – und es zudem beim Salz nicht übertreiben: Fünf bis sechs Gramm Salz pro Tag, etwa ein Teelöffel voll, sind genug. Viele Menschen nehmen jedoch deutlich mehr Salz zu sich. Vor allem in Fertigprodukten und Backwaren steckt viel davon. An Salz zu sparen, kann sich also lohnen: „Eine Reduktion um 5 Gramm Salz pro Tag kann eine Absenkung des Blutdrucks um vier bis fünf mmHg erreichen“, sagt Bradaric. Das hätten Studien gezeigt. Wichtig auch: Auf Nikotin sollte man ganz verzichten, Übergewicht abbauen – und sich bewegen.

Welcher Sport tut Herz und Gefäßen gut?

Kraftübungen sind zwar gut für Knochen und Muskeln. Herz und Gefäße freuen sich aber vor allem über Ausdauersport wie Nordic Walking, Radfahren oder auch Joggen. Das trainiert das Herz und hält die Gefäßwände elastisch. Regelmäßige kurze Einheiten sind dabei günstiger als eine lange. „Am besten fünfmal eine halbe Stunde pro Woche“, rät Bradaric.

Wann kommt man um Arzneien nicht herum?

Ohne Medikamente geht es meist nur, solange der Blutdruck noch im hochnormalen Bereich liegt. Das ist zwar noch nicht krankhaft. Doch kann es da bereits sinnvoll sein, seinen Lebensstil zu verändern – besonders, wenn ein hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht. Bei Werten ab 140 zu 90 mmHg reicht das aber in der Regel nicht mehr: Patienten sollten dann auch Medikamente bekommen, die sie dauerhaft nehmen müssen.

Welche Medikamente kommen zum Einsatz?

Es gibt mehrere Wirkstoffklassen, die auf unterschiedliche Weise in die Regulation des Blutdrucks eingreifen. So wirken etwa „Diuretika“ entwässernd. Kalziumantagonisten, Betablocker, ACE-Hemmer, Sartane und Renin-Hemmer nutzen andere Angriffspunkte. Das lässt sich gezielt einsetzen: Kombiniert man Arzneien aus zwei oder mehr Wirkstoffgruppen, hat das oft einen synergistischen Effekt. Gemeinsam wirken sie also stärker als die Summe der Wirkungen der Einzelpräparate. Dadurch sind meist niedrigere Dosierungen möglich – ein großer Vorteil. Aktuelle Leitlinien sehen daher von Anfang an eine solche Kombitherapie vor, sagt Bradaric. Wer allerdings seit vielen Jahren mit nur einem Wirkstoff gut eingestellt ist, müsse daran nichts ändern. Die Vielfalt der Arzneien ist auch ein Vorteil, wenn es zu Nebenwirkungen kommt, etwa zu Reizhusten durch ACE-Hemmer: Dann gibt es immer noch viele Alternativen.

Sollte der Blutdruck bei Älteren weniger stark gesenkt werden?

„Für fitte und rüstige ältere Menschen gelten die gleichen Zielwerte wie für jüngere auch“, sagt der Experte. Auch für sie habe sich ein günstiger Langzeiteffekt auf das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko gezeigt. Bei sehr gebrechlichen älteren Menschen könne es im Einzelfall allerdings sinnvoll sein, auch höhere Werte zu tolerieren. Zumal Schwindel, eine häufige Nebenwirkung, zu Stürzen führen kann – und das ist bei Hochbetagten besonders fatal. Solche Nebenwirkungen lassen sich aber oft von vornherein vermeiden, indem man die Dosis sehr langsam erhöht. Das ist gerade bei älteren Patienten wichtig – auch wenn der Blutdruck dann nicht sofort auf Normalwerte sinkt. Entscheidender ist ohnehin, dass die Werte langfristig im gesunden Bereich liegen.

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