Sind Sie denn auch schön in den Mai getanzt? Ich hoffe es doch! Denn Sport und Bewegung sind nicht nur gesund für uns, sondern sie sorgen auch ganz generell für Glücksgefühle.
Vielleicht haben Sie auch schon einmal vom „Runner’s High“ gehört, dem „Läuferhoch“. Das ist ein rauschähnlicher, euphorischer Zustand, in den uns intensives Fitness-Training aller Art versetzen kann. Erzeugt wird er durch sogenannte Endorphine; Hormone, die der Körper bei großer Belastung ausschüttet. Diese wirken nicht nur schmerzstillend, sondern heben auch unsere Stimmung und machen uns damit leistungsfähiger – und glücklich.
Das funktioniert mit jeder Sportart. Aber gerade für Senioren bringen einige Formen der Bewegung noch ein besonderes Plus mit sich. Ganz weit vorne liegt dabei das Tanzen!
Eine Magdeburger Studie untersuchte kürzlich sportlich aktive Menschen zwischen 60 und 70 Jahren und verglich die unterschiedlichen Effekte, die allgemeines Fitness- und Tanztraining auf deren Gehirne hatte. Der Hippocampus (eine Region im Gehirn, die für das Abspeichern neuer Informationen und die Merkfähigkeit zuständig ist) profitierte bei beiden untersuchten Gruppen deutlich von der sportlichen Aktivität.
Aber nur bei den Tänzern zeigte sich außerdem noch ein positiver Effekt auf das Gleichgewichtsgefühl: Tanzen sorgt ganz spielerisch für ein besseres Körpergefühl und eine gute Körperhaltung. Also: Keine Chance für Alterszipperlein wie Bandscheibenvorfall und Sturzgefahr!
Doch Tanzen macht noch auf andere Weise glücklich: Angenehme zwischenmenschliche Beziehungen sind in jedem Alter ein Schlüssel für Lebenszufriedenheit. Wer ein ausgeprägtes soziales Netzwerk pflegt, ist in der Regel glücklicher als ein Eigenbrötler.
Gerade im höheren Lebensalter dünnt sich bei vielen dieses Netz aber leider oft aus: Mit dem Renteneintritt fallen die Kollegen als tägliche Ansprechpartner weg; vielleicht ist auch der eine oder andere gute Freund sogar schon gestorben. Und neue Kontakte knüpft man mit 70 auch nicht mehr so leicht wie mit 20.
Da ist das regelmäßige fröhliche Miteinander beim Tanzen in Sachen Glück einfach unbezahlbar! Zweimal die Woche das Tanzbein zu schwingen wirkt wie ein natürliches Antidepressivum. Und als „Nebenwirkungen“ sind dabei höchstens ein paar durchgeschwitzte Kleider und ein erhöhtes Selbstbewusstsein zu befürchten – welches Medikament kann das von sich behaupten?
Erfreuliche Sozialkontakte verbessern neben der Stimmung auch noch die Merkfähigkeit bei Senioren, wie eine US-amerikanische Untersuchung zeigen konnte: Sogenannte „Superager“ – das sind Menschen, die auch im Alter von über 80 Jahren noch ein außergewöhnlich gutes Langzeitgedächtnis aufweisen – unterschieden sich in einer Studie nämlich in ihrem Lebensstil von Gleichaltrigen nur in einem einzigen Punkt: Sie unterhielten mehr positive Beziehungen zu ihren Mitmenschen. Sie tun also gleich in doppelter Hinsicht etwas für Ihre geistige Fitness, wenn Sie eine flotte Sohle aufs Parkett legen!
Und das Schönste am Tanzen: Egal, wie alt Sie sind, was Sie wiegen, wie fit Sie sind oder welche körperlichen oder geistigen Einschränkungen Sie haben – selbst mit Rollator oder Rollstuhl können und sollten Sie sich auf die Tanzfläche wagen. Tanzangebote gibt es in so vielfältiger Auswahl, dass einfach für jeden das Passende dabei ist.
Alleine oder als Paar: Sie werden Ihren Spaß haben und jede Menge Glücksmomente sammeln können. Also: Let’s dance – und nicht nur im Wonnemonat Mai!
Die renommierte Diplom-Psychologin und Buchautorin schreibt, warum Tanzen Körper und Hirn fit hält. Und ganz beiläufig auch glücklich macht.