Partnersuche: Der zweite Frühling

von Redaktion

Liebe kennt kein Alter! Wenn Senioren auf der Suche nach einem Partner sind, zählen aber oft andere Dinge als bei jüngeren Singles. Das macht manches einfacher – legt allerdings auch ein paar neue Fallstricke. Die wichtigsten Expertentipps.

VON CHRISTINA BACHMANN

„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an. Mit 66 Jahren, da hat man Spaß daran. Mit 66 Jahren, da kommt man erst in Schuss. Mit 66 ist noch lange nicht Schluss!“, sang einst Udo Jürgens. Und das gilt noch immer: Viele Menschen jenseits der 60 suchen heute noch einmal einen Partner fürs Leben – weil ihr Partner gestorben ist oder, was immer häufiger vorkommt, man sich nach vielen Jahren Ehe getrennt hat.

Die Suche mit 70 sieht allerdings anders aus als mit Mitte, Ende 20. „Wenn ich jung bin, möchte ich einen Partner, mit dem ich auch eine Familie gründen kann“, sagt Dorothee Döring, selbst Jahrgang 1949 und zum zweiten Mal verheiratet. Sie hat zwei erwachsene Kinder und ist Autorin mehrerer Bücher zum Thema (Nicht-)Alleinsein im Alter, zudem Lebens- und Konfliktberaterin. Sie weiß: Wenn sich die Frage nach dem Nachwuchs nicht mehr stellt, kann es deutlich einfacher sein, jemand Passendes zu finden.

Zumal: Wer eine Familie gründet, ist über die Kinder ein Leben lang verbunden – selbst wenn die Beziehung scheitert. „Im vorgerückten Alter sagt man eher: ,Manches hat gepasst, manches nicht so gut, aber für die Zeit, die wir zusammen waren, war es okay“, erklärt Expertin Döring. „Da ist eine Lockerheit drin, wenn nicht mehr so viel davon abhängt.“

Gerade ältere Frauen geben ihre Freiheiten für einen neuen Partner nur ungern auf. So ist eine gemeinsame Wohnung für sie nicht selbstverständlich. „Die Männer wollen oft ganz gern eine Frau, die immer da ist und für alles sorgt. Frauen möchten aber genau das nicht oder nicht mehr, das haben sie ja schon hinter sich“, sagt Döring. „Sie wollen sich lieber mit ihren Freundinnen verabreden und, wenn sie Lust haben, mit dem neuen Partner etwas unternehmen.“

Das heißt aber nicht, dass es im Alter nur um gemeinsame Freizeitgestaltung geht! Auch Sexualität ist ein großes Thema, sagt Alexander Wild. Er ist Gründer und Geschäftsführer von Feierabend.de, einer Internet-Gemeinschaft für die Generation 60plus. Und er sagt: „Bei einer Umfrage von uns haben fast 40 Prozent gesagt, ab 60 Jahren hätten sie den besten Sex ihres Lebens gehabt.“

Bei Männern spiele Sexualität auf jeden Fall eine Rolle, erklärt auch Expertin Döring. „Bei den Frauen sind manche noch sehr aktiv, andere sagen: ,Mir reicht es, einen netten Menschen zu haben, mit dem ich über alles reden kann – und der sich für die gleichen Dinge interessiert wie ich.’“

Die Vorstellungen von einer neuen Partnerschaft im Alter können also ganz unterschiedlich sein. Senioren sollten sich deshalb klar darüber sein, was sie suchen. Und auch wissen: Den idealen Partner gibt es nicht. „Wenn man illusionär unterwegs ist, kann man nur enttäuscht werden“, warnt Döring. „Man sollte sich eher fragen: Was macht mich aus, wo würde ich Kompromisse eingehen, und was ist für mich überhaupt nicht verhandelbar?“

Außerdem muss man ehrlich zu sich sein: Suche ich nur einen Partner, weil ich nicht allein sein kann? „Dann erfüllt der mögliche Partner eine Funktion – und damit überfordere ich ihn“, warnt Döring. Daher empfiehlt sie Senioren, auch mal allein auszugehen oder sogar nur mit einem guten Buch im Gepäck zu verreisen. „Das ist erst mal eine Mutprobe, aber sonst bleibe ich immer abhängig von anderen!“

Bei der Suche nach einem Partner sollten Ältere zweigleisig fahren, rät Feierabend.de-Gründer Wild. Konkret: digital und analog. „Ich glaube, es ist nach wie vor sehr wichtig, dass man unter Menschen geht. Im richtigen Leben ist es wahrscheinlich am einfachsten, jemanden kennenzulernen.“

Gleichzeitig biete das Internet viele Möglichkeiten. „Das ist natürlich eine effiziente Art, überhaupt Kontakt herzustellen.“ Allerdings gibt es in der virtuellen Welt öfter mal ein Problem, nämlich die Ehrlichkeit. Das weiß auch Expertin Döring aus ihren Seminaren: „Die Frauen, die zu mir kommen, sagen: ,Wenn ich mein wahres Alter angebe und das über 50 ist, dann werde ich weggeklickt.’“ Denn: Gleichaltrige Männer suchten oft eine 15 Jahre jüngere Frau. „Natürlich führt das zu Schwindel – vor allem was das eigene Alter betrifft“, erklärt Döring,

Der fliegt spätestens bei der persönlichen Begegnung auf. Döring rät deshalb, dann lieber bei Senioren-Aktivitäten die Augen aufzuhalten, etwa beim gemeinsamen Wandern oder Grillen. „Da fragt kein Mensch: ,Wie alt bist du denn?’ Entweder gefällt man einander oder nicht.“

Internet-Experte Wild rät beim Online-Dating unbedingt zu einem Profil mit aktuellen Fotos – und ansonsten zu möglichst wenig konkreten Infos. „Eigentlich müssen für die erste Sichtung das Foto und der Wohnort reichen.“ Auch wenn man sich gegenseitig sympathisch ist, sollte man nach den ersten Nachrichten nicht sofort die Telefonnummer herausgeben – sondern erst, wenn man Vertrauen gefasst hat.

Für die Vorsicht gibt es einen Grund: das sogenannte „Love Scamming“. „Ältere Menschen werden ganz bewusst angegangen, wohl wissend, dass sie einsam sind. Da wird ihnen die große Liebe vorgegaukelt, und irgendwann kommt derjenige mit Geschichten, dass er jetzt ganz dringend Geld braucht“, warnt Wild.

Viele seien auf diese Weise um tausende Euro betrogen worden. „Sobald es ums Geld geht, sofort den Kontakt abbrechen!“ Dass solche Betrügereien zunehmen, sagt auch Julia Rehberg, Juristin und Verbraucherschützerin. „Es gibt eine große Dunkelziffer, weil die Leute sich schämen und sich dann niemandem anvertrauen.“ Sie rät, sich baldmöglichst mit Online-Kontakten zu treffen – und zwar an einem öffentlichen Ort. „Dann kann man sehen, ob es den anderen so wirklich gibt.“ Und womöglich auch spüren, ob dieser Mensch es ehrlich mit einem meint.

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