DIE HAUSARZT-KOLUMNE – NEUES AUS DER PRAXIS

Unbedingt behandeln!

von Redaktion

Ohne ihn kann man nicht leben, wenn er jedoch zu hoch ist, wird er zum Hauptverursacher von Schlaganfall, Herzinfarkt und Nierenschwäche. Einen normalen Blutdruck zu haben ist daher essenziell. Nur: Was ist normal?

In Patientengesprächen höre ich manchmal Dinge wie „100 plus Lebensalter“, das entspricht dann bei 70-Jährigen 170 mmHg. Gemessen wird dann aber nicht selten 200 mmHg oder mehr. Definitionsgemäß gilt ein Blutdruck dauerhaft über 140 mmHg als erhöht. Bei über-80-jährigen Patienten Werte über 160 mmHg. Bei 9 von 10 Patienten liegt ein primärer Bluthochdruck vor. Ursache sind hier genetische Veranlagung plus zusätzliche Risikofaktoren – wie ungesunde Ernährung, Stress, Übergewicht, Rauchen und Alkohol. Nur bei 10 Prozent der Patienten findet sich eine direkte Ursache, etwa Nierenerkrankungen, hormonelle Erkrankungen oder Medikamentennebenwirkungen. Wir sprechen dann von sekundärem Bluthochdruck.

Die meisten Patienten wissen nichts von ihrer Erkrankung, weil sie keine Beschwerden haben. Über Monate bis Jahre steigen die Werte langsam an und der Körper gewöhnt sich daran. Nur selten bringen Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen, Nasenbluten und Atemnot die Diagnose ans Licht. Deutlich häufiger ist es ein Zufallsbefund bei Vorsorgeuntersuchungen und Routinemessungen beim Arzt.

Einmal festgestellt, sollte der Bluthochdruck unbedingt behandelt werden! Die Basis der Therapie stellen zunächst Veränderungen der Lebensgewohnheiten dar. Hierzu zählen Gewichtsabnahme (am wichtigsten!), salzarme Ernährung, wenig Alkohol, Rauchstopp und viel Bewegung. Bei nur moderat erhöhten Werten kann zunächst drei bis sechs Monate abgewartet werden – dann zeigt sich, ob diese Maßnahmen ausreichen.

Sind die Werte aber von Anfang an stark erhöht oder reichen Lebensstiländerungen nicht (mehr) aus, muss mit blutdrucksenkenden Medikamenten begonnen werden. In der Regel stößt dies bei den Patienten auf wenig Gegenliebe: Angst vor Nebenwirkungen und Notwendigkeit der regelmäßigen Tabletteneinnahme begründen meist diese Abneigung.

Aber: Zum einen haben wir heutzutage sehr viele gut verträgliche Blutdruckmedikamente. Zum anderen ist ein dauerhaft erhöhter Blutdruck bei Weitem gefährlicher, als es die Medikamente je sein könnten. Denn: Eine Normalisierung des Blutdrucks senkt das Herzinfarktrisiko um 50 Prozent und das Risiko für Schlaganfälle um 40 Prozent. Überprüft werden sollte der Therapieerfolg mit zwei- bis dreimal täglich durchgeführten Blutdruckselbstmessungen – bis die Zielwerte erreicht sind.

Am besten eignen sich hierzu Blutdruckmessgeräte für den Oberarm (auf richtige Manschettengröße achten). Gemessen werden sollte im Sitzen nach 5 Minuten Ruhe. Wichtig ist, dass der Durchschnittswert stimmt. Vereinzelt erhöhte Werte sind normal – der Blutdruck kann sich in kurzer Zeit durch verschiedenste Einflüsse verändern. Aber: Einmal eingestellt, bedeutet nicht für immer gute Werte. Ein erneuter Anstieg ist möglich. Deshalb sind hin und wieder Selbstkontrollen gut!

VON DR. SEBASTIAN BRECHENMACHER

Der hausärztlich tätige Internist mit Praxis in Krailling (Kreis Starnberg) schreibt heute über Bluthochdruck – und seine Folgen.

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