Eigentlich sollte er die Herzchirurgie revolutionieren. Doch Karriere machte der Roboter-Assistent „Da Vinci“ in der Urologie: Hier gebe es heute kaum noch einen Eingriff, für den er nicht infrage käme, sagt Experte Dr. Boris Schlenker. Auch größere Tumore in der Prostata, Harnblasenkrebs oder ein verengter Harnleiter ließen sich damit behandeln.
Rund 50 Prozent der Prostatakrebs-Operationen in Deutschland erfolgten 2018 mit dem „Da Vinci“, sagt Schlenker. Heuer könnten es erstmals mehr als die Hälfte werden. Allein am Klinikum Großhadern würden rund 350 Eingriffe pro Jahr mit dem System durchgeführt. Längst ist der Roboter nicht mehr nur auf die Urologie beschränkt. Etwa ein Drittel der Eingriffe erfolge inzwischen in der Gynäkologie, ein weiteres Drittel bei OPs im Bauch. Mit den wachsenden Einsatzmöglichkeiten steigt auch die Zahl der Roboter: Waren vor zehn Jahren nur etwa 20 Systeme in Deutschland im Einsatz, seien es heute fast 150, sagt Schlenker. Ein anderer Roboter ist derweil aus deutschen OPs verschwunden: „Robodoc“ sollte in den 90er-Jahren hochpräzise künstliche Hüftgelenke einsetzen. Doch statt wie erhofft nach dem Eingriff wieder schneller auf die Beine zu kommen, kämpft ein Teil der so behandelten Patienten noch heute mit Schmerzen und Gehproblemen. Anders als der „Da Vinci“, der keine Bewegung eigenständig ausführt, wurde der „Robodoc“ programmiert und operierte dann automatisch. ae