Von 1. Juli an, also ab kommenden Montag, erhalten alle gesetzlich krankenversicherten Männer und Frauen ab 50 Jahren von ihren Krankenkassen eine schriftliche Einladung zur Darmkrebs-Früherkennung. Weitere Einladungen erfolgen jeweils im Alter von 55, 60 und 65 Jahren. Heute beantwortet ein Ärzteteam zusammen mit dem Gastroenterologen Professor Jürgen F. Riemann alle Fragen rund um dieses wichtige Thema. Jeweils von 8 bis 20 Uhr sind die Experten unter der Rufnummer 0800-420 30 40 zu erreichen. Alternativ kann man eine E-Mail schreiben: krebsinformationsdienst@dkfz.de.
Jährlich erkranken rund 61 000 Frauen und Männer an Darmkrebs, sagt Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes. Untersuchungen hätten gezeigt, dass Männer früher und auch häufiger an Darmkrebs erkranken als Frauen. „Viele der Erkrankungen ließen sich verhindern oder zumindest frühzeitig diagnostizieren, wenn mehr Menschen das Früherkennungsprogramm für Darmkrebs nutzen würden.“ Das neue Einladungsverfahren soll dazu beitragen: Jeder gesetzlich Versicherte im entsprechenden Alter wird an seine Chance zur Früherkennung erinnert. Für eine informierte und bewusste Entscheidung erhält jeder Adressat außerdem eine Informationsbroschüre. Sie klärt umfassend über Organisation, Ablauf, Nutzen und Risiken der Untersuchungen auf. „Mit dem neuen Einladungsverfahren wird das Thema Darmkrebs stärker im Bewusstsein der Menschen verankert. Dies führt langfristig hoffentlich zu höheren Teilnahmeraten“, sagt Professor Jürgen F. Riemann.
Darmkrebs lässt sich früh erkennen und auch wirksam vorbeugen. Er entsteht oft aus zunächst gutartigen Wucherungen der Darmwand, die in den Darm hineinragen, den sogenannten Darmpolypen. Die Darmspiegelung ist die zuverlässigste Methode zur Früherkennung von Darmkrebs: Nach einer gründlichen Darmentleerung wird der gesamte Dickdarm mit einem etwa 1,5 m langen, flexiblen Schlauch von etwa 1 cm Durchmesser untersucht (Koloskop). Entdeckte Polypen können gleich entfernt werden, da das Koloskop auch über einen Arbeitskanal verfügt, über den Hilfsgeräte wie Zangen oder Schlingen in den Darm vorgeschoben werden können. Auch immunologische Stuhltests werden zur Früherkennung eingesetzt – dabei wird eine Stuhlprobe auf nicht sichtbare Blutspuren hin untersucht. Diese können auf Darmpolypen oder Krebs hinweisen. Ein auffälliger Stuhltest muss durch eine Darmspiegelung abgeklärt werden. Weist der Test kein Blut nach, kann er regelmäßig wiederholt werden. Immunologische Stuhltests werden in der gesetzlichen Früherkennung seit 2017 eingesetzt. Sie entdecken Darmkrebs besser als chemische Stuhltests.