Groß, größer, Darm: Der Darm ist nicht nur unser wichtigstes Verdauungsorgan, er hat auch die gigantische Fläche eines Tennisplatzes. Kompakt gefaltet im Bauchraum fällt das aber auf den ersten Blick nicht unbedingt auf. Eine Frage stellt sich dennoch: Wozu braucht es diese riesige Oberfläche?
Ganz einfach: Die sogenannten Saumzellen im Dünndarm – nicht zu verwechseln mit dem Dickdarm, den wir erst in zwei Wochen behandeln – nehmen winzige Nahrungsbestandteile auf: etwa Zucker, Aminosäuren, Fette und Vitamine. Und diese stellen sie wiederum unserem Körper zur Verfügung. Zusätzlich wird im Dünndarm viel Wasser aufgenommen, nämlich acht bis neun Liter! Jetzt werden Sie denken: „Was? Ich versuche zwar, viel zu trinken, aber so viel schaffe ich beim besten Willen nicht – selbst nicht im Biergarten.“
Keine Sorge: Nur etwa 1,5 Liter kommen dabei aus der Nahrung, der Rest aus dem Speichel (1 Liter), dem Magensaft (1,5 Liter), den Sekreten des Dünndarms (3 Liter), dem Saft aus der Bauchspeicheldrüse (2 Liter) und der Galle (0,6 Liter).
Eine besondere Rolle in unserem Dünndarm spielen vor allem Bakterien: Mehr als 400 verschiedene Arten können hier vorkommen – und bilden damit die sogenannte Mikroflora. Noch mehr Bakterien finden sich übrigens im Dickdarm. Deshalb schleppt ein erwachsener Mensch insgesamt ein Kilogramm Darmbakterien mit sich herum. Man könnte auch sagen: Ein Gramm Darminhalt beinhaltet mehr Lebewesen als Menschen die Erde besiedeln! Wir sind also nicht allein …
Aber was genau machen diese Bakterien? So einiges! Sie helfen bei der Verdauung. Und: Sie verwerten die Reste, die durch Enzyme nicht aufgespalten werden. Sie produzieren auch „kurzkettige“ Fettsäuren, die von den Darmzellen als Energie genutzt werden können. Zudem verhindern sie, dass schädliche Bakterien – auch diese kommen natürlicherweise vor – in unserem Körper überhand nehmen und sich an der Darmwand festsetzen. Die Verschlussleisten zwischen den Darmzellen werden praktisch abgedichtet, sodass eine natürliche Barriere entsteht. Und zu guter Letzt haben die Bakterien einen wichtigen Einfluss auf unser Immunsystem: Durch sie wird es „trainiert“. So lernt unser Körper nach und nach, zwischen „gut“ und „böse“ zu unterscheiden. Die Wirkweise ist allerdings wechselseitig, da auch das Immunsystem selbst einen nicht unerheblichen Einfluss auf unsere Darmflora hat. Etwas verkürzt ausgedrückt bedeutet das: Ein schlechtes Immunsystem kann durchaus zu Verdauungsbeschwerden führen.
Man merkt jedenfalls, die Aufgaben des Dünndarms sind vielfältig und komplex. Und das erklärt auch, warum unser Darm so eine riesige Oberfläche braucht, nämlich so groß wie ein Tennisplatz. Die Antwort ist einfach: Damit er es schafft, möglichst viele Nährstoffe aufzunehmen.
Nächste Folge
Dickdarm: Was genau passiert dort? (Erscheinungstag: 16. Juli)