GLÜCKSFITNESS – DAS SCHÖNSTE GEFÜHL IM BESTEN ALTER

Man muss (sich) auch was gönnen können!

von Redaktion

In meiner letzten Kolumne habe ich Ihnen Frederick vorgestellt, die kleine Maus, die während des Sommers lieber Sonnenstrahlen als Körner für den Winter sammelte. Seither wissen Sie, dass schöne Momente in uns langfristig mehr Glücksgefühle erzeugen, als schöne Dinge es tun.

Aber: Um überhaupt schöne Momente sammeln zu können, ist etwas ganz wichtig, was viele von uns fast verlernt haben – Genussfähigkeit!

Das mag jetzt erst mal merkwürdig klingen, doch nur wenige Menschen können noch so richtig von Herzen genießen. Kein Wunder in unserer leistungsorientierten Gesellschaft. Zeit ist schließlich Geld! Wer traut sich da, in aller Ruhe mit einem Eisbecher untätig in der Sonne zu sitzen, wenn schon wieder der nächste Termin drängt?

Allzeit im Stress zu sein, ist heute fast ein obligatorischer Zustand; signalisiert er doch Aktivität, Produktivität, Gefragtsein. Selbst in der Freizeit wird bei vielen gerne jede Minute durchgeplant. Unzählige Möglichkeiten der Gestaltung erzeugen dann irgendwann eher den berühmten Freizeitstress, statt Muße oder gar Genuss.

„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!“ und ähnlich genussfeindliche „Anweisungen“ haben zudem wohl die meisten von uns im Laufe ihrer Erziehung irgendwann mit auf den Weg bekommen. Leider! Als Deutsche bilden wir daher insbesondere in Sachen Genuss im internationalen Vergleich oft das Schlusslicht – das belegen zahlreiche Studien.

Richtig genießen kann man zudem nur, wenn man weiß, was einem wirklich guttut. Und das muss man erst mal herausfinden! Die ganz persönliche Wahrnehmung wird dabei oft stark von äußeren Einflüssen überlagert. Da suggeriert einem die Werbung, was man angeblich alles tun und haben muss, um genießen zu können.

Für manch einen ist es deshalb wirklich Schwerstarbeit, eine sogenannte Genuss bejahende Einstellung zu entwickeln, die Überzeugungen wie „ich darf genießen“ oder „ich darf mir das gönnen“ beinhaltet.

Tatsächlich gibt es sogar eine Therapieform, die sich mit dem Genießen beschäftigt: die euthyme Therapie. Denn das Nicht-Genießenkönnen ist ein wichtiges Symptom von Depressionen – Psychologen nennen das Anhedonie.

Stellen Sie im Dienste Ihrer Glücksbilanz deshalb doch mal die kommende Woche gezielt unter das Motto des bewussten Genießens! Dazu brauchen Sie Zeit und Achtsamkeit: Überlegen Sie sich zunächst, was Ihnen persönlich besonderen Genuss bereitet. Vielleicht machen Sie sich ja auch eine Liste für jeden Ihrer fünf Sinne, die Sie gern fortlaufend ergänzen können.

Was essen oder trinken Sie besonders gerne, welches Gefühl auf der Haut macht Sie glücklich? Was ist Ihr Lieblingsduft, was Ihre Lieblingsmusik? Bei welchem Anblick geht Ihnen das Herz auf? Gönnen Sie sich mithilfe dieser Liste dann an jedem Tag dieser Woche einen ganz persönlichen Genussmoment.

Nehmen Sie diesen ganz aufmerksam und intensiv wahr, lassen Sie sich von nichts ablenken. Und vor allem: Nehmen Sie sich Zeit. Denn: „Es braucht zu allem ein Entschließen – selbst zum Genießen.“ (Eduard von Bauernfeld)

VON FELICITAS HEYNE

Die renommierte Diplom-Psychologin und Buchautorin schreibt, warum es so wichtig ist, bewusst zu genießen. Denn: Um schöne Momente sammeln zu können, muss man etwas wieder neu lernen: Genussfähigkeit!

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