Hepatitis: Angriff auf die Leber

von Redaktion

Die Leber hat viel zu tun: Sie befreit den Körper von Abfallstoffen und Giften, ist zudem Teil des Zucker- und Fettstoffwechsels. Umso schlimmer, wenn sie sich entzündet. Doch wie kommt es zu einer solchen „Hepatitis“? Und: Was hilft dann? Kurz vor dem Welthepatitistag gibt eine Expertin Antworten.

VON ANDREA EPPNER

Ist die Blase entzündet, beklagt sie sich mit Bauchweh und dem Gefühl, ständig aufs Klo zu müssen. Auch Magen und Darm machen richtig Radau, wenn sich Krankheitserreger darin ausgebreitet haben. Die Leber dagegen leidet stumm – auch dann, wenn sie entzündet ist: Eine solche Hepatitis sei „häufig eine Zufallsdiagnose“, sagt Prof. Brigitte Mayinger, Chefärztin am Helios Klinikum München West in Pasing. Hier erfahren Sie alles, was sie dazu wissen müssen.

Durch welche Anzeichen verrät sich eine Hepatitis?

„Die Symptome sind sehr unspezifisch“, sagt Mayinger. Patienten fühlen sich oft müde und abgeschlagen. Bei solchen Beschwerden denken die meisten aber eher an zu wenig Schlaf oder zu viel Stress, aber nicht an die Leber. Seltener meldet sich diese mit Schmerzen im Bereich des rechten Oberbauchs. Dazu kommt es nur dann, wenn sich die Leber vergrößert hat bzw. angeschwollen ist. Dann drückt das Gewebe auf die Leberkapsel, von der es umhüllt ist und darin befinden sich – anders als im Leberinneren – Nervenenden. Darum spürt man das. Viel häufiger gibt jedoch eine Blutuntersuchung einen ersten Hinweis auf eine Hepatitis. „Hauptsymptom sind erhöhte Leberwerte“, sagt unsere Expertin.

Es kann also sein, dass man gar nichts merkt?

Ja, auch das kommt vor. Allerdings meldet sich die Leber bei einer akuten Entzündung manchmal mit einem auffälligen Symptom: Dann färbt sich das Weiß der Augen gelb. Auch die Haut kann einen gelblichen bis leicht braunen Farbton annehmen. Umgangssprachlich spricht man dann meist von einer „Gelbsucht“. Das verrät, dass die Leber nicht mehr all ihre Aufgaben schafft. Dann kann sie den Gallensäure-Farbstoff „Bilirubin“ nämlich nicht mehr ausreichend abbauen. Dieser gelangt teils ins Blut – und schlägt sich in Augenhaut und in Haut nieder.

Reichen erhöhte Leberwerte für eine Diagnose?

Nein. Das zeigt nur, dass mit der Leber etwas nicht in Ordnung ist. Was genau das ist, müssen weitere Untersuchungen zeigen, darunter auch eine Ultraschall-Untersuchung der Leber. Zuvor wird der Arzt den Patienten aber genau befragen. Wie ein Detektiv versucht er damit, möglichen Ursachen auf die Spur zu kommen. War der Patient im Ausland und hat sich dort ein Tattoo stechen lassen oder frische Muscheln gegessen? Dann könnte er sich dabei eine Virusinfektion zugezogen haben, die man durch entsprechende Blutuntersuchungen abklären kann. Nimmt er regelmäßig Medikamente und sind darunter solche, die der Leber schaden können? Es gibt viele weitere Ursachen. Die häufigsten sind aber Übergewicht und zu viel Alkohol.

Was droht, wenn eine Hepatitis unbemerkt bleibt?

Bei einer Hepatitis sind nicht nur viele Entzündungszellen in der Leber aktiv. Hält dieser Zustand lange an, kann es zu einem Umbau der Leber kommen: Dann bildet sich immer mehr Bindegewebe, eine „Fibrose“ entsteht. Bekommt die Leber in diesem Stadium Hilfe, kann sie sich wieder erholen. „Geht das in ein Narbenstadium über und werden die Strukturen der Leber immer stärker zerstört, spricht man von einer Zirrhose“, erklärt Mayinger. Die Leber arbeitet dann auch nicht mehr richtig. Per Ultraschall, Computer- oder Kernspintomografie lasse sich aber nicht immer klar erkennen, ob es sich bereits um eine Zirrhose handle, sagt die Expertin. Um das zu klären, müssen manchmal Gewebeproben aus der Leber entnommen und im Labor untersucht werden. Eine solche Biopsie ist auch nötig, um einen Krebsverdacht abzuklären. Hierzu muss man wissen: Eine Leberzirrhose erhöht das Krebsrisiko.

Was bringt die Entzündung zum Abklingen?

Die Therapie besteht darin, die jeweilige Ursache der Hepatitis zu bekämpfen: Übergewichtige müssen also abnehmen, wer viel trinkt, muss auf Alkohol verzichten (siehe Kasten). Je früher die Entzündung abklingt, desto besser stehen die Chancen, dass sich die Leber vollständig oder weitgehend erholt. Ist ein Virus die Ursache, heilt die Infektion je nach Virustyp teils von selbst aus. Häufig ist das bei Hepatitis A-Viren der Fall. Oft sind es Reisende, die sich mit diesen Erregern anstecken, etwa durch mit Fäkalien verunreinigte Lebensmittel. Etwa drei Viertel der infizierten Erwachsenen entwickeln eine Gelbsucht, die aber fast immer von selbst abklingt. Nur selten verläuft eine Hepatitis A schwer. Vor allem für Reisende lohnt sich aber eine Impfung.

Wie ist das bei Hepatitis B?

Auch vor Hepatitis B schützt eine Impfung. Diese wird inzwischen sogar für Kinder und Jugendliche sowie für Risikogruppen wie etwa medizinisches Personal als Standardimpfung empfohlen – und damit auch von der Krankenkasse bezahlt. Zwar heilt eine Hepatitis B-Infektion bei etwa 95 Prozent der Betroffenen aus, sagt Mayinger. Wird die Infektion chronisch, sei diese nicht mehr vollständig heilbar. Allerdings lassen sich die Viren bei vielen Patienten mit Medikamenten zumindest in Schach halten – und die Leber oft vor einem fortschreitenden Funktionsverlust schützen. Zum Einsatz kommen je nach Stadium Wirkstoffe, die die Virusvermehrung hemmen oder das Immunsystem beeinflussen.

Ist eine Hepatitis C heilbar?

Nur ein Viertel der Patienten hat nach einer Hepatitis C-Infektion Beschwerden. Bei etwa der Hälfte davon heilt die Infektion einfach von selbst aus. Drei Viertel der Infizierten bemerkten indes nichts von ihrer Infektion, sagt Mayinger. Ausgerechnet bei ihnen verläuft diese oft chronisch. Aber: Es gibt seit einigen Jahren Medikamente, die ihnen helfen. „In vielen Fällen ist eine vollständige Heilung möglich.“ Zum Einsatz kommt eine Kombination aus zwei bis drei „Virustatika“ – in einer Tablette. Die Wirkstoffe hemmen die Vermehrung der Viren auf mehreren Ebenen. Diese Therapie dauert meist zwischen acht und zwölf Woche. Sie ist teuer und kann pro Patient mehr als 40 000 Euro kosten. Aber: Danach sind sehr viele Infizierte virusfrei. „Das ist ein echter Durchbruch.“

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