Wilde (Un-)Kräuterküche

von Redaktion

Aufgeräumt und ordentlich sind bei Maria Hager (50) nur die Küchenschränke. In ihrem Garten in Polling (Landkreis Weilheim-Schongau) pflegt sie das Chaos. Doch mit Hilfe ihres „Unkrautgartens“ hat sie einen gut gehenden Partyservice in ihrer Heimat etabliert.

VON ANGELIKA MAYR

„Willkommen in meinem geschlamperten Garten“, sagt Maria Hager und lacht herzlich. Neben ihrem Haus in Polling (Landkreis Weilheim-Schongau) hat die 50-Jährige einen wilden Mix aus Kräutern und Gemüse gepflanzt, auch Wald-Erdbeeren finden sich dazwischen. Alles wächst kunterbunt durcheinander, die letzten Regenfälle haben zusätzlich den Anblick eines „Unkrautgartens“ verstärkt.

Doch die Verwüstung ist nur scheinbar. Maria Hager weiß sofort, wo sie Knoblauch und Lavendel findet. „Wild, aber doch strukturiert“, lautet ihr Motto.

Und damit liegt sie voll im Trend: „Früher haben viele über mich und meinen Garten die Nase gerümpft“, sagt die Hobbygärtnerin grinsend. „Aber jetzt wollen auf einmal alle meine Wildkräuter.“

Das spürt sie auch bei ihren Kräuterseminaren und dem Partyservice. Über die Jahre hinweg hat die gelernte Hauswirtschaftsmeisterin für den ländlichen Bereich das Catering aufgezogen. Mit ihren Helferinnen bereitet Hager bis zu 1000 Häppchen vor oder kocht für Hochzeiten und Familienfeiern.

Früher seien es vermehrt Schweinsbraten mit Knödeln gewesen, heute wünscht sich das Brautpaar auch schon mal ein komplett vegetarisches Menü – inklusive Maria Hagers Wildkräuter. Für sie ist es mittlerweile keine Seltenheit mehr, dass Vegetarier bei Veranstaltungen nichts mehr vom fleischlosen Gericht abbekamen, weil die anderen Gäste sich auf das fleischlose Gericht gestürzt hatten. Das erfüllt die Hauswirtschaftsmeisterin mit Stolz.

Als Tochter des ehemaligen Bürgermeisters überraschte es ihr Umfeld einst, dass sie zusammen mit ihrem Mann Hans ein ökologisches Haus mit Lehmwänden baute und den Garten „verwildern“ ließ. 22 Jahre ist das mittlerweile her. Viel Gerede habe es gegeben, damals. Heute dagegen liegt ein Ökohaus mit wildem Garten voll im Trend. „Wer hätte das gedacht?“, sagt sie und freut sich über diese Entwicklung.

Mittlerweile läuft der Partyservice so gut, dass sie im Keller ihres Lehm-Hauses eine Profi-Küche einbauen musste. Einige Zutaten ihrer Gerichte lässt sie sich liefern, doch das Gros stammt aus ihrem Garten. Als Kräuterpädagogin achtet sie darauf, dass dort fast alles essbar ist. Sogar die Blumen verwendet sie. Entweder dienen diese als Gewürz oder sie werden dekorativ mit einer Creme gefüllt. „Früher sorgten essbare Blumen eher für Argwohn. Heute werden sie oft als erstes gegessen“, freut sich Maria Hager. Ihr selbst kommt das gelegen. Ihr Mann und sie würden am liebsten nur noch so kochen.

Doch ihre fünf Söhne, zwischen neun und 24 Jahren alt, wünschen sich zwischendurch auch mal ein „richtiges“ bayerisches Mittagessen. Jetzt wird mal so, mal so bei den Hagers gekocht – und alle sind zufrieden. Aber auch die Söhne lernen, den Wildkräutergarten immer mehr zu schätzen. Ab und zu kommt jetzt sogar schon mal die Frage auf: „Mama, du hast schon lange keine Brennnesselknödel mehr gemacht. Wie wär‘s mal wieder damit?“

Und noch einer hat den Wildkräutergarten der Hagers für sich entdeckt: Am Zaun hat ein Igel seine Kinderstube eingerichtet. „Manchmal sehe ich ihn an mir vorbeihuschen, wenn ich Kräuter abschneide“, freut sich die Gärtnerin. Wenn sie den stacheligen Genossen leise husten hört, ist sie sich sicher: ein Grund mehr, den „Unkrautgarten“ zu behalten.

Mein Küchengeheimnis

In der vergangenen Woche hat sich beim Kaiserschmarrn-Rezept ein Fehler eingeschlichen. In den Teig gehören 1 kg Mehl,1 Prise Salz, je 800 ml Wasser und Milch, 4 Eier, ein Schuss Rum, 4 TL Vanillezucker.

Der Teig wird in Butterschmalz rausgebacken und in große Stücke gerissen. Mit Butter und Zucker karamellisieren

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