Eine Zugfahrt, die ist lustig …

von Redaktion

Zugfahren mit den Enkeln ist manchmal ein kleines Abenteuer. Und eine schöne Erinnerung – vorausgesetzt, Großeltern kennen die Kniffe. Damit wird diese Reise ein entspanntes Erlebnis, für beide Seiten. Viel gemeinsame Zeit inklusive. Unsere besten Tipps.

VON NORA REINHARDT

Jeder, der mit kleinen Kindern Zug fährt, kennt dieses Ritual: Brotzeit über dem Sitz zerbröseln, dann auf die Toilette wandern, das Ganze mehrfach wiederholen. Die österreichische und deutsche Bahn bieten inzwischen extra Angebote für Reisen mit Kindern an: einen Familienbereich, ein Kleinkindabteil, eine Kinderfahrkarte oder eine Kinderbetreuung. Zudem gibt es einen Service, wenn man Hilfe beim Umsteigen mit Kindern braucht; organisiert wird der von der Mobilitätsservice-Zentrale der Bahn. Ob man nun solche speziellen Angebote nutzt oder nicht – wichtig für eine Zugreise mit Kindern ist vor allem eines: dass man einen Platz mit Tisch reserviert. Ansonsten kann man sein Glück im Speisewagen versuchen. Was sonst noch zählt? Hier ein paar Vorschläge:

Lernen Sie Ihre Enkel besser kennen

Eine Bahnfahrt ist die ideale Gelegenheit, sich altersgerecht mit seinen Enkeln zu unterhalten. Wer Schwierigkeiten hat, den Anfang zu finden, kann Fragebögen vorbereiten – mit allem, was Oma und Opa interessiert. Zum Beispiel: Was möchtest du später werden und wieso? Was macht dich traurig? Wie sieht dein Traumhaus aus? Was war das Lustigste, das heute Morgen passiert ist? Was magst du an deinem besten Freund? Wie stellst du dir das grusligste Tier der Welt vor? Wie sieht ein perfekter Ausflug für dich aus? Und: Stell dir vor, du bist Koch – was gäbe es in deinem Restaurant zu essen? Wenn diese Antworten amüsant sind, können Sie die Rezepte sogar notieren und als Buch herausbringen! Als Oma und Opa kann man natürlich auch Quatschfragen stellen! Alles, was das Kind zum Nachdenken, Fantasieren und Plappern anregt, ist erlaubt – und gewünscht! Auch die Antwort auf die Frage „Was würde dein Lieblingsstofftier jetzt wohl sagen?“ kann durchaus aufschlussreich sein. Mit älteren Enkeln kann man zudem ein Quiz veranstalten und sie Dinge zum Ausflugsort, der Umgebung oder Geschichte fragen – und einen kleinen Preis ausloben.

Bringen Sie Bücher und Spiele mit

Eltern wissen am besten, was ihre Kinder gern spielen: vom Spielzeugauto zum Malbuch über „Pollypocket“ und magnetische Spiele oder Kniffelspiele. Bücher zum Lesen oder Vorlesen sind ein Garant für leise kleine Reisende, auch Hörbücher. Dann sollte man Kopfhörer nicht vergessen. Für die Älteren, die Smartphones selbst bedienen, gibt es die App „Ooigo“, die nur auf altersgerechte Inhalte der „Spotify“-Audiothek zugreift. Auch Brettspiele bringen Enkeln und Großeltern Spaß, genau wie „Uno“ oder „Uno Junior“. Das Spiel des Jahres „Just One“ eignet sich besonders gut für Zugfahrten, weil man Wörter umschreiben muss. Und das geht auch in Abteillautstärke. Und: „Tiptoi“-Bücher sind immer ein gefragtes Reise-Spiel. Käsekästchen, Drei gewinnt, Galgenmännchen oder Schiffe versenken sind Klassiker, die schon die Großeltern gespielt haben. Sie können auch zu einem Trick greifen: Lassen Sie sich ein zuletzt nicht sehr oft verwendetes, etwas in Vergessenheit geratenes Spielzeug von den Eltern geben, packen Sie es in Geschenkpapier ein und überreichen Sie es dem Kind feierlich im Zug. Eine Überraschung, die das Kind mit neuem Eifer damit spielen lässt!

Gestalten Sie das Programm einfach

Reisen Sie mit zwei – oder mehr – Kindern, schicken Sie sie mit einem Auftrag los und veranstalten eine Mini-Schnitzeljagd: Wie viele Kinder befinden sich im Waggon? Wie viele Brillenträger? Wie viele Menschen mit einem blauen Oberteil? Sie können auch ein Zug-Bingo vorbereiten, indem Sie auf einen Zettel Dinge und Personen schreiben, die man auf einer Zugreise vielleicht sehen wird: zum Beispiel ein grünes Auto, einen weißen Hund, eine rothaarige Frau, einen See, eine entgegenkommende S-Bahn, einen Mann mit Hut – lassen Sie die Kinder abhaken, was sie auf der Reise sehen. Was immer gut ankommt: Ich sehe was, was du nicht siehst. Alle Vögel fliegen hoch. Flüsterpost. Teekesselchen. Oder das Kind denkt sich einen Prominenten oder ein Ding aus, und Oma oder Opa versuchen, es zu erraten. Auch empfehlenswert: Die Kinder dürfen auf die Fragen der Großeltern nicht mit einem bestimmten Wort antworten, etwa „ja“, „nein“, „nicht“ oder „vielleicht“. Zudem können Sie mit den Enkeln Geschichten erfinden. Ein Anfang könnte sein: „Als Minna von Marienburg in die Burgküche ging, machte sie eine verblüffende Entdeckung …“

Lassen Sie Langeweile auch mal zu

Die Brezen sind verspeist, der Zug erkundet, die Spiele gespielt, die Rätsel gelöst und das Nickerchen gemacht? Und jetzt? Großeltern kennen das Gefühl in der Regel noch sehr gut: Langeweile. Und genau das können Kinder von Oma und Opa lernen. Weil Eltern sich inzwischen oft eher als Alleinunterhalter statt als Erzieher sehen, verlernen viele Kinder, einfach mal nichts zu tun. Stattdessen: Bespaßung und Beschallung. Dabei ist es wichtig, dass das Kind sich auch mal der Langeweile hingibt! Es gibt etliche Studien, die belegen, dass solche Phasen sehr gut für Kinder sind. Gerald Hüther, Neurobiologe an der Universität Göttingen, hat etwa herausgefunden, dass Langeweile das Hirn anregt und Kinder und Jugendliche so ihr Potenzial besser entfalten können, erfinderisch zu werden und aus sich selbst heraus für Unterhaltung zu sorgen. Je älter Kinder sind, umso schwerer tun sie sich damit. Kleine Kinder spielen noch im Sandkasten, mit einer Münze oder einem Ast – und ihrer Fantasie, die Welten entstehen lässt. Langeweile ist eine der wichtigsten Triebfedern der kindlichen Entwicklung – und eine Zugfahrt ist eine schöne Gelegenheit, diese zu trainieren. Zumal man gemütlich bei Oma und Oma auf dem Schoss sitzen und kuscheln kann, die Landschaft vorbeizieht und auch wirklich nichts zu tun ist. Wenn das Kind äußert, dass es ihm langweilig sei, sei es laut dem Erziehungswissenschaftler Peter Struck am besten, darauf nicht zu reagieren. Wer nach diesem Satz sofort ein Bespaßungs- und Ablenkungsmanöver einleitet, bringe das Kind nur dazu, daraus zu lernen: „Wenn mir fad ist, lässt sich jemand anderes etwas für mich einfallen.“ Man kann jedoch – dazu raten Struck und andere Forscher – das Kind, etwas unterstützen, in dem man ihm etwa Anregungen gibt, die das Kind weiterentwickeln kann.

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