Leser, 75: Wenn ich zur Toilette gehe, dauert es oft etwas, bis ich Wasser lassen kann. Dafür muss ich nachts häufiger wegen Harndrangs aufstehen. Liegt es an der Prostata?
Die geschilderten Symptome können in der Tat durch eine vergrößerte Prostata verursacht werden. Jedoch können auch andere Erkrankungen zu einem vermehrten nächtlichen Harndrang führen, so zum Beispiel Herzerkrankungen. Um die Ursache abzuklären, empfiehlt sich ein Besuch beim Urologen. Ist tatsächlich die Prostata die Ursache, lassen sich die Beschwerden oft durch die Einnahme eines Medikamentes – etwa eines „Alpha-Blockers“ – oder eine unkomplizierte Operation beseitigen. Zusätzlich können Sie Ihr Trinkverhalten ändern und tagsüber mehr trinken, zum Abend hin jedoch weniger Flüssigkeit zu sich nehmen und harntreibende Getränke wie Alkohol und Tee meiden.
Leser, 52: Vor etwa drei Monaten wurde meine Prostata entfernt, weil ich Krebs hatte. Der Tumor war zwar klein. Trotzdem habe ich noch Probleme mit der Potenz. Bleibt das jetzt dauerhaft so und helfen Potenzpillen?
Wenn die Prostata bei einer „Radikal-Operation“ entfernt wurde, sind drei Monate eine relativ kurze Zeit. Die Erektionsfähigkeit kann sich noch bis zu drei Jahre nach einem solchen Eingriff verbessern. Insbesondere jüngere Patienten mit wenig fortgeschrittenen Tumoren, so wie Sie, haben gute Chancen, wenn schonend operiert wurde. Sie können jedoch bereits jetzt den Versuch unternehmen, die Erektionen durch die Einnahme von Medikamenten, sogenannten „PDE-5 Inhibitoren“, zu erleichtern. Lassen Sie sich diese Tabletten aber unbedingt von Ihrem Urologen verschreiben und vermeiden Sie „Potenzpillen“ aus dem Internet: Bei diesen ist die chemische Zusammensetzung oft unklar!
Leserin, 51: Wenn ich huste oder lache, habe ich Angst, dass etwas Urin abgeht. Dabei habe ich sonst keine Probleme mit der Blase. Was kann ich tun?
In Ihrem Fall ist eine umfassende urologische Abklärung sehr sinnvoll. Die Beschwerden deuten auf eine „Belastungsinkontinenz“ hin. Die Ursache können Geburten, Operationen, Übergewicht und anderen Faktoren sein. Sind die Beschwerden mild, lassen sich diese manchmal durch gezieltes Beckenbodentraining bessern. Reicht das nicht, gibt es heute zudem verschiedene, sehr schonende minimal-invasive Operations-Verfahren. So kann man zum Beispiel ein unterstützendes Band unter die Harnröhre legen. Sind all diese Maßnahmen nicht erfolgreich, kann es bei sehr ausgeprägter Inkontinenz auch nötig sein, einen „künstlichen Schließmuskel“ einzusetzen: Das ist ein flüssigkeitsgefüllter Ring, der um die Harnröhre herum gelegt wird und diese hydraulisch zudrückt.
Leser, 50: Ich habe erstmals meinen „PSA-Wert“ bestimmen lassen. Der Wert lag bei 4,2. Der Hausarzt sagt, das sei recht hoch für mein Alter, aber kein Grund zur Sorge. Stimmt das oder sollte ich doch lieber zum Urologen?
Der PSA-Wert gibt die Konzentration des „Prostata-spezifischen Antigens“ (PSA) im Blut an. Er kann durch verschiedene Faktoren erhöht sein, darunter auch harmlose. So bildet eine größere Prostata beispielsweise mehr PSA als eine kleine. Auch Entzündungen können einen Anstieg verursachen. Allerdings muss man auch Prostatakrebs als Ursache ausschließen. Zunächst sollte ein erhöhter PSA-Wert allerdings erst kontrolliert werden. Ist der Wert erneut erhöht, ist er also größer als vier Nanogramm pro Milliliter (ng/ml), sollte dies von einem urologischen Facharzt genauer abgeklärt werden – insbesondere bei jüngeren Patienten, aber auch bei einer „familiären Vorbelastung“, wenn also etwa der Vater oder Bruder ein Prostatakarzinom hatten.
Leserin: Kann eine „Neoblase“ auch bei Frauen konstruiert werden?
Bei Patienten mit fortgeschrittenem Blasenkrebs kann es nötig sein, die Harnblase komplett zu entfernen. Um den Urin weiter aus dem Körper herauszuleiten, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wird ein „Stoma“ – ein künstlicher Ausgang – aus Dünndarm geformt und nach außen gelegt. Eine Alternative dazu ist die von Ihnen genannte „Neoblase“. Das ist ein Urinreservoir, das ebenfalls aus Darm geformt und anstelle der natürlichen Harnblase geschaffen wird. Dieses wird an die noch vorhandene Harnröhre angeschlossen. Patienten können daher also wieder ganz normal Wasser lassen. Prinzipiell kann man diesen Eingriff, je nach Lage und Aggressivität des Harnblasentumors, bei Männern und Frauen gleichermaßen durchführen.
Leser, 69: Ich lese oft von pflanzlichen Arzneien mit Kürbiskernen, die bei einer vergrößerten Prostata helfen sollen. Stimmt das?
Ein grundlegendes Problem bei allen pflanzlichen Medikamenten für die Prostata ist: Der Anteil der wirksamen Substanzen zwischen Produkten verschiedener Hersteller und womöglich sogar zwischen einzelnen Chargen der Tabletten schwankt stark. Daher ist auch die Studienlage zum Nutzen dieser Mittel nicht einheitlich. Die Mehrzahl der Studien zeigt jedoch keine dauerhafte Verbesserung der Symptome durch die Einnahme von Kürbiskernen. Gut untersucht ist, dass diese pflanzlichen Mittel keinen Einfluss auf das Wachstum der Prostata haben. Sie können auch das Risiko eines „akuten Harnverhalts“ nicht senken, also dass Patienten plötzlich gar nicht mehr Wasser lassen können. Aber: Sie können relativ gefahrlos ausprobieren, ob pflanzliche Mittel Ihre Symptome verbessern. Hilft das nicht, kann Ihnen ein Urologe auch gängige Medikamente wie etwa „Alpha-Blocker“ oder „5-Alpha Reduktase-Inhibitoren“ verordnen.
Leser, 79: Ich hatte vor zwei Jahren Prostatakrebs. Die Prostata wurde in einer Operation entfernt. Seither kann ich das Wasser nicht mehr richtig halten. Was kann ich tun?
Ein unwillkürlicher Urinverlust kann nach Entfernung der Prostata auftreten, insbesondere bei fortgeschrittenen Tumoren und älteren Patienten. Um das Problem zu lindern, sollten Sie zunächst ein konsequentes Beckenbodentraining durchführen. Wie das geht, lernen Sie zum Beispiel bei der Anschluss-Heilbehandlung in einer Rehaklinik. Zusätzlich empfiehlt es sich, von einem spezialisierten Physiotherapeuten kontrollieren zu lassen, ob Sie die Übungen richtig machen. Viele Patienten führen das Training nämlich nicht effektiv oder sogar falsch durch. Bringen diese Maßnahmen keine Verbesserung, kann oft ein operativer Eingriff helfen. Hierzu gibt es verschiedene Verfahren, bei denen die Harnröhre und der Schließmuskel unterstützt oder komprimiert werden. Wenn auch diese Verfahren nicht erfolgreich sind, bleibt noch die Option, einen „künstlichen Schließmuskel“ einzusetzen.
Zusammengestellt von A. Eppner.