von Redaktion

VON NICOLA FÖRG

Einmal im Jahr läuft Christiane Hartmann von der Kreisgruppe München des BUND Naturschutz zu organisatorischer Höchstform auf: Sie koordiniert Freiwillige für Einsätze – Listen, Pläne, Mails, Telefonate. „Heuer war das Interesse besonders groß, die Sehnsucht nach sinnvoller Betätigung gewaltig.“ Die Rede ist vom Setzen der mobilen Amphibien-Schutzzäune und auch vom Absammeln der Tiere. Die Kreisgruppe betreut einen Abschnitt „Am Perlacher Forst“. Und da muss der Zaun erst einmal gesetzt werden. „Die Halterungen müssen in den Boden geschlagen werden, das sind Stabsysteme, an denen man den Zaun dann aufhängt, er wird mit einer Schnur gespannt, am Boden wird er zudem mit einer Art Heringe befestigt, um nach unten dicht zu sein.“

Bei diesem System gibt es keine Eimer, in die die Tiere fallen, sondern sie werden am Zaun aufgelesen. Grund: Im Eimer wird man als Kröte leicht Beute von Füchsen und Graureihern. Zudem fallen auch Mäuse oder andere Kleinsäuger in die Eimer, die dann vor Angst urinieren und dieser Urin ist vor allem für Molche, die den Harn dann über die Haut aufnehmen, schädlich bis tödlich. „Das Sammeln erfolgt abends, wir patrouillieren am Zaun, man hat einen Eimer mit Laub dabei, nimmt das Tier vorsichtig auf, setzt es hinein und trägt es dann über die Straße zum Laichgewässer.

Eine Frage der Helfer kommt immer: „Und wann geht es los?“ Hartmann ist keine Prophetin. „Genau das wissen wir nicht. Das ist wetterabhängig.“ Späher laufen auch schon vor dem Startschuss am Zaun entlang. Wenn die Wanderung einsetzt, sind das oft Zeiträume von 4 bis 6 Wochen. Jeden Abend sind zwei Freiwillige unterwegs, „man muss gewillt sein, den ganzen Abend dort zu verbringen und in gebückter Haltung am Zaun entlangzugehen“, lacht Hartmann. Also nichts für Kreuzlahme! Und dann gibt es auch noch die Rückwanderer unter den Tieren, denen erneut geholfen werden muss. „Es gehört Erfahrung dazu, zu wissen, wo die Tiere hinwollen und sie dann auch in der richtigen Richtung abzusetzen.“ Tatsächlich hat sich der Rhythmus der Amphibien-Wanderungen geändert. Früher sind einzelne Arten „in Schüben“ gewandert. Heute vermischen sich die Arten sowie die Hin- und Rückwanderungen immer mehr. „Das macht die Rettung schwerer“, sagt die Expertin. Trotzdem sind es allein in ihrem Revier rund 1000 Tiere, die jedes Jahr gerettet werden!

Baggern für den Laich

Christan Köbele baggert! Also nicht selber, er lässt baggern und zwar für die Wechselkröte. Köbele vom Landesbund für Vogelschutz, Kreisgruppe München, steht in einer Lehmgrube im Übergangsbereich der Landkreise Fürstenfeldbruck und Aichach-Friedberg bei Glon und brieft den Baggerfahrer. Recht flach sollen die zwei Tümpel werden, etwa 50 Zentimeter tief und etwa 6 mal 8 Meter groß. Einer der Tümpel kann ausgepumpt werden, der zweite liegt am Hang und bekommt einen Auslaufstopfen.

Wechselkröten einen perfekten Laichplatz zu bieten, ist gar nicht so einfach. „Die Wechselkröte geht nicht mal so in einen Gartenteich. Sie ist eine wärmeliebende Art, die vegetationsarme Lebensräume braucht. Die Erdkröte schiebt sich einfach durch den Bewuchs, die Kreuzkröte bewegt sich fast wie eine Maus, die Wechselkröte hüpft. Anders gesagt: Wenn du sieben Zentimeter groß bist, kommst du im üppigen Bewuchs nicht weiter.“

Einst gab es die Wechselkröte auch auf den sich ständig ändernden Sand- und Kiesbänken an der Isar – bevor der Sylvensteinspeicher gebaut wurde. Auch in den Nordheiden von München lebte sie in großer Zahl. Dann wurde München Garnisonsstadt, Straßennamen wie „Schwere Reiter Straße“ zeugen noch davon. München wuchs nach Norden. Kein Platz für Kröten! Wobei Militär nicht schlecht sein muss. Das Naturschutzgebiet Mallertshofer Holz war bis 2008 Truppenübungsplatz und Panzer schufen immer auch feine Krötentümpel.

Dass heute MAN Fahrzeuge in der Fröttmaninger Heide testet, dient sogar dem Krötenschutz. Die dicken Reifen legen Tümpel an, natürlich darf das nur im Winter geschehen, bevor die Kröten aufwachen. Für Wechselkröten sind Tümpel, die austrocknen, sogar ein Vorteil, weil dann weniger Fressfeinde vorhanden sind. Aber es geht natürlich um das richtige Timing. Und auch wenn die Tiere zum richtigen Zeitpunkt ablaichen können – ihre Laichschnur enthält 8000 bis 15 000 Eier – gibt es große Schwankungen im Bestand. Köbele: „Hier in Glon reden wir vielleicht noch von 50 adulten Tieren.“ Drum lässt er baggern und die Tümpel sind „Himmelsgewässer“, also solche, die sich nur durch Regen füllen.

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