Was sollte Frau nicht mehr essen, welchen Sport besser lassen und wie läuft das bei der Geburt? Kündigt sich ein Baby an, stellen sich werdende Eltern schon zu normalen Zeiten tausend Fragen. Jetzt, mitten in der Corona-Pandemie, sind bei vielen noch einige dazu gekommen. „Viele machen sich Sorgen, wie die Schwangerschaft und die anschließende Geburt unter Corona-Bedingungen ablaufen werden“, bestätigt Dr. Sabine Keim, Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Helios Klinikum München West. Antworten auf die häufigsten Fragen.
Kann sich das Baby im Mutterleib infizieren?
„Theoretisch ist es möglich, dass das Virus im Mutterleib von der Schwangeren auf das Baby übergeht“, sagt Keim. Nach derzeitigem Wissensstand sei das allerdings sehr unwahrscheinlich. Im Idealfall erhalte das Baby Antikörper über die Nabelschnur. Diese schützen vor einer Infektion. Dazu müsse die Infektion der Schwangeren jedoch mehrere Tage vor der Geburt stattgefunden haben.
Wie gefährlich ist eine Infektion für das Kind?
Hierzu lieferte das „Imperial College London“ Ende Februar beruhigende Nachrichten. Das Risiko des Kindes, im Mutterleib oder nach der Geburt zu sterben, erhöht sich durch eine Corona-Infektion der werdenden Mutter nicht, hat eine Studie der Forscher gezeigt, die im Fachmagazin „Ultrasound in Obstetrics and Gynecology“ veröffentlicht wurde. Allerdings: Bei der Analyse der Daten von 4000 schwangeren Frauen aus Großbritannien und den USA, die entweder nachweislich mit dem Coronavirus infiziert waren oder bei denen eine Infektion vermutet wurde, wurden überdurchschnittlich viele Frühgeburten registriert. Demnach brachten in Großbritannien 12 Prozent dieser Frauen ihr Kind vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. Im Landesdurchschnitt waren es 7,5 Prozent. Ähnlich sah es in den USA aus. Zum Teil könne sich der Anstieg damit erklären lassen, dass sich Ärzte aus Sorge um die Gesundheit von Mutter und Baby eher für einen vorzeitigen Kaiserschnitt entschieden. Die Zahl spontaner Frühgeburten sei niedriger gewesen als erwartet.
Dürfen Frauen früher in den Mutterschutz?
Nein. An den zeitlichen Rahmenbedingungen beim Mutterschutz ändere sich während der Pandemie nichts, erklärt Expertin Keim. Wichtig sei aber, dass Arbeitsplatz und Art der Beschäftigung für Schwangere oder stillende Frauen sicher ist – „sonst gilt ein Beschäftigungsverbot“.
Gibt es noch Kurse zur Geburtsvorbereitung?
Ja, solche Kurse finden trotz Corona statt. Auch Kreißsaalführungen bieten viele Kliniken weiter an. Welche Angebote es konkret gibt, erfahren werdende Eltern auf der Internetseite ihrer Geburtsklinik. Oft gibt es auch digitale Alternativen zur Kreißsaalführung. So bietet das Helios Klinikum München West zum Beispiel ein Video, einen 360-Grad-Rundgang sowie Online-Elterninformationsabende (Infos: helios-gesundheit.de/geburt-muenchen).
Darf der Papa bei der Geburt dabei sein?
Ja. Aktuell dürfe eine Person eine Gebärende im Kreißsaal begleiten, erklärt Keim. Auch anschließende Besuche auf der Wochenbettstation seien möglich. Im Helios Klinikum München West gebe es zudem die Option, ein Familienzimmer zu beziehen. „So können frischgebackene Eltern die gesamte Zeit des Klinikaufenthaltes gemeinsam mit ihrem Baby verbringen.“ Weitere Personen wie Geschwister seien von der Besuchsregel ausgenommen. Insgesamt sei es durch das Besuchsverbot auf der Wöchnerinnenstation derzeit deutlich ruhiger. Das ist sogar von Vorteil: Mütter könnten so die erste gemeinsame Zeit mit ihrem Baby besser genießen und behutsam in ihre neue Rolle hineinwachsen. Derzeit gebe es weniger Probleme beim Stillen.
FFP2-Maske tragen – auch bei der Geburt?
„Grundsätzlich ist die FFP2-Maske im Kreißsaal verpflichtend“, sagt Gynäkologin Keim. Fühlen sich Schwangere während der Entbindung durch die Maske stark eingeschränkt, bestehe aber die Möglichkeit, sie abzunehmen. Das gelte aber nicht für die Begleitperson – und auch nicht für das Klinikpersonal.
Wird eine Infizierte von ihrem Kind getrennt?
Nein. „Gerade der erste Kontakt zwischen der Mutter und ihrem Kind ist für die Bindung sehr wichtig“, erklärt Keim – und das gilt auch für den Fall, dass bei der Mutter eine Corona-Infektion festgestellt wird. Auch Stillen sei weiter möglich, „wenn bestimmte Hygienevorgaben eingehalten werden“. Nur bei einem kritischen Krankheitsverlauf könne es vereinzelt vorkommen, dass Mutter und Kind getrennt werden müssen, „um beide Seiten nicht zu gefährden“. mm/dpa