Chatten und Surfen mit Vernunft

von Redaktion

Experte erklärt, wie Eltern das richtige Maß für Kinder und Jugendliche finden

Meine 14-jährige Tochter möchte ihren eigenen YouTube-Kanal erstellen. Ich finde das nicht gut.

Jugendliche haben ein größeres Selbstdarstellungsbedürfnis, das ist in diesem Alter normal. Klären Sie mit Ihrer Tochter: Wer hat Zugriff auf diesen Kanal? Können das auch Fremde sehen? Wie möchte sie sich präsentieren: geschminkt, sexy, in aufreizenden Posen? Als Eltern muss uns bewusst sein, dass auf solchen Portalen auch Pädophile unterwegs sind und zu unseren Kindern Kontakt aufnehmen können.

Unser Sohn (16) spielt abends stundenlang mit seinen Freunden Minecraft. Er meint, weil sie in der Gruppe spielen, sei das fast so, als würden sie gemeinsam etwas unternehmen.

Bei solchen Spielen geht es tatsächlich viel ums Miteinander und Kommunizieren. Das ist ein großes Bedürfnis, das wir Eltern sehen müssen. Begegnen Sie Ihrem Sohn mit viel Verständnis und Wohlwollen, setzen Sie dennoch zeitliche Grenzen und animieren Sie ihn auch zu anderen Aktivitäten.

Die Freundin meiner Tochter (beide 13 Jahre alt) möchte mit ihr Tiktok- Videos drehen.

Hier gilt wie beim eigenen YouTube-Kanal: Um was geht es der Tochter und ihrer Freundin? Um Anerkennung? Ums Spaß Haben? Was wollen sie aufnehmen? Wie ziehen sie sich an? Reden Sie mit den beiden darüber, damit sie sich bewusst machen, welche Wirkung und Konsequenzen ein öffentlich zugängliches Video haben kann. Die Tatsache, dass solche Filme vielleicht irgendwann peinlich sind, zieht bei Kindern nicht. Kinder leben gegenwartsbezogen. Die denken viel weniger daran, was in fünf Jahren ist. Deswegen sind junge Menschen beim Thema Datenschutz auch weniger sensibel.

Mein Sohn schaut auf seinem Smartphone heimlich Filme, obwohl ich es verboten habe.

So weit sollte es eigentlich nicht kommen, denn bei der Anschaffung eines Smartphones sollte für Eltern schon vorher geklärt sein, wie sie den Gebrauch regulieren. Auch mithilfe einer technischen Sicherung können Sie Inhalte und Nutzungszeiten altersgerecht beschränken. Trotzdem: Erziehung ist nie hundertprozentige Kontrolle. Jugendliche haben in allen Generationen auch mal was Verbotenes getan. Grenzen auszuloten ist eine wichtige Entwicklungsaufgabe.

Meine Tochter schickt den ganzen Tag Whats- App-Nachrichten an ihre Freundinnen und vernachlässigt das Lernen.

Vereinbaren Sie medienfreie Zeiten, dazu gehören Unterrichts- und Lernzeit. Es ist klar, dass das Handy am Schreibtisch ablenkt. Also: ab in die Handygarage. Allein können Kinder das aber nicht entscheiden. Das sind Kinder! Die brauchen auch mal Kontrolle und klare Regeln.

Ich habe gelesen, dass Fernsehen und Computerspiele direkt nach dem Lernen das Gelernte praktisch wieder auslöschen. Stimmt das?

Forschungen von Neurowissenschaftlern geben Hinweise auf einen solchen Effekt. Grundsätzlich ist es jedenfalls immer gut, zwischen Aufgaben, die unser Hirn fordern, freie Zeit zu lassen. Zeit, um den Kopf frei zu kriegen.

Mein Sohn (9) möchte mit seinen Freunden ein Multi-User-Game spielen. Sind virtuelle Spielewelten gefährlich?

Mit Freunden zu spielen, ist relativ sicher. Sobald die Kinder aber in Online-Spielen in Kontakt mit Fremden kommen, muss man genauer hinschauen. Dann können sie auch auf gefährliche Inhalte stoßen. Erklären Sie Ihrem Kind: Wenn ein anderer User komisch oder übergriffig wird, dann soll es einen Screenshot machen und zu Ihnen kommen. Versichern Sie Ihren Kindern, dass sie keine Strafe zu erwarten haben, wenn sie Ihnen über seltsame oder bedrohliche Vorgänge in der Online-Welt berichten. Sonst kann es passieren, dass Kinder aus Angst vor Konsequenzen belastende Erfahrungen für sich behalten.

Unsere Tochter (14) will sich zum Essen nur noch mit uns an den Tisch setzen, wenn sie dabei ihr Handy anlassen und jederzeit drauf schauen darf.

Das gehört natürlich zu den Regeln, die vor der Anschaffung eines Handys geklärt werden müssen: Wann wird das Handy zur Seite gelegt? Also zum Beispiel bei gemeinsamen Mahlzeiten. Im Nutzungsvertrag lässt sich das festlegen – und: Sie als Eltern müssen mit gutem Beispiel vorangehen.

Unsere Sechsjährige wünscht sich zum Geburtstag einen Nintendo DS. Ist sie dafür noch zu jung?

Wir empfehlen grundsätzlich, Kindern keine eigenen Geräte zu schenken, sondern sie als Anschaffung für die Familie zu sehen. Eine Spielekonsole kann man an einem Ort aufbauen, an dem alle gemeinsam Spaß haben.

Interview: Christine Merk

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