„Ist mein Kind süchtig?“ Mit dieser Sorge kommen Eltern oft zu Jürgen Eberle. Der Erziehungswissenschaftler, Soziologe und Familientherapeut betreibt in München die „Praxis Mediensucht“. „Die Zeit, die Kinder am Smartphone oder Computer verbringen, sollten Eltern vor dem Hintergrund sehen: Was machen sie sonst noch im realen Leben?“, sagt er. „Wenn sich die Kinder von sozialen Kontakten zurückziehen, sie in der Schule schlechter werden und die Zeit am Bildschirm immer weiter ausdehnen, dann sollte man aufpassen.“ Denn die Dosis mache bekanntlich das Gift. Das sei bei der Bildschirmnutzung nicht anders als bei Schokolade.
Die Eltern sieht Eberle in der Pflicht, Grenzen zu setzen. Sie müssten sich einig sein, was sie von ihren Kindern erwarten. Eltern sollten die Kinder nach ihren Gedanken, Gefühlen oder Herausforderungen fragen und achtsam zuhören. Denn: „Manchmal gibt es einen Grund, warum Kinder viel Zeit zum Beispiel beim Spielen verbringen. Vielleicht erleben sie dort angenehme Gefühle, die ihnen sonst fehlen.“ Einfach nur Verbote auszusprechen, sei der falsche Weg. Eltern sollten vielmehr erklären, dass sie sich Sorgen machen. Wenn ein Gespräch nicht funktioniere, mache es Sinn, eine Beratung aufzusuchen. „Ein neutraler Experte kann vermitteln, das Gespräch sachlich führen und neue Lösungen einbringen.“ Denn manchmal seien die Emotionen so intensiv, dass Gespräche fehllaufen. In einer Beratung ist das Ziel vielleicht besser zu erreichen: Ein Ergebnis, das für beide Seiten eine echte Weiterentwicklung ist.
CHRISTINE MERK