von Redaktion

VON NICOLA FÖRG

Es war in der 1980er-Jahren. Der Zoologe Manfred Colling entdeckte in einem Quellbach im Norden von München eine Schnecke. Die er definitiv nicht kannte. Er war überrascht, trat mit Kollegen in Kontakt, nein – diese Schnecke war in Bayern nicht bekannt. Nun heißt sie dank der Neubeschreibung von Hans D. Boeters Bayerische Zwergdeckelschnecke und es gibt sie tatsächlich nur in diesem Quellbereich. Sie ist nur drei bis vier Millimeter klein, „Sie ist ein Eiszeitrelikt“, sagt Manfred Colling.

Wenn einer Ahnung von Schnecken hat, dann Colling! Seine Diplomarbeit handelte von den Landschnecken im Münchner Raum, er beschäftigte sich damit, inwieweit das Muster bei den Bänderschnecken das Fressverhalten von Vögeln beeinflusst. Und siehe: Es gibt Farbmuster, die bevorzugt gefressen werden. Das Planungsbüro des Biologen für Gewässerökologie und Weichtierkunde erstellt Gutachten, wenn ein Eingriff in die Natur geplant ist und „seine“ Tiergruppe betroffen ist.

Was interessiert mich so´ eine Schnecke, mögen sich einige denken, aber auch diese Weichtiere sind Teil des Ökosystems und sehr wichtige Bioindikatoren. Und da schaut es schlecht aus: „Gut die Hälfte der Arten ist bestandsbedroht, das ist beängstigend“, sagt Colling. Der Klimawandel, vor allem die Trockenheit in den Wäldern setzt ihnen zu, aber auch der Flächenverlust. „Schnecken haben ja nur einen winzigen Radius und keine Ausweichmöglichkeit ins nächste Biotop.“ Feuchtflächen zu erhalten, hat oberste Priorität. Sechs der in Bayern heimischen Schneckenarten sind als europaweit schützenswert eingestuft, darunter vier landlebende Windelschneckenarten: die Schmale, Vierzähnige, Bauchige und Blanke Windelschnecke sowie die Gebänderte Kahnschnecke und die Zierliche Tellerschnecke, die beide im Wasser leben. Collings Faszination wächst eher noch, auch weil man immer noch neue Arten entdecken kann. Ein Kollege von Colling, Alfred Karle-Fendt, passionierter Bergsteiger aus Sonthofen, entdeckte am Rubihorn eine neue alpine Schnecke, die den schönen Namen Allgäuer Zylinderwindelschnecke bekam!

„Die Land- und Süßwasserschnecken sind in Bayern mit etwa 300 Arten vertreten; über 100 Arten gibt es im Raum München, eine echte Sonderstellung für eine Großstadt. Von der Blanken Windelschnecke war bis vor einigen Jahren aus Deutschland kein Lebendvorkommen bekannt, inzwischen liegen einzelne Fundmeldungen aus einem Moorgebiet im Ammergebirge vor. Auch die Gebänderte Kahnschnecke kommt innerhalb Deutschlands heute noch ausschließlich in Bayern vor, weswegen der Freistaat die Alleinverantwortung für diese Art besitzt“, bemerkt Colling.

Mollusken sind echte Ureinwohner, lebten schon vor den Eiszeiten. Aktuell wandern auch neue Arten zu. Wobei wandern natürlich meist nicht so ganz stimmt: „Sie werden eingeschleppt, an einem Auto klebend oder verborgen in Gemüse und Gartenpflanzen.“ Und dann ist da natürlich auch noch die Sache mit der Spanischen Wegschnecke. Sie ist erst in den 1970er-Jahren in Bayern aufgetreten. An sich herrschte lange die Lesart vor, dass sie von der Iberischen Halbinsel kommt und dass sie wahrscheinlich über Gemüseimporte eingeschleppt wurde. Aber das alles gefiel den Spaniern nicht, sie wollten nicht Namensgeber für ein Tier sein, das alle nervt. Es wurde eine Arbeitsgruppe gegründet, die belegt hat: Die Schnecke stammt nicht allein aus Spanien, womit sie nur ein „vulgaris“ wurde: Die Gemeine Große Wegschnecke. Die aber auch keiner mag!

„Die Schleimspuren sind abschreckend, es mag auch sein, dass die schlangenähnliche Fortbewegung Angst macht. Große Nacktschnecken erreichen bis 20 cm Länge“, berichtet Colling. Was er auch feststellt: „Kleine Kinder haben wenig Scheu vor Schnecken, das Ekeln wird ihnen erst später anerzogen.“

. Interessante Links

www.nabu.de/tiere–und–pflanzen/sonstige–arten/weichtiere

www.weichtiere.at  www.dmg.mollusca.de

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