RUND UM SCHNECKEN
. Es gibt in Deutschland rund 350 Arten von Land- und Süßwassermollusken. Der weitaus größte Teil mit gut 230 Arten sind Landschnecken, etwa 70 Schneckenarten sind im Süßwasser beheimatet, 40 Arten sind Muscheln – letztere oft nur wenige Millimeter groß.
. Als Nacktschnecken bezeichnet man landläufig alle Landschnecken ohne Schale. Gehäuselosigkeit spart Energie, aber der Schutz fehlt. Nacktschnecken sondern deshalb zähen Schleim ab, der vor Austrocknung schützt und teilweise durch seinen üblen Geschmack Fressfeinde abschreckt.
. Die meisten heimischen Landschnecken bewegen sich mit ihrem breiten, muskulösen Fuß auf einer Schleimspur fort. Die wellenförmige Kontraktion der Fußmuskulatur ist sehr energieaufwendig, Schnecken produzieren dabei ihren eigenen „Straßenbelag“, ein Gel, das seine physikalischen Eigenschaften je nach Belastung verändert: mal ist es Klebstoff, mal Gleitmittel.
. Schnecken können übrigens auch Geschwindigkeiten von bis zu 20 m/h erreichen: wenn sie, auf der fremden Schleimspur gleitend, einen Geschlechtspartner verfolgen.
. Die überwiegende Mehrzahl der Landschnecken sind Gehäuseschnecken, die ein Schneckenhaus besitzen. Das Schneckenhaus verläuft stets in derselben, für die jeweilige Art typischen Windungsrichtung. Sehr selten treten auch Schnecken mit einer spiegelbildlichen Windungsrichtung auf. Diese seltenen Tiere bezeichnet man als „Schneckenkönig“. Das Schneckenhaus ist eine Schutzhülle gegen Fressfeinde, bietet Schutz gegen Austrocknung und kann in Trockenperioden mit einem Schleim- oder Kalkdeckel verschlossen werden.
. Am bekanntesten ist die Weinbergschnecke. Anders als so manche/r glaubt, sind es nicht nur die Franzosen, die Weinbergschnecken verzehren. Sie waren auch bei uns lange Zeit eine Fastenspeise. Man hatte sie teils zu Hunderttausenden auf Flößen verschifft. Schnecken werden aber auch in Baden-Württemberg bis heute gegessen, professionelle Sammler müssen einen Schneckenring dabei haben, damit sie nicht zu junge Exemplare aufsammeln und den Nachwuchs gefährden.
. Was der Laie im Garten an Schnecken mit Haus sieht, sind meist vier bis fünf Arten, z. B. die Bänderschnecken mit einer gelben oder rötlichen Grundfarbe und braunen Bändern, oder die Gefleckten Schnirkelschnecken mit braunen, dunkel gefleckten Gehäusen.
. Aufgrund ihrer langsamen Fortbewegung ist der Aktionsradius der Schnecken sehr klein. Ihre Chance, auf einen Paarungspartner zu treffen, ist eher gering. Deshalb sind Schnecken häufig Zwitter, das bietet doppelt so gute Fortpflanzungs-chancen bei geringer Individuenzahl, weil sich eine Schnecke mit jedem Artgenossen fortpflanzen kann, auf den sie trifft.
. Die Entwicklung der Landschnecken findet geschlossen im Ei statt, aus dem schließlich komplette Jungschnecken schlüpfen.
. Was in Bayern vorkommt, sind sog. Lungenschnecken, die ihre Augen vorne an den Fühlern tragen. Man geht davon aus, dass sie in Grauwertabstufungen sehen können. Das zweite Paar kleinerer Tentakel dient vor allem als Fühler.
. Die einen hören Flöhe husten… Wer sich auskennt, kann Schnecken fressen hören. Sie besitzen eine Raspelzunge, mit der sie das Essen abraspeln und wie auf einem Förderband weitertransportieren, das kann man durchaus hören.
. Wenn man jemanden „zur Schnecke macht“, meint das eine Beschimpfung. Das Bild stammt daher, dass der so Beschimpfte quasi danach am Boden kriecht und jederzeit zertreten werden könnte.