München – Die Spinalkanal-stenose zählt zu den tückischsten Volkskrankheiten im Rücken. Dabei verengt sich mit der Zeit der Wirbelkanal – oft ausgelöst durch langjährigen Verschleiß. Die meisten dieser Patienten spüren starke Schmerzen im unteren Rücken, die teilweise bis in die Beine und in die Zehen ausstrahlen.
Der Grund dafür: „Im Inneren des Wirbelkanals verlaufen Nerven, die durch die Verengung unter Druck stehen“, erklärt Wirbelsäulen-Spezialist Dr. Reinhard Schneiderhan vom gleichnamigen Wirbelsäulenzentrum in Taufkirchen bei München. „Je mehr sich die Erkrankung verschärft, desto schwerer fällt den Patienten das Gehen – bis im Endstadium jeder Schritt zur Qual wird. Etwas besser wird’s meist, wenn sie sich nach vorne beugen oder hinsetzen.“
Zu den gängigsten Eingriffen in solch einem Fall zählt die Versteifungs-OP der Wirbelsäule. Pro Jahr werden in Deutschland 65 000 Versteifungsoperationen mit Stäben und Schrauben durchgeführt. Seit einigen Jahren gibt es im Rahmen der Wirbelsäulenchirurgie jedoch eine Alternative, die inzwischen auch bei wiederholten Bandscheibenvorfällen häufig eine hilfreiche Option darstellt: das Intraspine®-Verfahren. Diese minimal-invasive Methode stabilisiert das betroffene Wirbelsegment dynamisch – also nicht starr, sondern beweglich, wodurch der Rücken belastbar und beweglich bleibt.
Konkret wird dabei ein Hightech-Puffer aus speziell gefertigtem Silikon und Kunststoff an der Lendenwirbelsäule implantiert. Der Neurochirurg Dr. Zainalabdin A. Hadi vom Wirbelsäulenzentrum Taufkirchen führt diesen Eingriff bereits seit drei Jahren als einer der ersten Ärzte in Deutschland durch. Er operiert im Isarklinikum an der Sonnenstraße. Allein in den vergangenen zwölf Monaten hat er den Eingriff über 170 Mal erfolgreich durchgeführt. In unserer Zeitung erklärt der Rückenspezialist die innovative Methode.
Der Eingriff
Die OP wird stationär unter Vollnarkose und in Bauchlage durchgeführt.Sie dauert etwa 30 bis 45 Minuten. Durch einen zwei bis drei Zentimeter kleinen Schnitt gelangt der Operateur unter Mikroskop-Sicht an die zu behandelnde Stelle. Dann setzt er – ebenfalls unter Mikroskop-Sicht – den Hightech-Puffer aus speziell gefertigtem Silikon und Kunststoff interlaminär, also zwischen dem oberen und unteren Bogen des betroffenen Segmentes ein. „Der Abstand wird dadurch dauerhaft vergrößert. Es entsteht somit wieder ausreichend Platz für die zuvor bedrängten Nervenstrukturen“, erläutert Dr. Hadi. „Diese sogenannte Dekompressionsoperation mit Implantation eines interlaminären Spreizers, der die Bezeichnung IntraSPINE® trägt, ist ein schonendes operatives Verfahren. Es entlastet das degenerative Bandscheibengewebe sowie das Facettengelenk im Bereich der Lendenwirbelsäule.“
Das Implantat
Der Puffer aus speziell gefertigtem Silikon und Kunststoff vergrößert den Abstand zwischen dem oberen und unteren Bogen des betroffenen Wirbelsegments. Dadurch bekommt die vorher bedrängte Nervenstruktur wieder ausreichend Platz. Dank dieser dynamischen Stabilisierung bleiben Belastbarkeit und Beweglichkeit der Wirbelsäule erhalten.
Indikationen
Der Eingriff ist besonders für Patienten mit degenerativen, also verschleißbedingten Wirbelsäulenerkrankungen im Bereich der Lendenwirbelsäule mit Spinalkanal- oder Foramenstenosen (Verengung des Nervenaustrittslochs) geeignet. Ebenso hilft dieses Verfahren bei Bandscheiben- oder Wirbelgelenkverschleiß oder nach einer erfolglosen Bandscheibenoperation.
Die Nachbehandlung
Bereits am Tag der Operation kann der Patient wieder aufstehen und sich bewegen. Er muss jedoch drei bis vier Tage im Krankenhaus bleiben. „Schwerere körperliche Belastungen sollte man etwa vier Wochen lang vermeiden“, empfiehlt Dr. Hadi. Nach diesem Zeitraum sind zudem Physiotherapie oder Krankengymnastik sinnvoll – ebenso wie eine ambulante oder stationäre Reha.
Arbeit und Sport
In Abhängigkeit von den Vorerkrankungen, dem Alter und dem Allgemeinzustand können Patienten vier Wochen nach der OP wieder arbeiten. „Sie sollten allerdings nicht zu schwer heben und tragen, um Verletzungen zu vermeiden“, erklärt Dr. Schneiderhan.