München – Krebserkrankungen stellen die zweithäufigste Todesursache weltweit dar. Es gibt über 100 bekannte bösartige Formen – dank der Fortschritte der modernen Medizin gelingt es immer besser, diese zu erkennen und zu bekämpfen. Häufig ist bei Diagnose einer Tumorerkrankung in frühem Stadium eine Heilung möglich. Heute erklären vier Experten der Münchner Universitätskliniken das Wichtigste zu Tumorerkrankungen im Magen-Darm-Trakt. Auch auf dem Krebs-Informationstag, zu dem der Krebshilfeverein Lebensmut am Samstag, 23. Oktober, einlädt, stehen diese Krebsarten mit im Fokus. Mehr Infos gibt es auf der Internetseite krebsinfotag-muenchen.de.
Leberkrebs
Beim Leberkrebs gibt es viele gleichwertige Therapiemethoden, wie etwa eine Transplantation, eine Systemtherapie, bei der Immuntherapie gibt es große Fortschritte für chemotherapiefreie Behandlung. Nicht ope-rable Leberkrebsgeschwüre können zudem mit Strahlentherapie behandelt werden, insbesondere mit der Selektiven Internen Radiotherapie (SIRT). Dabei werden Millionen winzige, als SIR-Spheres Mikrosphären bezeichnete radioaktive Kügelchen in die Tumore eingebracht.
Darmkrebs
Es ist einfach nur frustrierend für die engagierten Mediziner und Forscher, dass nur so wenige Menschen die Darmkrebsvorsorge wahrnehmen – denn viele Todesfälle, die auf das Konto dieser tückischen Krankheit gehen, wären vermeidbar. Wegen der Corona-Pandemie haben sich die Zahlen bei der Darmkrebs-Vorsorge noch mal verschlechtert: „Aus unserer Sicht haben sich die Zahlen der Vorsorgekoloskopien im vergangenen Jahr um 33 Prozent verringert“, sagt Professorin Julia Mayerle, Direktorin der Medizinischen Klinik II der Ludwigs-Maximilians Universität. „Darmkrebs ist mit gut 60 000 Fällen pro Jahr eine Volkserkrankung“, sagt Professor Volker Heinemann, Direktor des Krebszentrums (CCC) der Universität München (LMU). „Die Sterblichkeit liegt bei 29 000 – die mittlere Überlebenszeit bei metastasiertem Darmkrebs liegt bei zwei Jahren, noch vor zehn Jahren lag die mittlere Überlebenszeit bei nur einem Jahr“, betont Professorin Mayerle. „Da Darmkrebs eine so häufige Erkrankung ist, werden viele Patienten natürlich außerhalb der universitären Krebszentren behandelt, aber sie haben alle die Möglichkeit, sich dort bei den hochspezialisierten Tumorboards eine Zweitmeinung einzuholen, und dazu würde ich jedem raten“, betont Prof. Heinemann. Sein Kollege Professor Hana Algül, Direktor des Krebszentrums am Klinikum rechts der Isar der TUM, ergänzt: „Diese Zweitmeinung sollte jeder in Anspruch nehmen, da auch die Therapie des Darmkrebses immer differenzierter wird, nicht nur molekular, sondern auch in der Vorgehensweise. Zum Beispiel kann heute auch im fortgeschrittenen Stadium, also dann, wenn Metastasen da sind, ein Dickdarmkarzinom von hoch spezialisierten Chirurgen in Zentren noch operiert werden, mit sehr guten Prognosen für die Patienten.“
Bauchspeicheldrüse
„Der Bauchspeicheldrüsenkrebs wird oft fehldiagnostiziert, er beginnt oft mit Rückenschmerzen, auch eine neu aufgetretene Diabetes bei schlanken Menschen ist ein Warnsignal“, betont Professorin Mayerle. Rund 10 000 Menschen erhalten in Deutschland jährlich die Diagnose Pankreaskarzinom, die Überlebensrate nach fünf Jahren liegt bei 15 bis 20 Prozent. „Wir sind alarmiert, da die Inzidenz steigt und heute auch viel jüngere Menschen betroffen sind“, sorgt sich die Mayerle, die ihre Mutter im vergangenen Jahr wegen Bauchspeicheldrüsenkrebs verlor. Große Hoffnungen setzt die Medizin heute in die molekulare Diagnostik. Auch hat sich die Zahl der verwendbaren Medikamente deutlich erhöht – und man erreicht mit einer Chemotherapie heute viel mehr als früher, erklärt Professor Helmut Friess, Direktor der Chirurgie im Klinikum rechts der Isar (TUM). Die Kombination aus Operation und Chemotherapie eröffnet heute ein breites Spektrum. „Wichtig ist es allerdings, sich an einem großen universitären Krebszentrum behandeln zu lassen, da man dort die besten Voraussetzungen hat, eine Pankreas-OP zu überleben und nur dort wegen der Studientätigkeit auch die neuesten Medikamente verfügbar sind“, betont Prof. Friess.
Krebs in der Galle
Früher galt diese Krebserkrankung als weitgehend hoffnungslos, heute gibt es bei der Behandlung deutliche Fortschritte. Die Prognosen haben sich also deutlich verbessert, so gibt es etwa bei der Chemotherapie große Fortschritte. Wissenschaftler stellen zudem in zwei Drittel der Fälle molekulare Veränderungen fest – es haben sich also die Erbinformationen der Tumorzellen verändert. Solche Tumorboards gibt es nur an den Krebszentren der Universitäten. Hier sind Spezialisten verschiedener Fachrichtungen mit der Analyse der genetischen Untersuchungen beschäftigt und entwickeln anschließend individuelle Therapien für den jeweiligen Einzelfall. Dies macht Hoffnung insbesondere beim tückischen Gallenwegskrebs. „Zudem muss man sagen, dass sich auch die Entzündung der Gallengänge, an der man früher meist gestorben ist, heute deutlich besser behandeln lässt – etwa durch photodynamische Therapien oder Metallstents“, erklärt Professorin Mayerle.
Speiseröhrenkrebs
Warnsignal für den Speiseröhrenkrebs sind im frühen Stadium Schluckbeschwerden. Bei diesem Krebs, auch Ösophaguskarzinom genannt, haben sich die Prognosen trotz nach wie vor schlechter Überlebenschancen in den letzten Jahren verbessert. Von den Patienten, die die Diagnose Ösophaguskarzinom erhalten, überleben nur etwa 15 bis 20 Prozent die nächsten fünf Jahre. Risikofaktoren für Krebs im oberen Bereich der Speiseröhre sind das Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum. Für Krebs im unteren Bereich der Speiseröhre gilt chronisch auftretendes Sodbrennen (Refluxkrankheit) als relevant.
Diesen Tumoren ist gemeinsam, dass sie schwierig zu operieren sind und dies deshalb erfahrenen Spezialisten an Krebszentren vorbehalten sein sollte. Häufig steht vor einer Therapie eine Chemotherapie alleine oder in Kombination mit einer Strahlentherapie, erklärt Professor Friess. „In einigen Fällen ist eine Immuntherapie im Anschluss an eine Operation indiziert. Sie kann die Operationsergebnisse noch mal deutlich verbessern“, erklärt Professor Hana Algül.