Ein „Naturjuwel“ ohne Tierliebe

von Redaktion

SONDERFALL MONTENEGRO

>> „Hund, Katz & Co.“ hat bereits vor zehn Jahren über Montenegro berichtet, viele Leser und Leserinnen waren tief betroffen. 2021 ist die Münchnerin Sabine Turzer immer noch bei der Tierhilfe Montenegro tätig. „Es gibt in dem Land durchaus tierliebe Menschen und einige aktive Tierschützer. Oder es sind Menschen aus dem Ausland, die sich an der Küste angesiedelt haben. Auch Russen sind tierlieber als die Bevölkerung, aber die leben dort nur im Sommer und reisen dann wieder ab.“ Inzwischen ist Montenegro zurück auf der touristischen Landkarte. Eine Münchner Agentur promotet die Nationalparks und hat aber kein Ohr dafür, dass das „Naturjuwel“ auch etwas mit Tieren zu tun hat. >> Und die Zustände sind im Landesinneren noch viel schlimmer. Nutztiere, vor allem Pferde, werden misshandelt. Im August erreichte uns ein Hilferuf einer Urlauberin, die auf einem Reiterhof zwei Pferde gesehen hat, welche handgroße Fleischwunden auf der Wirbelsäule hatten. „Beide Tiere waren apathisch“, erzählt Turzer. Es sind eben nun Urlauber, die sich vermehrt melden. Aber ihre Organisation kann nur Einzelfälle retten und in ein Asyl oder eine Pension geben – immer mit der Frage verbunden, ob die Tiere es dort besser haben. Den meisten Betreibern geht es nur ums Geld, Futterspenden verschwinden und werden weiterverkauft. >> Gerade erreicht Sabine Turzer wieder eine Hiobsbotschaft. „Im Asyl Podgorica und das ist noch eines der besseren, weil dort zwei Tierschützerinnen mithelfen, grassiert das Parvo-Virus, eine hoch ansteckende Welpen-Krankheit. Alle Welpen, die dort abgegeben werden, sind dem Tode geweiht. Das Parvo-Virus bleibt, es kontaminiert den Boden. Auch Muttertiere, die ihre Welpen dort zur Welt bringen müssen, werden sterben.“ Die dort engagierte Tierschützerin Danijela ist verzweifelt. >> Sabine Turzer ist stolze Mama einer sechsjährigen Tochter. „Ich weiß, dass Grundwerte wie Empathie in erster Linie von mir als Mutter an mein Kind übermittelt werden müssen. Die Tierhilfe Montenegro hat versucht, dass Schüler in den Asylen helfen, Gassi gehen, aufräumen oder den Zwinger säubern. Wir unterstützen junge, engagierte Tierschützer im Land und bekräftigen sie in ihrem Engagement. Sie sind die nächste Generation der Veränderung.“ Aber es gibt immer wieder dramatische Aktionen: „Eine junge Hündin aus Bijelo Polje im Hinterland wurde von einem Mädchen angezündet, weil die Hündin krank geworden war. Wir konnten die Hündin versorgen und aufpäppeln. Heute ist sie eine gesunde Hündin. Aber so etwas lässt nicht gerade hoffen.“ >> Montenegro will in die EU, aber viele Grundwerte unterscheiden sich von denen in Europa. „Das Wort Respekt ist für die Menschen dort eher befremdlich. Gerät man in eine missliche Situation, trägt man selbst die Schuld und sollte nicht unbedingt auf Hilfe hoffen. Das ist die Mentalität. Doch wer keinen Respekt oder nur wenig Empathie hat, wird auch kaum Straßentieren helfen“, sagt Turzer. „Was in Montenegro in Sachen Tierschutz fehlt, ist ein großer Aufschrei. Es fehlen einflussreiche Persönlichkeiten oder eine große Tierschutzorganisation, die sich engagiert und eine vorbildliche Auffangstation aufbaut. Das würde auch Einheimische zum Umdenken animieren.“ >> www.tihimo.de

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