Die Verletzungsfallen: Funken, Splitter, Farbe und Kalk

von Redaktion

Typische Situationen, in denen häufig teils sogar sehr gefährliche Augenverletzungen entstehen, die viele Patienten oft unterschätzen:

Feuerwerk und Funken

Früher stießen sich in der Disco junge Leute öfter mal versehentlich Zigarettenglut ins Auge. „Aber da kann ich beruhigen: Die Hornhaut ist fest und elastisch zugleich. Das heißt: Die Funken prallen ab und hinterlassen höchstens eine kleine Erosion.“ Bei schwereren Unfällen – wie zum Beispiel mit dem glühenden Stab einer Wunderkerze – kann es zu Verbrennung kommen, bei denen die Hornhaut später vernarbt. „In solchen Fällen sollte das Auge mit Cortisonsalbe versorgt werden.“ Explodiert ein Böller vor dem Gesicht und sollten dabei Teile im Auge stecken bleiben, kann nur noch eine Operation und eine Hornhauttransplantation das Augenlicht retten. Solche Fälle sind glücklicherweise sehr selten. Dr. Rohleder: „Ich habe das in vielen Jahren Augenambulanz nie erlebt.“

Yuccapalmen & Babys

„Die Yuccapalme ist der Klassiker. Sie hat nämlich an der Spitze ein Sekret. Wenn das Auge nicht sauber gereinigt und abgetupft wird, kann etwas von dem öligen Sekret zurückbleiben“, so Dr. Rohleder. Die Hornhaut schließt sich zwar. Der Rest des Sekrets behindert aber die Wundheilung und es kommt zum Rückfall. Ähnliche Verletzungen schaffen auch temperamentvolle Babys, die mit ihrem scharfen Fingernägelchen Mamas Hornhaut im Auge abschürfen. So kann es sein, dass dann nach Wochen oder Monaten ein starkes Blinzeln oder ein kräftiger Lidschlag ausreichen, die schlecht verheilte Oberfläche wieder abzuschürfen. Die Erosion platzt wieder auf und der Ärger beginnt von vorne. Solche Wunden behandelt Dr. Rohleder mit einem PTK-Laser. „Damit trägt man die Oberfläche ab und beseitigt das lockere Material, sodass die Hornhaut dauerhaft zuheilt.“

Unbehandelt können solche Verletzungen zu schlimmen Infektionen in der Hornhaut kommen: „Diese kann im schlimmsten Fall einschmelzen und zum Durchbruch führen. Denkbar ist auch eine Trübung, die eine dauerhafte Seheinschränkung zur Folge haben. „Diese kann tatsächlich zu einer faktischen Erblindung führen, sodass man nur noch schemenhafte Handbewegungen erkennt und nicht mehr scharf sehen kann. Dann bleibt nur noch die Hornhaut-Transplantation“, warnt der Experte. „Genau darum ist die frühzeitige antibiotische Behandlung so wichtig.“

Bohrstaub und Splitter

Profis kennen die Gefahr und tragen Schutzbrillen. Aber Hobbyhandwerker landen öfter notfallmäßig beim Augenarzt. Die Klassiker: Bohrstaub von der Decke, Metallsplitter beim Flexen und sogar Fliegen verursachen Augenprobleme, die die Fachärzte Hammer- und Meißel-Verletzungen nennen. Fremdkörper müssen in jedem Fall entfernt werden.. Eine Fliege im Fahrtwind rutscht leicht unter das Lid. Das muss man dann umklappen und den Fremdkörper ausspülen. Manchmal genügt es, den Fremdkörper bei geschlossenem Auge mit dem Finger Richtung Nase (nie andersherum!) in den Augenwinkel zu reiben. Sind metallische Teile ins Auge geraten, wird es ernst. Denn: Schon nach 20 Minuten beginnt ein Splitter im Auge zu rosten. Ein Fall für den Augenarzt, der den Splitter mithilfe einer Nadel entfernen und die Rostrückstände – Rosthof genannt – wegfräsen wird. Die Wunde in der Hornhaut wird dann wie die Oberflächenabschürfung behandelt.

Eiskristalle

„Bei Eis und Schnee passiert den Augen erstaunlich selten etwas,“ so Dr. Rohleder. Beim Skifahren zum Beispiel wird die Hornhaut zwar sehr kalt und ist auch sehr exponiert für scharfe kleine Eiskristalle. „Die Hornhaut toleriert das aber, weil diese Kristalle blitzschnell schmelzen.“

Laugen und Säuren

Laugenspritzer oder Säuren im Auge müssen augenblicklich verdünnt werden. Als erste Maßnahme sollte man mit ganz viel Wasser minutenlang spülen, spülen und nochmal spülen und dann sofort in die Praxis oder eine Augenklinik kommen“, so Dr. Rohleder.

Kalk und Malerfarbe

„Gerät Kalk ins Auge, würde ich sofort den Notarzt rufen und augenblicklich mit der Augenspülung beginnen“, empfiehlt Dr. Rohleder. Denn: „Wenn das Auge 20 Minuten nicht gespült wird, drohen irreversible Folgen.“ Auch der Notarzt wird die Spülung während der Fahrt in die Klinik fortsetzen. Kalk nistet sich nämlich in der Bindehaut ein und saugt die Flüssigkeit an wie ein Schwamm. Das gilt auch für Malerfarben, die zum großen Teil Kalk enthalten. Solange man spült, ist der ph-Wert des Auges gut. Setzt man aber aus, steigt der ph-Wert sofort an, weil feste Partikel noch in der Bindehaut sitzen. Ein Tipp: „Versuchen Sie nach unten zu schauen und mit einem Wattestäbchen feste Kalkreste von den Lidern abzustreifen.“ Bei solchen Verletzungen entstehen Verätzungen, die mit Antibiotika und Cortison behandelt werden müssen, um die starke Immunreaktion des Körpers zu unterbinden. Eine unbehandelte Verätzung kann im schlimmsten Fall nach Tagen oder Wochen allmählich zu Trübungen führen. Zusätzlich hilft Ascorbinsäure, dass die Verletzung ohne Narben abheilen kann.

Spül- und Waschmittel

Auch da hilft wieder nur „spülen, spülen, spülen, nicht zu heiß oder zu kalt.“ Das brennt zunächst im Auge und schäumt auch kräftig, aber irgendwann verschwinden auch die letzten Reste.

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