Als Kind hieß es oft: „Pass auf, dass du dich nicht am Auge verletzt. Nicht, dass Dein Auge ausläuft.“ Schwarze Pädagogik oder die Wahrheit? Und was kann passieren, wenn uns die Katze eine wischt, ein Pflanzendorn ins Auge piekst, scharfe Eiskristalle beim Skifahren die Augen reizen oder verirrte Funken vom Silvesterfeuerwerk, der Feuerschale oder Wunderkerzen die Augen treffen? Augenarzt Dr. Matthias Rohleder vom Südblick-Augenzentrum in München-Neuhausen gibt wertvolle Tipps, wie man mit der richtigen Reaktion schwere Folgeschäden verhindert, bis professionelle Hilfe zur Stelle ist:
Wieviel hält ein Auge aus?
Dr. Rohleder: Die Hornhaut hält – wie ihr Name schon sag t – ziemlich viel aus. Sie ist nur einen halben Millimeter dick, aber sehr robust. Die Gefahr, dass das Auge ausläuft, ist eher gering. Allerdings ist die Hornhaut sehr stark enerviert, sie hat 6000 bis 7000 Schmerzrezeptoren pro Quadratmillimeter. Deswegen sind Augenverletzungen sehr schmerzintensiv. Manchmal treten diese Schmerzen etwas verzögert auf. Das Auge fühlt, dass etwas passiert ist und es beginnt zu tränen. Dadurch ist die Oberfläche so gut befeuchtet, dass der Schmerz manchmal vorübergehend verschwindet. Schmerzen können auch im Intervall kommen und gehen. Oft entwickeln die Patienten starke Schmerzen sogar erst nachts und kommen in der Nacht in die Notfall-Ambulanz.
Was ist Ihr Ratschlag?
Dr. Rohleder: Mein Tipp: Wenn es nach einer halben Stunde nicht deutlich besser wird, sollte man besser zeitnahe zum Augenarzt gehen, bevor man eine schlaflose Nacht erleben muss.
Was machen Sie dann?
Dr. Rohleder: Eine Oberflächenabschürfung der Hornhaut heilt in der Regel wieder gut zu, ist aber sehr empfindlich, bis sie geheilt ist. Man kann Salben geben, die vor einer Infektion schützen und den Schmerz reduzieren.
Wie schnell heilt die Hornhaut?
Dr. Rohleder: Eine normale Oberflächenabschürfung heilt rasch innerhalb eines halben oder ganzen Tages. Die Gefahr ist aber eine Infektion. Die Hornhaut ist nicht gut durchblutet, sie muss ja glasklar sein. Kommt es zu einer Infektion, ist die Hornhaut dem Problem schutzlos ausgeliefert. Normal verhindert die dichte Oberfläche, dass Keime eindringen. In der Verletzungs-Situation ist sie schutzlos und deshalb gibt man antibiotische Salben, die lokal wirken.
Ist ein Augenverband hilfreich?
Dr. Rohleder: Das Lid ist das beste Pflaster fürs Auge. Der Verband stellt das Lid ruhig, damit es nicht ständig über den Defekt schabt und die Wunde besser heilt. Alternativ kann man eine therapeutische Kontaktlinse einsetzen und Befeuchtungstropfen und antibiotische Tropfen geben, damit der Lidschlag die Wundheilung nicht unnötig hinauszögert. Außerdem nimmt die Verbandskontaktlinse auch einen Teil der Schmerzen ganz gut weg.