Den Darm richtig lesen

von Redaktion

Vorsorge erkennt 95 von 100 Tumoren

München – Etwa 60 000 Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr an Darmkrebs, 25 000 sterben. Eine hohe Rate. „Dabei könnten die meisten Todesfälle durch konsequente Früherkennung vermieden werden“, betont Professor Dr. Christian Rust vom Krankenhaus Barmherzige Brüder in München. Experten halten die Darmspiegelung oder Koloskopie für die genaueste Methode der Früherkennung. Denn mit ihr können adenomatöse Polypen aufgespürt werden, die als Krebsvorstufen gelten. Zugleich ist die Darmspiegelung die einzige Methode, die Vorsorge, Früherkennung und Therapie vereint: „Wir können Gewebeproben entnehmen und auch gleich die Vorstufen entfernen. Das ist der effektivste Weg, um Darmkrebs zu verhindern.“

So läuft die Vorsorge

Da Frauen und Männer ein unterschiedlich hohes Risiko haben, wird die Darmspiegelung Männern ab 50, Frauen erst ab 55 Jahren empfohlen. Bei familiärer Vorbelastung sollte man früher aktiv werden: etwa zehn Jahre früher als das Alter, in dem der Angehörige Darmkrebs diagnostiziert bekommen hat.

Eine Darmspiegelung dauert 20 bis 30 Minuten. Zuvor ist eine gründliche Darmreinigung nötig über die Einnahme einer Abfuhrlösung am Abend vor der Untersuchung und erneut am Morgen des Untersuchungstags.

Die Spiegelung erfolgt über ein schlauchartiges Instrument (Koloskop), das über den After eingeführt wird. Ausgestattet mit einer Lichtquelle, Videosonde und einem Arbeitskanal liefert es farbige Bilder auf einen Bildschirm. So können die Darmabschnitte genau begutachtet, bei Auffälligkeiten über kleine Zangen Gewebeproben entnommen und Polypen mit speziellen Schlingen direkt entfernt werden. Eine Darmspiegelung ist in der Regel nicht schmerzhaft. „Viele lassen sich von uns ein Schlafmittel geben, das sie in eine Art Dämmerschlaf versetzt“, sagt Rust.

Studien zufolge werden von 100 Erkrankungen 95 entdeckt, „auch, weil ein möglicher Tumor über eine entnommene Gewebeprobe gleich diagnostiziert werden kann“, erläutert Rust. Laut Deutscher Krebshilfe sind 203 von 1000 Untersuchungen auffällig. Bei neun Patienten wird Darmkrebs gefunden, bei den restlichen 194 haben sich Darmpolypen entwickelt, von denen 64 fortgeschrittene Krebsvorstufen haben.

Wer zahlt?

Gesetzlich Versicherte (Männer ab 50, Frauen ab 55) haben Anspruch auf zwei Darmspiegelungen im Abstand von in der Regel zehn Jahren. Wer das Angebot erst mit 65 oder später wahrnimmt, hat nur auf eine Darmspiegelung Anspruch. Bei Beschwerden oder besonderen Risiken zahlt die Kasse auch früher eine Darmspiegelung.

Welche Risiken gibt es?

Die Darmspiegelung ist sehr sicher. Blutungen oder eine Perforation der Darmschleimhaut kommen extrem selten vor.

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