Männer-Risiko Prostata

von Redaktion

Tumore sind nicht immer leicht zu ertasten

München – Prostatakrebs ist der Klassiker bei Männern. Jedes Jahr erkranken rund 60 000 an einem bösartigen Tumor der Vorsteherdrüse, knapp 15 000 sterben. Dabei ist Prostatakrebs gut heilbar, wird er früh erkannt. Die Vorsorge wird jedem Mann ab 45 Jahren einmal jährlich empfohlen. Bei unter 40-Jährigen ist die Vorsorge nur im Ausnahmefall sinnvoll, etwa bei familiärer Vorbelastung.

So wird untersucht

Standard ist eine Tastuntersuchung – auch digital-rektale Untersuchung, kurz DRU, genannt, weil der Arzt die Prostata vom Enddarm (Rektum) aus mit dem Finger (digital) ertastet. Gibt es in der Familie Fälle von Prostatakrebs, sei dies neben dem eigenen Alter ein wichtiger genetischer Risikofaktor, der eine Ultraschalluntersuchung und/oder einen PSA-Test rechtfertigen könne, erläutert Dr. Florian Fuchs, leitender Oberarzt an der Klinik für Urologie im Krankenhaus Barmherzige Brüder.

Beim PSA-Test wird über eine Blutprobe ein besonderes Eiweiß bestimmt. Dieses PSA (prostata-spezifisches Antigen) wird nur in der Prostata gebildet. Krebszellen setzen meist vermehrt PSA frei. „Mit dem PSA-Test können, insbesondere bei jüngeren Männern, mögliche Tumore oft schon in einem frühen Stadium erkannt werden, was die Heilungsaussichten enorm verbessern kann“, sagt Fuchs. Ein auffälliges Ergebnis ist aber noch keine Krebsdiagnose: „Auch eine Prostataentzündung, eine gutartige Prostatavergrößerung, mitunter sogar eine mechanische Belastung können einen erhöhten Wert nach sich ziehen.“

PSA-Tests sind hinsichtlich ihrer Erfolgsquote nicht unumstritten. Aber auch das Tasten bietet keine Garantie. Bei ertasteten Auffälligkeiten sind weitere Untersuchungen zur genauen Abklärung nötig. Tumore, die ungünstig liegen oder noch klein sind, bleiben bei der Tastuntersuchung oft unentdeckt. Mit der Tastuntersuchung wird nur etwa ein Drittel aller Prostatakarzinome entdeckt. In Kombination mit dem PSA-Test lasse sich die Wahrscheinlichkeit, den Tumor zu übersehen, ganz entscheidend verringern, sagt Fuchs. Befürworter verweisen auf Daten, wonach von 10 000 untersuchten Männern zwölf vor dem Tod durch Prostatakrebs bewahrt werden.

Wer zahlt?

Die gesetzlichen Kassen zahlen Männern ab 45 jährlich eine Tastuntersuchung, bei familiärer Vorbelastung ab dem 40. Lebensjahr. Die Kosten für einen PSA-Test werden von den gesetzlichen Kassen nicht erstattet. Private Versicherungen zahlen in der Regel, eine Nachfrage lohnt.

Welche Risiken gibt es?

Manche empfinden die Tastuntersuchung als unangenehm, Risiken hat sie aber keine – außer, dass die Methode allein nicht sehr zuverlässig ist. Bei Männern jenseits der 80 sind Prostata-Tumore häufig wenig aggressiv. Ein erhöhter PSA-Wert kann für sie unnötige Diagnostik und Übertherapie zur Folge haben.

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