Die Rezepte der Ärzte: So wappnen Sie sich gegen Infekte

von Redaktion

Nasenspray zum Schutz vor Super-Infektion

Die meisten Erkältungen werden von Viren hervorgerufen, in 30 bis 50 Prozent der Fälle stecken Rhinoviren dahinter. Die Inkubationszeit – also die Zeit, bis die Erkrankung ausbricht – liegt meist zwischen einem und vier Tagen. Oft beginnt der Infekt mit Schnupfen, Niesen, Halskratzen und Husten. „Bei solchen Symptomen ist es sinnvoll, ein herkömmliches Nasenspray zu nehmen. Es hilft, eine Super-Infektion mit Bakterien zu vermeiden“, rät der HNO-Chefarzt des LMU Klinikums, Prof. Martin Canis, und erklärt den Hintergrund: „Wenn die Nase verstopft ist und sich Sekret staut, bietet diese feucht-warme Umgebung einen idealen Nährboden für Bakterien. Sie vermehren sich wie in einem Brutkasten. Eine mögliche Folge können eitrige Nasennebenhöhlen- oder Mittelohrentzündungen sein.“

Herkömmliche Nasensprays wie Otriven oder Nasic sorgen gewissermaßen für eine Belüftung und erschweren ein Einnisten der Bakterien in der Schleimhaut. „So können die Sprays — rechtzeitig eingesetzt – in vielen Fällen eine aufsteigende Infektion in die Ohren verhindern“, weiß Canis. Umgekehrt gilt allerdings: Man sollte Nasensprays nicht länger als acht bis zehn Tage am Stück verwenden, weil sonst ein Gewöhnungseffekt eintritt und auf Dauer die Schleimhäute austrocknen können.

Heiserkeit nicht unterschätzen

Wenn bei einer Erkältung mal vorübergehend die Stimme versagt, ist das kein Grund zur Panik. „Wenn sich die Heiserkeit allerdings nach zwei bis drei Wochen immer noch nicht bessert, sollte man sicherheitshalber mal einen HNO-Arzt in den Hals schauen lassen. Denn solche Symptome können auch von einem Krebs oder dessen Vorstufe an den Stimmbändern verursacht werden“, erläutert Canis. Diese Untersuchung sollte man nicht vor sich herschieben. Denn bei Krebs gilt in den meisten Fällen die goldene Regel: Je früher ein Tumor erkannt wird, desto besser sind die Behandlungschancen.

Alarmzeichen beachten

Vorsicht ist bei Schüttelfrost, Fieber und grünem bzw. dunkelgelbem Auswurf geboten: „Solche Symptome sind Alarmzeichen, die auf einen bakteriellen Infekt der Atemwege hindeuten können“, warnt Pneumologe Behr. „In solchen Fällen kann nach näherer Abklärung der Einsatz eines Antibiotika nötig sein.“

Antibiotika sinnvoll einsetzen

Diese Mittel sind gut erforscht und wirken nach wie vor – trotz vieler Resistenzen – in vielen Fällen. Allerdings helfen sie nur, wenn ein Infekt tatsächlich von Viren verursacht wird. Im Zweifel kann der Arzt mit einer Blutuntersuchung feststellen, welche Erreger seinem Patienten zu schaffen machen. Falls er tatsächlich Antibiotika schlucken muss, können begleitend Medikamente gegen Darmprobleme sinnvoll sein. Meist handelt es sich dabei um Mittel, die natürliche Darmbakterien beinhalten.

Kein Sport bei Erkältung

Selbst bei Erkältungen ohne Fieber gilt: schonen und eine Sportpause einlegen! „Wer einen Infekt ignoriert und sich trotzdem stark verausgabt, der riskiert, dass die im Körper zirkulierenden Viren den Herzmuskel befallen und eine Entzündung verursachen“, erklärt Allgemeinmediziner Ritter. Eine Myokarditis – so der medizinische Fachbegriff – ist gefürchtet, weil sie sich oft schleichend und zunächst ohne größere Symptome entwickelt. Sie kann aber zu chronischer Herzschwäche oder schweren Herzrhythmusstörungen führen. Mitunter droht auch eine Endokarditis – eine Entzündung der Herzinnenhaut. Sie kann ähnlich gefährlich werden wie eine Myokarditis, bleibende Schäden am Herzen anrichten oder sogar tödlich enden. Deshalb ist bei Erkältungen für Sportler Geduld der größte Sieg.

Nach Infekt langsam ins Training einsteigen

„Wer beispielsweise normalerweise jeden zweiten Tag eine Stunde joggt, der sollte zunächst nur alle drei Tage eine halbe Stunde gehen“, erläutert der Orthopäde und Mannschaftsarzt der Bayern-Basketballer, Dr. Sebastian Torka. „Hier gilt ganz klar erst mal die Devise: weniger ist mehr!“

Wappnen Sie sich jetzt schon für den Herbst

Investieren Sie in Ihr Immunsystem – schon jetzt auch mit Blick auf nächsten Herbst. „Ausdauersport und ausgewogene Ernährung stärken die Abwehrkräfte“, erläutert Allgemeinmediziner Ritter. Allerdings setzt der Schutzeffekt nicht von heute auf morgen ein. „Wer künftig regelmäßig zwei bis drei Mal die Woche eine halbe Stunde sportelt, der hat schon viel gewonnen und ist im nächsten Herbst besser gegen Infekte gewappnet“, so Ritter. Jedoch ist auch Aktionismus fehl am Platz: „Wer jetzt angeschlagen, relativ untrainiert, dünn bekleidet und verschwitzt durch die Kälte läuft, tut seiner Lunge auch keinen Gefallen“, mahnt Pneumologe Behr.

Winter-Sporteln nie ohne Aufwärmen

„Wenn die Muskulatur auskühlt, dann steigt die Verletzungsgefahr. Ein paar Minuten Warm-up vorm Laufen oder Skifahren mögen manchmal nerven, sind aber eine gute Investition in die langfristige Fitness – zumal Muskelverletzungen langwierig sein können und dann eventuell eine mehrwöchige Sportpause droht“, warnt Torka.

Wenn es staubig wird: Maske tragen

Auch wenn es nervt: Bei manchen Haus- und Gartenarbeiten sollte man vorsichtshalber eine Maske tragen. Der Mund-Nasen-Schutz ist vielen schon im Alltag ein Graus, trotzdem sollte man die Maske auch daheim aufsetzen, wenn man mit viel Staub in Berührung kommt – etwa bei Reinigungs- oder Renovierungsarbeiten. Dadurch vermeidet man, dass die Lunge zusätzlich belastet wird. „Darauf sollten gerade Patienten mit Vorerkrankungen wie Asthma oder COPD achten“, empfiehlt Lungen-Spezialist Behr.

Bei Fieber bloß nicht in die Badewanne

Dadurch wird der Körper zusätzlich gestresst, weil er eine Überhitzung vermeiden muss. Die Energie, die er aufbringen muss, fehlt dem Immunsystem.

ANDREAS BEEZ

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