Erkältungswelle wegen Corona & Co.

von Redaktion

Neben Omikron halten derzeit weitere Viren München und die Region in Atem

VON ANDREAS BEEZ

München – Gefühlt schnieft halb München – und viele Ärzte bestätigen: Eine Virus-Welle rollt durch die Landeshauptstadt. Zum einen natürlich Omikron, die hochansteckende, aber häufig harmlos verlaufende Corona-Variante. Zum anderen klassische Erkältungs-Erreger wie Rhino- und Adenoviren. Sie gehören zu einer Armada von über 200 unterschiedlichen Bazillen, die zwar durch Corona in den Hintergrund gedrängt, aber alles andere als ausgerottet sind.

Die Folge der unheilvollen Keim-Kombi: Viele Menschen in München und der Region rätseln, ob sie sich unbemerkt Covid eingehandelt haben oder einfach nur einen Schnupfen. Zusätzlich geschürt wird die Verunsicherung von der hohen Fehlerquote der Corona-Schnelltests. Aber ohne einen Test lässt sich momentan kaum unterscheiden, woran man erkrankt ist. Deshalb gibt’s im Zweifel zum treffsichereren PCR-Test im Labor keine Alternative.

Fakt ist: Omikron trifft derzeit vor allem Jüngere – diese allerdings geballt. „Wir haben vergangene Woche mehr als 250 Patienten getestet, etwa 230 waren positiv“, berichtet Dr. Wolfgang Ritter von der großen Hausarzt-Praxis Dr. Grassl in Sendling. „Durch die vielfach milderen Verläufe als bei der Delta-Variante haben wir zwar weniger Probleme in den Kliniken, aber die ambulanten Praxen laufen voll.“

Viele Omikron-Patienten bekommen Kortison-Spray. Es soll der gefürchteten Corona-Pneumonie vorbeugen, einer aggressiven Variante der Lungenentzündung. Oft wird auch Fluvoxamin verordnet – vor allem, wenn die Omikron-Opfer in der Frühphase ihrer Infektion zum Arzt kommen. „Das Medikament ist eigentlich ein Antidepressivum, kann aber nach den Behandlungsleitlinien auch das Risiko für einen schweren Corona-Verlauf reduzieren“, erläutert Ritter im Gespräch mit unserer Zeitung.

Das große Problem: Noch sind die Corona-Infektionszahlen viel zu hoch und andere Erreger gleichzeitig unterwegs. Sie haben dort besonders viel Angriffsfläche, wo viele Menschen viel Zeit in geschlossenen Räumen miteinander verbringen. „Momentan werden zahlreiche Infekte aus den Kindergärten und Schulen in die Familien eingeschleppt – auch Nicht-Corona-Infekte“, weiß Professor Jürgen Behr, der Chef der Lungen-Klinik im LMU Klinikum München.

Doch während viele Patienten gegen Corona geimpft sind, ist die Influenza-Impfung letzten Herbst und Winter oft unter den Tisch gefallen. Die Folge: „Der Grippeschutz hat stark abgenommen. Das kann vor allem für Patienten mit Vorerkrankungen zum Problem werden. Deshalb sollten sie sich unbedingt auch jetzt noch gegen Grippe impfen lassen. In vielen Fällen ist auch eine Auffrischung der Pneumokokken-Impfung sinnvoll“, sagt Behr. Pneumokokken können eine schwere Lungenentzündung verursachen.

Viele Münchner hoffen darauf, dass sich die Stadt spätestens im Frühjahr aus dem Würgegriff der Viren befreien kann. Das bedeutet: noch ein paar Wochen durchhalten und das Virus-Winter-Finale möglichst gesund überstehen. In unserer Zeitung erklären Münchner Ärzte, wie Sie Infekte vermeiden und notfalls – falls es Sie doch erwischt – Schlimmeres vermeiden können (s. unten).

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