SELTENE VÖGEL IN BAYERN
>> Raubwürger Der markante Vogel mit der schwarzen Augenmaske braucht halboffene Landschaften wie Moorgebiete oder Zwergstrauchheiden und einen Wechsel aus offenen Bereichen und einzelnen Gebüschen, Sträuchern oder Bäumen, die als Ansitzwarte oder Niststätte dienen können. Landschaften, die es kaum mehr gibt. In Deutschland befinden sich etwa 2000 bis 3000 Brutpaare, circa 50 leben in Bayern. Der Vogel war einst weit verbreitet. Erschwerend kommt hinzu, dass der amsel-große Raubwürger große Brutreviere beansprucht: Je nach Nahrungsangebot 10 bis 50 Hektar. Vogel-Experte Hans Joachim Fünfstück: „Früher war er ein Brutvogel in allen Mooren Oberbayerns, es gab ihn im Kocheler und Murnauer Moos.“ >> Steinrötel Die zwei bis fünf Brutpaare in Bayern sind die letzten ihrer Art! Sein Rückgang hat mehrere Gründe. „Weil er ein sehr schöner Vogel ist, haben sich Jugendliche vom 17. bis ins 19. Jahrhundert etwas Geld verdient, ihn zu fangen und zu verkaufen. Dazu kommt, dass es früher riesige Ziegen- und Schafherden gab, die Felsen von Büschen befreiten. Aber inzwischen gibt es diese Beweidung nicht mehr und der Vogel braucht solche kargen steilen Flächen“, erklärt Fünfstück. >> Mauerläufer „Er ist etwas größer als ein Kleiber, aber unverkennbar. Trotz seiner charakteristischen Flügelzeichnung und des ständigen Flügelzuckens ist er erstaunlich gut getarnt. Am leichtesten entdeckt man ihn im Fliegen, wenn er wie ein großer Schmetterling von einer Felswand zur anderen wechselt“, sagt Fünfstück. Es gibt noch 80 bis 120 Brutpaare in Bayern, die auf Höhen zwischen 600 und 2450 Metern nisten. Er hat schon am Schloss Neuschwanstein gebrütet. Ansonsten ist über den seltenen Vogel wenig bekannt. „Für ihn wünsche ich mir, dass Sender noch kleiner werden, dass man ihn besendern und erforschen kann.“ >> Alpensegler Es gibt wenige Brutpaare bei Sonthofen, er brütet in Widerlagerschlitzen von Autobahnbrücken. Er scheint als Brutvogel am Bodensee verschwunden zu sein, dabei gab es die ersten Brutnachweise in Lindau in einem Turm. Baden-Württemberg hat einige Kolonien, aber in Bayern scheint er zu verschwinden. >> Weißrückenspecht Man schätzt, dass es bundesweit 80 bis 600 Brutpaare gibt. Er braucht totholzreiche Wälder, was ein eher schwieriger Lebensraum ist. Er braucht Naturwaldreservate, wo Wälder wenig aufgeräumt sind. Also eher Mischwälder, die es in der Bergen durchaus gibt. „Man kann auch feststellen, dass er sich entlang von Ammer und Isar ein klein wenig ausbreitet“, zeigt sich Hans Joachim Fünfstück erfreut. >> Beutelmeise Sie ist ebenfalls ein seltener Vogel. Ihr Verbreitungsgebiet lag eher im Südwesten und Westen Europas. Dann gab es sprunghafte Ausbreitungswellen, weil sie wohl in warmen Sommern hohe Bruterfolge hatte. Sie ist vor drei Jahrzehnten in Bayern eingewandert, hat sich z. B. in Kiesgruben in Franken vermehrt. Und ist nun einfach wieder weg. „Das passiert häufiger. Es gibt Vögel, die kommen und verschwinden wieder. Auch dazu gibt es wenig Datenmaterial“, sagt Fünfstück. Die Rote Liste der Brutvögel Deutschlands stuft die Art als „vom Aussterben bedroht“ ein, nachdem sie in der bisherigen Fassung aus dem Jahr 2015 noch als „ungefährdet“ galt. In der Systematik der Roten Liste bedeutet das eine starke Verschlechterung um vier Stufen in die höchste Gefährdungskategorie! >> Haselhuhn „Eine ganz verrückte Art. Das Haselhuhn benötigt unterholzreiche Habitate, im Winter ernährt es sich von Erlen- und Buchenknospen, ihm hilft es, wenn der Lauholzanteil zunimmt. Und da muss man den Forststraßen, die ja überall entstehen, zumindest zugutehalten, dass an ihren Rändern schnell Erlen wachsen“, weiß Fünfstück. Das freut das Haselhuhn. Mag sein, dass es in den Alpen leicht zunimmt, außeralpin ist es nahezu verschwunden. >> Zwergdommel & Rohrdommel 220 bis 290 Brutpaare in Deutschland, von der Zwergdommel 60 bis 70 in Bayern – ein sehr heimliches Vögelchen. Sein Lebensraum ist das Schilf, ein Habitat, das schwindet, das durch Wassersportler (SUV’s) immer mehr gestört wird. Dabei braucht die Zwergdommel nur kleine Parzellen, 10 auf 20 Meter würden ihr genügen. Die Rohrdommel hat es noch schwerer, sie braucht wesentlich mehr Platz und will es sehr feucht haben. Die Rohrdommel nennt man auch „Mooskuh“ oder „Moosdampfer“, weil ihre Rufe in der Dämmerung wie ein Muhen oder wie ein Schiffshorn klingen. Der Vogel ist extrem gut getarnt. Das Federkleid imitiert ein Muster aus Licht und Schatten, die Kontur löst sich auf. Und der Vogel kann die „Pfahlstellung“ mit hochgestrecktem Körper, zum Himmel gerecktem Schnabel, aber dabei zum Beobachter weiterhin nach vorn gerichteten Augen bewegt sich die Rohrdommel genau wie das Schilf!