München – Um Mobbing zu verhindern, engagiert sich Stephan Lehmann, zweifacher Vater und Stadionsprecher des FC Bayern München für das Programm Medienhelden. Warum, das erklärt er im Interview mit Redakteurin Susanne Sasse:
Sie haben zwei Kinder. Haben Sie mit denen auch schon über das Thema Cybermobbing gesprochen?
„Das war das Erste, was ich gerade mit meiner Tochter besprochen habe. Mein Sohn hat mit zehn Jahren als Grundschüler noch gar kein Smartphone. In meinen Augen ist er erst mit Übergang auf eine weiterführende Schule beziehungsweise wenn er älter ist in der Lage, damit verantwortlich umzugehen, momentan ist er in meinen Augen dafür noch zu jung. Bei meiner Tochter, die jetzt 15 geworden ist, da habe ich sie schon seit der Übergabe des Handys darauf aufmerksam gemacht, dass das Internet zwar ein Segen ist, aber auch ein Fluch sein kann, wenn man gewisse Dinge nicht bedenkt.“
Kennen Sie sich aus mit den Plattformen, auf denen Jugendliche unterwegs sind? Viele Eltern haben da ja keine Ahnung.
„Diese Mühe muss man sich als Erwachsener machen. Du musst natürlich wissen, was Tiktok ist, Instagram oder Snapchat. Die Mühe muss man sich schon machen, um glaubhaft bei seinen Kindern zu sein. Man kann das aber auch ganz spielerisch machen und es sich zeigen lassen – und dabei dann auch mit den Kindern sprechen, dass dann, wenn sie zum Beispiel ein Bild von ihrem Zimmer posten, das dann nicht zurückholbar ist. Ich vertraue meiner Tochter, dass sie die Gefahr kennt.“
Eltern wird geraten, bei den Chats ihrer Kinder mitzulesen, um so Cybermobbing zu verhindern. Halten Sie das für machbar?
„Das ist in meinen Augen ein ganz falscher Weg und ich glaube auch nicht, dass das Jugendliche mit sich machen lassen. Da sind wir genau bei dem Punkt, warum ich mich bereit erklärt habe, mich für das Programm Medienhelden zu engagieren. Wenn man Kindern mehr Kompetenz im Umgang mit Medien vermittelt, dann ist das genau die richtige Prävention, wenn man sie also sie in Workshops in die verschiedenen Rollen schlüpfen lässt und sie sich so selbst klar darüber werden, wie es sich anfühlt, wenn man von anderen gehänselt, bloßgestellt und beleidigt wird. Dann verhindert das, dass sie das selbst machen. Es muss ja immer von den Jugendlichen selbst kommen. Kein Elternteil kann seine Kinder permanent überwachen – das wäre auch nicht richtig. Das Wissen darüber, was man macht und wie man Cybermobbing verhindern kann, trägt dazu bei, dass man dieses Cybermobbing stark eindämmt. Früher in meiner Jugend gab es auch Leute, die gehändelt wurden – auch ich wurde gehänselt und war andererseits manchmal nicht nett zu anderen. Aber der Unterschied zu heute ist, dass es damals vorbei war, wenn man den Schulhof verließ. Cybermobbing geht nach Schulschluss noch weiter. Das Cybermobbing hat eine ganze andere Dimension und Qualität im Vergleich zu früher.“