So schmeckt Heimat

von Redaktion

VON STEPHANIE EBNER

12.30 Uhr ist ein Fixtermin im Kalender. An jedem Arbeitstag. Zu dieser Uhrzeit trifft sich das Team von „Unser Land“ zum Mittagessen. In der Estinger Büroküche steht dafür extra ein riesiger Tisch, an dem locker über zehn Leute Platz finden. Zweimal in der Woche wird nicht nur zusammen gegessen, sondern auch gemeinsam gekocht. Was auf dem Speiseplan steht, hängt davon ab, wer was im Kühlschrank stehen hat oder was gerade im Garten wächst und dringend weg muss. Und natürlich was die Erzeugergemeinschaft produziert.

„Da kommen die spannendsten Kreationen dabei raus“, sagt Julia Seiltz (41). Auch was im Lager von „Unser Land“ kaputtgeht, landet im Kochtopf bzw. in der Pfanne. Wenn eine Palette Eier bricht, ist in der Gemeinschaftsküche Pfannkuchentag.

Julia Seiltz, die Geschäftsführerin, ist in den Job „quasi reingewachsen“, wie sie sagt. Ihre Mutter Elsbeth hat die Solidargemeinschaft 1994 mitgegründet. Die Idee damals war „die Bewahrung der Schöpfung, die den Leuten im wahrsten Sinne des Wortes schmackhaft gemacht werden sollte“. Ein regional gebackenes Brot wurde zum ersten Botschafter der Idee. Julia Seiltz: „Über den Bauch zum Kopf sollte es die Verbraucher für den Schutz ihrer Heimat begeistern.“ Weitere Landkreise folgten dem Beispiel, sodass es heute zehn Solidargemeinschaften in elf Landkreisen und in München gibt.

Eine Vermarktung von regionalen Lebensmitteln ist ehrenamtlich nicht möglich: Deswegen wurde für die Erzeugung, Verarbeitung und den Verkauf schon bald eine GmbH gegründet. Über 300 Betriebe mit rund 100 Lebensmitteln sind heute dabei. 75 Mitarbeiter kümmern sich darum, dass die Lebensmittel an den Verbraucher kommen. „Dazu gehört auch, dass jeder Supermarkt direkt beliefert wird.“

Die Unser-Land-Mitarbeiter haben alle einen Bezug zur Landwirtschaft. So auch Theresa Boisson (32), die fürs Marketing zuständig ist. Die Oma stammte aus einem Bauernhof, ein „Knochenjob“, wie sie die Arbeit nannte. Sie war froh, die Landwirtschaft hinter sich gelassen zu haben – bis ihre Enkelinnen alle nacheinander Landwirtschaft studierten. Theresa Boisson: „Die Oma hat die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen“, als sie von dem Berufswunsch der Mädels erfuhr. Doch da war nichts zu machen – „ich habe die Landwirtschaft in den Genen“, ist die Marketingfrau überzeugt.

Auch Margit Pesch (57) ist der Landwirtschaft nur vorübergehend „entkommen“, wie sie mit einem Lächeln sagt. Ihre Kindheitserinnerung: „Früher habe ich die frische Kuhmilch mit ihrer Rahmschicht obendrauf gehasst.“ Heute arbeitet die gelernte Bankfachwirtin im Crontrolling und in der Buchhaltung. „Jetzt ist es gut und wichtig, dass ich einen landwirtschaftlichen Hintergrund habe. So weiß ich, wovon die Bauern reden.“

In den mittäglichen Kochrunden geht es nicht nur ums gemeinsame Kochen. „Das ist auch die Gelegenheit, neue Produkte auszuprobieren.“ Jedes Jahr kommen bei „Unser Land“ welche hinzu. So wie die Linsen. Einst ein auch hierzulande traditionelles Lebensmittel, das erst seinen Weg zurück in die heimische Küche finden musste. Julia Seiltz: „Auch das gehört zu unseren Aufgaben dazu.“

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