Es ist eine Kettenreaktion, die den wenigsten klar ist: Niedermoore werden immer trockener, es wandern mehr Mäuse zu. Diese Mäuse dienen dem Fuchs als Nahrung, der sie trockenen Fußes jagen kann. Und weil im Niedermoor auch Brachvögel brüten, frisst er die Jungvögel auch gleich noch mit. In einigen Regionen wie z. B. dem Murnauer Moos zäunt man aufwendig die Gelege von Wiesenbrütern ein, um den Fuchs wegzuhalten. Der Große Brachvogel ist ein Vogel, der noch vor 60 Jahren fast flächendeckend im Murnauer Moos vorhanden war.
Doch früher wurden die kleinflächigen Streuwiesenparzellen regelmäßig neu verlost, sodass Parzellen zu unterschiedlichen Zeiten gemäht wurden. Im darauffolgenden Frühjahr waren sie unterschiedlich stark aufgewachsen. Dadurch entstand ein Nutzungsmosaik, das für den Brachvogel ideal war. Heutzutage werden Flächen von mehreren Hektar binnen kurzer Zeit abgemäht – und der Fuchs kommt.
Wo Lebensräume sich verändern, verschwinden Arten. Mit Hilfsprogrammen hält man dagegen. Wie beim Moorfrosch in Nordbayern. Der Moorfrosch besiedelt bevorzugt Lebensräume mit hohem Grundwasserstand, wie Zwischen- und Niedermoore oder Nasswiesen, er ist europaweit „streng geschützt“.
Solange er am Tropf solcher Artenhilfs-Maßnahmen hing, erholten sich die Bestände ein wenig, nun gehen sie schon wieder dramatisch zurück. Denn das Problem ist ein generelles: Bayern hat noch etwa 220 000 Hektar Moorböden, die aber nur etwa 4 % der Landesfläche ausmachen. Diese Feuchtgebiete entstanden dort, wo die Niederschläge entsprechend hoch sind oder aufgrund höherer Lehm-/Tonanteile der Böden langsamer versickern. Der Mensch hat trockengelegt, Gräben gezogen, Moorböden dem Gedanken der Wirtschaftlichkeit unterworfen. Ackerbau, Fischteiche, Straßen, Aufforstung haben Moore ausgelöscht. Neben der Urbarmachung der Moore selbst, hat auch die Kanalisierung der großen Flüsse ab 1817 große Auswirkungen auf die Moore und das Feuchtgrünland. Dadurch wurde das Grundwasser großflächig abgesenkt. Und nun schlägt der Klimawandel dramatischer zu, als mancher erwartet hätte. Umso wichtiger sei es nun, „Wasser in der Landschaft zu halten“, wie Andreas Zahn vom BUND Naturschutz, Kreisgruppe Mühldorf, sagt. „Wir beobachten, wie Niedermoore immer trockener werden, Grundwasserstände sinken, Bäume wandern ein und diese saugen zusätzlich das Wasser heraus. Im Isental konnte man feststellen, dass sich die Libellenfauna verändert, Arten wie die feuchtigkeitsliebende Sumpfheidelibelle verschwinden, die Feuerlibelle profitiert. Selbst der banale Grasfrosch geht dramatisch zurück.“ Leider vergisst man gerne die Bedeutung kleiner Fließgewässer. Bäche haben gerade im Voralpenland große Wichtigkeit, aber auch sie werden in Korsetts gezwängt. „Die Politik müsste mit den Grundeigentümern in Verhandlungen treten. Nur wer angemessen entschädigt wird, zieht mit“, betont Zahn. „Ackerbau wird dann womöglich nicht mehr möglich sein, extensive Beweidung schon. Bayern müsste dringend ein Konzept entwickeln, um die Austrocknung zu verhindern.“
Nach brachialen Starkregen, die viel zu schnell auf verdichteten Böden abfließen, wird noch klarer, dass man Moore und Feuchtgebiete als natürliche Schwämme braucht. Das Wasser in der Fläche zurückzuhalten, macht dreifach Sinn: Hochwasserschutz, mehr Artenvielfalt, aber auch eine immense CO2-Bindung. Intakte und wachsende Moore binden Kohlenstoff, während gestörte und denaturierte Moore sogar Kohlenstoff in großen Mengen freisetzen!