München – Unangenehm wird es, wenn die Dehnbarkeit des Herzens abnimmt und es sich nicht mehr ausreichend mit Blut füllen kann, um alle Organe gut mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Mediziner sprechen dann von einer diastolischen Herzschwäche.
Die Diagnose Herzinsuffizienz
„Eine Herzschwäche ist häufig die Folge eines Herzinfarkts. Bei dem Infarkt stirbt Herzgewebe ab, und es entstehen Vernarbungen, was die Leistung des Herzens einschränkt“, erklärt Kardiologin Professor Dr. Christiane Tiefenbacher, Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung. Dabei wissen Betroffene bisweilen gar nicht, dass sie vielleicht einmal einen Herzinfarkt erlitten haben, denn der kann auch „stumm“ verlaufen.
Die Deutsche Herzstiftung geht davon aus, dass rund 45 Prozent der Herzinfarkte keine eindeutigen Symptome zeigen. Beim stummen Herzinfarkt sind diese sehr unspezifisch: Unwohlsein, Müdigkeit, Schwindel, bisweilen ein Druckgefühl im Oberbauch oder Rückenschmerzen. Vor allem Diabetiker sind aufgrund der gestörten Schmerzfasern betroffen. Auch wenn er nicht erkannt wird, ist der stumme Herzinfarkt keineswegs ungefährlich. Studien haben nach Angaben der Deutschen Herzstiftung ergeben, dass er auf lange Sicht ein genauso hohes Sterberisiko berge wie ein klassischer Herzinfarkt.
Die Symptome einer Herzschwäche
Die Anzeichen für eine Herzschwäche sind häufig unspektakulär und kommen schleichend. Betroffene schieben sie oft auf ihr Alter und gehen nicht zum Arzt. Wer eines oder mehrere dieser Symptome hat, sollte dies aber tun und vom Arzt die Ursache abklären lassen. Auf eine Herzschwäche deuten hin: Atemnot oder Kurzatmigkeit, zum Beispiel beim Treppensteigen, eine unerklärliche Müdigkeit und allgemeine Leistungsabnahme, trockener Husten, Flüssigkeitseinlagerungen wie geschwollene Beine oder Knöchelödeme, Gewichtszunahme bis zu zwei Kilo in wenigen Tagen, Schlafstörungen und nächtlicher Harndrang, schnellerer Puls oder Herzrhythmusstörungen.
Der typische Brustschmerz fehlt häufig oder ist weniger stark ausgeprägt. Professor Dr. Christiane Tiefenbacher von der Deutschen Herzstiftung rät: „Jeder, der unter Atemnot leidet, sollte ärztlich abklären lassen, ob eine Herzkrankheit, etwa eine Herzschwäche, die Ursache ist. Je früher ein krankes Herz erkannt und behandelt wird, umso eher kann man einer Verschlechterung entgegenwirken.“ Eine chronische Herzinsuffizienz sollte in jedem Fall behandelt werden. Herzschwäche ist in Deutschland eine häufigere Todesursache als Krebs.
Die Risikofaktoren
Für Frauen gibt es weitere Risikofaktoren, die eine Herzschwäche herbeiführen können. Da sie generell ein etwas kleineres und weniger dehnbares Herz als Männer haben, gleicht dies eine höhere Pumpleistung zwar aus. Mit den Wechseljahren kommt aber hinzu, dass wegen der verringerten Östrogenproduktion häufig der Blutdruck steigt und im Herzen mehr Bindegewebe produziert wird. Das Herz verliert weiter an Elastizität.
Rauchen, Bluthochdruck, Übergewicht, Bewegungsmangel, hohe Cholesterinwerte oder Diabetes, aber auch eine genetische Disposition, also eine angeborene Anfälligkeit, erhöhen das Risiko einer Herzschwäche weiter. Treten mehrere dieser Faktoren gleichzeitig auf, potenziert sich ihre Wirkung, sagt Professor Tiefenbacher.
Bei Frauen wird häufiger eine diastolische Herzinsuffizienz diagnostiziert. Heißt: Das Herz pumpt zwar kraftvoll, doch wegen der geringeren Elastizität füllt es sich nicht mehr mit so viel Blut, wie nötig wäre, um alle Organe ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Bei der systolischen Herzinsuffizienz ist die Pumpleistung verringert.
Die Betroffenen
Experten gehen davon aus, dass in Deutschland bis zu vier Millionen Menschen eine Herzschwäche haben. Bei den über Sechzigjährigen sei etwa jeder Zehnte betroffen. Die Herzinsuffizienz ist nicht heilbar, aber sie ist behandelbar.
Die richtige Therapie kann das Fortschreiten der Krankheit bremsen und dem Patienten zu einer höheren Lebenserwartung und mehr Lebensqualität verhelfen.
Die Therapie
Erster Schritt ist die Diagnose der Ursache, denn in der Regel ist die Herzschwäche die Folge einer Grunderkrankung wie etwa Bluthochdruck, Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen, Herzmuskelentzündung oder -infarkt. Durch die Behandlung dieser Grunderkrankung lässt sich auch die Herzschwäche lindern.
Mehrere Medikamente in der richtigen Kombination kommen dabei zum Einsatz, darunter ACE-Hemmer, Betablocker, Diuretika und neue Medikamente gegen Diabetes. Der Patient muss über seine Krankheit umfassend aufgeklärt werden, denn er kann auch selbst etwas tun: sich gesund ernähren, nicht rauchen, Übergewicht reduzieren und sich regelmäßig bewegen.
Die Herzstiftung empfiehlt leichtes bis moderates Ausdauertraining, zusätzlich könne leichtes Krafttraining die Sauerstoffaufnahme in der Muskulatur verbessern. All das muss aber mit dem Arzt abgesprochen werden. So können Betroffene ihre Lebensqualität durch eigenes Handeln steigern. Bei schwerer Herzinsuffizienz können operative Maßnahmen angezeigt sein, etwa der Einsatz eines speziellen Herzschrittmachers.
Die Vorsorge
Die Krankenkassen bieten für ihre Versicherten ab 35 Jahre alle drei Jahre einen Check-up an. Dazu werden unter anderem der Blutdruck gemessen sowie Blut- und Urinproben genommen, um Blutzucker- und Cholesterinwerte zu ermitteln. Diese Daten können frühzeitig ein mögliches Risiko erkennen lassen. Weitere Untersuchungen wie etwa ein EKG sind teilweise im Leistungsspektrum aufgenommen. Sehr wichtig: Wer Symptome hat, der sollte auf alle Fälle zu einem Arzt gehen.