von Redaktion

VON NICOLA FÖRG

Spatzen und Finken gehören zur Familie der Sperlingsvögel. Und sie gehören auch zu den wenigen Arten, die im Sand baden. Sie wälzen sich im „Dreck“, machen das zudem sehr geschickt, indem sie sich mit dem Bauch in eine Sandkuhle legen und den Staub aufwirbeln, der sich dann auf das Gefieder legt. Sie machen das, um Parasiten im Gefieder loszuwerden. Der Fink pickt zudem im Pferdekot. Schon waren die Begriffe Schmutzfink und Dreckspatz geboren. Doch ganz im Gegenteil trocknet schlussendlich der Sand im Gefieder des Sperlings, lässt sich abschütteln und schon ist alles wunderbar sauber.

Bei vielen Tierarten macht diese Art des Badens Sinn, wenn geeignete offene Wasserflächen fehlen. Auch gibt es sehr viele Vögel, deren Gefieder so beschaffen ist, dass das Wasser abperlt. Das Bad nutzt also nichts, das Sandbad aber schon. Dazu kommt der Wellness-Effekt: Das Auerhuhn benutzt sogenannte Huderkuhlen, die gerne auch von der Sonne erwärmt sein dürfen. Das bringt Wohlgefühl und Läuse wie Milben bleiben im Sand. Echter Dreck führt bei Staren sogar zu Stress, wie britische Wissenschaftler herausgefunden haben: Ungewaschene Vögel fühlen sich danach angreifbarer als ihre sauberen Artgenossen. Warum das so ist? Mit einem verschmutzten Federkleid können die Stare bei Bedrohung schlechter fliehen. Vögel, die nicht gebadet haben, sind nicht nur schmutziger, sondern auch misstrauischer der Welt gegenüber. Für ihre Versuche stellten die Forscher einer Gruppe von Staren Wasser zum Planschen zur Verfügung, während die anderen Vögel drei Tage lang kein Bad nehmen konnten. Dann spielten die Forscher einen Alarmruf eines Artgenossen ab, der vor einem Feind warnte. Die Reaktion der beiden Gruppen war sehr unterschiedlich: Die schmutzigen Tiere brauchten länger, bis sie wieder zu fressen begannen, und waren wachsamer als die sauberen. Diese gingen sehr viel schneller wieder zur Nahrungsaufnahme über. Muss der Star also über einen langen Zeitraum ohne Badewasser auskommen, hat er eindeutig mehr Stress!

Im Reich der Vögel ist es ja die Stadttaube, die als unsauber gilt. Dabei kann sie gar nichts dafür! Sie wurde vom Menschen gezüchtet, anfangs als günstiges Stück Fleisch, später als Brieftaube. Die Taube hat es sich eigentlich nicht ausgesucht, in die Städte umzuziehen, sie wurden oftmals einfach frei- und zurückgelassen. Die Vögel sind sehr standorttreu und wurden so unfreiwillige Städter. Von der Felsentaube abstammend bauen sie nun mal kein richtiges Nest, sondern legen ihre Eier relativ „g’schlampert“ ab und kleben eventuell an den vorderen Rand noch einen Kotrest. Aus Sicht der Taube durchaus vernünftig. Nur greift die Salpetersäure im Taubenkot eben des Menschen Baustoffe übel an. Oder die Hinterlassenschaft beschmutzt den Hut eines Kirchgängers – Grund genug, dass viele Nischen und Zugänge an Gebäuden und Kirchen vergittert und verrammelt werden. Aber das verhindert eben auch den Einzug anderer Vögel, die dringend auf den städtischen Wohnraum angewiesen sind. Wie Turmfalken zum Beispiel. Als Kulturfolger leben die Greifvögel durchaus gern im städtischen Raum, denn Monokulturen aus Raps und Mais helfen ihm nicht. Zudem braucht der Turmfalke einen Ansitz. Er kann ja nicht ewig im Rüttelflug über Flächen kreisen, auf denen er Mäuse erwartet. Das würde ihn viel zu viel Energie kosten.

Auch Dohlen leiden unter der Vergitterung von Türmen und Dachstühlen. Die Kulturfolger haben sich an Menschen gewöhnt, sofern deren Abläufe vertraut und berechenbar sind. Schleiereulen gehören zu den stark gefährdeten Arten, sie brüten in Kirchen, in Baumhöhlen oder auch mal in nicht genutzten Trafohäuschen. Und zuletzt brauchen auch Mauersegler Raum, sie sind eh nur zwischen Ende April und Anfang August in Bayern und so sauber, dass man ihre Nester gar nicht ausmachen kann!

Klar ist: Es ist immer vernünftig, was Tiere tun. Sei es der Hirsch, der sich in der Schlammsuhle wälzt, bis sein Rücken völlig verkrustet ist. Sobald der Schlamm getrocknet ist, springt er in größeren Brocken vom Körper ab oder wird an Bäumen abgerieben. Fertig ist die Reinigungskur. Elefanten nehmen zudem mit ihrem Rüssel Bodenmaterial auf und pusten es nach dem Baden über den Körper. Das wirkt wie Körperpuder. Wenn sich die Dickhäuter dann am Baum scheuern, werden Parasiten wie mit Schmirgelpapier abgerieben.

Dass das Herumsauen Sinn macht, beweist das Schwein, auch wenn man mit dem Tier sprachlich am übelsten mitspielt. Es gibt dutzende von „schweinischen“ Beleidigungen. Doch das Schwein suhlt sich nun mal, weil es gegen Parasiten und Sonnenbrand auf der empfindlichen Haut hilft. Das Schwein ist eben ein hochintelligentes und soziales Tier, das sehr reinlich ist. Was man ihm in der industriellen Tierhaltung antut, ist immer noch nicht in den Köpfen der Menschen angekommen. Denn „ein Schwein zu sein“, im Sinne von anderen bewusst zu schaden, kommt im Tierreich nicht vor. Und der Saubär ist übrigens kein Bär, sondern ein Zuchteber, also ein männliches Schwein, der Sauen deckt!

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