Risiko oder bessere Überlebenschancen?

von Redaktion

Immuntherapeutin Prof. Angela Krackhardt erklärt, was Krebspatienten zu Studien wissen müssen

München – Krebspatienten, die sich an einem zertifizierten Krebszentrum behandeln lassen, haben oft auch die Möglichkeit, an einer Medikamentenstudie teilzunehmen. Dies kann für Patienten, die die neusten Behandlungsmethoden wünschen, attraktiv sein. Aber es gibt einiges zu beachten, erklärt Prof. Dr. Angela Krackhardt. Sie ist Oberärztin am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM) und forscht im Bereich der Immuntherapien.

„Ich rate Patienten, sich immer zu erkundigen, ob möglicherweise auch die Teilnahme an einer Studie infrage kommt“, sagt Prof. Krackhardt. Ein Vorteil bei einer Studienteilnahme sei generell, dass der Patient besonders gut überwacht ist. Zudem muss eine unabhängige Ethikkommission Studien bewerten, bevor sie in Deutschland zugelassen werden. „So wird sichergestellt, dass der Patient durch Teilnahme an einer Studie möglichst nicht in einen Nachteil gerät, also dass ihm vor allem keine wirksame Therapie vorenthalten wird“, erklärt Prof. Krackhardt.

Bei manchen Studien gibt es tatsächlich eine Gruppe, die ein Placebo-Produkt erhält – man nennt solche Studien „verblindet“. Für diese Patienten muss dann aber sichergestellt sein, dass sie trotzdem eine sehr gute Therapie bekommen, in der Regel die Standardtherapie. „Sie erhalten also das, was sie auch sonst erhalten hätten, und fahren damit nicht schlechter als ohne Studienteilnahme“, sagt Krackhardt: „Eine Ausnahme sind Zelltherapien, diese werden in der regeln unverblindet, also ohne Placebo, durchgeführt.“

Weiterhin unterscheidet man verschiedene Phasen bei der Studiendurchführung. Bei frühen Studien in Phase I oder Phase II, bei denen man die neue Therapie noch nicht so gut kennt und die insbesondere bei fortgeschrittenen Erkrankungen angeboten werden, sollte man sich die Studie mit den Vor- und Nachteilen genau erklären lassen. Da die Zulassung von neuen Krebsmedikamenten oftmals aber viele Jahre dauert, kann es aber gerade bei fortgeschrittenen Erkrankungen vielversprechende neue Therapien geben, die eben noch nicht zu den Standardtherapien gehören. Gerade für Patienten, die das Neueste bekommen wollen, kann dann eine passende Studie eine sehr gute Option sein.

Die letzte Studie vor einer möglichen Zulassung eines Medikaments ist die Phase III. Die Medikamente haben da schon zwei Studien hinter sich, ihre Wirkung ist gut einschätzbar. Phase-III–Studien werden häufig von Fachgesellschaften durchgeführt. Krackhardt: „Solche Studien sind in der Regel immer empfehlenswert.“ S. SASSE

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