von Redaktion

VON NINA DAEBEL

Über Jesus wird viel erzählt: Dieser Biografie gelingt es allerdings eindrucksvoll, den Sohn Gottes weniger zu verklären und ihn stattdessen als Menschen seiner Zeit zu zeigen. Was ist historisch belegt? Wer hatte zu seiner Zeit tatsächlich etwas zu sagen? Und welche Interessen haben die Mächtigen verfolgt? Welche Begebenheiten sind wahrscheinlich? Und aus welchen Gründen? Nicht zuletzt geht es um die Frage, wie man die Bibel als moderner Mensch lesen und verstehen muss, um mit ihr im 21. Jahrhundert noch etwas anfangen zu können. Was kann die Heilige Schrift einem heute mit auf den Weg geben? Darüber will dieses Buch informieren und Zusammenhänge aufzeigen. Es fordert dazu auf, eine differenzierte Sicht auf die Geschehnisse zu werfen. Und hilft dabei, sich dem Phänomen Jesus unvoreingenommen zu nähern – egal, ob man Christ oder Atheist ist.

In dieser sachlich-aufgeklärten Weise beschäftigt sich der Münchner Autor auch mit den Wundern, die Jesus vollbracht haben soll. Waren es wirklich unerklärliche Ereignisse oder lassen sie sich logisch erklären? So spürt Alois Prinz dem nach, was Fiktion und Realität sein könnte und was als Metapher dient. Klar, das Werk driftet auch mal ins Philosophische ab, verliert aber nie den Kontakt zu den jungen Leuten, an die es sich richtet.

Jesus Wirken wird somit ein Stück weit menschlicher, verständlicher und nahbarer. Alois Prinz belehrt nicht, gibt keine vorgefertigten Antworten und erklärt anschaulich, anstatt sich ins Abstrakte zu flüchten. Vielmehr fordert der preisgkrönte Biograf zum Selber- und Nachdenken auf. Er versucht, bekannte Episoden aus Jesus Leben begreifbar zu machen. Mitunter werden Hypothesen aufgestellt, die dann entweder bekräftigt oder relativiert werden. Spannend wird der gesellschaftliche und politische Kontext der Zeit beschrieben, in der Jesus sich bewegt hat. Und es werden Theologen sowie Philosophen, Literatur, Kunst und Film herangezogen, um den Messias besser verstehen zu können. Dabei vermittelt der Autor nie den Eindruck, dass sich Jesus bis ins letzte Detail erklären lassen könnte. Klar ist stattdessen, dass der Sohn Gottes immer ein Phänomen bleiben wird. Und dass jeder für sich entscheiden kann, was er in Jesus sehen möchte.

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