Stefan Zaenker ist eigentlich ein optimistischer Typ, voller Elan für die Welt unter der Erde. Aber der Feuersalamander macht dem Höhlenforscher echte Sorgen. Ihn frisst ein Pilz bei lebendigem Leibe auf: In den Niederlanden ist der Feuersalamander deshalb innerhalb von ein paar Jahren so gut wie ausgestorben. Und weil der Pilz ostwärts wandert, macht der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher auf das Schicksal des gelb-schwarzen Lurches aufmerksam, indem er ihn zum Höhlentier des Jahres 2023 erkoren hat. Eine gute Wahl, zeigt sie doch auch, dass keine Art vor den Folgen der Globalisierung gefeit ist, wie der 57-Jährige erklärt. Denn „nicht jeder reinigt seine Wanderstiefel, wenn er in einem neuen Gebiet unterwegs ist. Heute in der Eifel, morgen in der Schwäbischen Alb, heißt die Devise. Doch die Wanderer merken nicht, was sie im Profil ihrer Bergschuhe mittragen“, bemerkt Zaenker. Ist er einmal da, rottet der Pilz ganze Populationen aus. Er befällt auch Wasserlurche, die aber nicht immer daran sterben. Korrekt heißt der Salamanderfresser „Batrachochytrium salamandrivorans“ und ist 2010 erstmals in den Niederlanden aufgetaucht. Bis dahin hatte man den Übeltäter eigentlich nur bei Terrarien-Tieren nachgewiesen, doch inzwischen ist er längst im Freiland angekommen, in der Eifel, im Steigerwald…
Dabei hat es das Tier sowieso schon schwer genug! Eigentlich braucht der überwiegend nachtaktive und Feuchtigkeit liebende Feuersalamander naturnahe Lebensgemeinschaften der Mittelgebirge. Er ist ein zuverlässiger Bioindikator, ob es sich um gesunde Laubmischwälder – er meidet Nadelwälder – mit Totholz und kühlen Quellbächen handelt. Aber solche Lebensräume gibt es eben viel zu wenige! Die Intensivnutzung von Mischwäldern und ihre Zerschneidung durch Straßen- wie auch Gewässerausbau macht es dem Lurch immer schwerer. Zudem erreichen Feuersalamander ihre Geschlechtsreife erst mit zwei bis vier Jahren, viele erreichen dieses Alter nicht mehr. „Es ist traurig: Das Tier zeigt sich vor allem zwischen Mitternacht und vier Uhr in der Früh, wenn es feucht und zehn bis 15 Grad kühl ist – aber auch junge Leute vom Club heim- und in der Dunkelheit viele Salamander überfahren!“, bedauert Zaenker. Das Revier des Höhlenforschers, der halb bei der Steuerbehörde und halb bei der Oberen Naturschutzbehörde arbeitet, liegt in der Rhön zwischen Bayern, Thüringen und Hessen. Ihren Anfang nahm seine Passion, als er Anfang der 1980er-Jahre in Bad Hersfeld bei einer Jugendgruppe war. Da kursierte ein Artikel aus dem Jahre 1882, der eine Höhle beschrieb. Die Jungs waren angefixt, suchten die Höhle, fanden auch eine. „Es war eine andere“, lacht Zaenker. Aber die Burschen waren so begeistert, dass sie einen Höhlenverein gründeten. Stefan Zaenker ist drangeblieben, ist federführend bei Fledermaus-Winterkontrollen, er kartiert und ist bundesweit eine Instanz: Sieben FFH-Schutzgebiete hat er dem Land Hessen vorgeschlagen, alle wurden übernommen.
Aber es läuft nicht immer so reibungslos: In der Rhön, wo eben drei Bundesländer aufeinandertreffen, hat jedes Land seine eigenen Bestimmungen. Da sind zum Beispiel Fahrgenehmigungen in Hessen kein Problem. In Thüringen ist schnell ein Ansprechpartner ausgemacht. In Bayern wird es komplizierter, weil dort die Höhlenforscher nicht so sehr in naturschutzfachliche Gebiete eingebunden sind. Aber die Zeit für Bürokratie haben bedrohte Tierarten nicht, der Feuersalamander schon gar nicht!
Der nächste Meilenstein für den Biospeläologen war die Veröffentlichung seines Buches „Die Höhlentiere Deutschlands. Finden – Erkennen – Bestimmen“. 748 Arten sind darin gelistet. Um sie zu sehen, hing Zaenker stundenlang an Spezialseilen in Höhlen oder lag bewegungslos auf dem Bauch – kein gemütliches Hobby. Das Buch ist längst Standardwerk und Sohn Christian in seine Fußstapfen getreten. Mit dem Landesverband für Höhlen- und Karstforschung Hessen wurde ein Programm entwickelt, um Höhlen zu beurteilen und Tiere zu erfassen – mit der App CaveLife. „Damit haben wir den höchsten europäischen Naturschutzpreis, den European Natura 2000 Award, gewonnen“, erzählt Zaenker stolz. Jetzt muss er nur noch den Feuersalamander retten.
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