von Redaktion

VON NICOLA FÖRG

Anfang März ist wieder einmal Weltfrauentag. Da wird sicher einmal mehr über tradierte Geschlechterrollen und ungleiche Entlohnung debattiert. Auch im Tierreich gibt es alle Formen „typisch“ männlicher und weiblicher Verhaltensweisen. Doch in der Natur hat das oft auch seinen Sinn.

Ein stattlicher Gorilla hält sich einen ganzen Harem an Weibchen, die der König des Dschungels bis auf die Zähne verteidigt, damit sich nicht einer der herumziehenden Jungspunde eine seiner Damen krallt und begattet. Das Haremsleben hat auch für die Weibchen Vorteile: Es gibt Spielkameraden für die Kleinen, Tanten zum Aufpassen und Sicherheit, dass die Kinder nicht getötet werden. Denn stürzt das Männchen von sein Thron, würde der Eroberer alle Jungtiere töten, damit die Weibchen sich schnell wieder mit ihm paaren. Bei den Kaiserschnurrbarttamarinen – Krallenaffen mit einem Bart im Stil von Kaiser Wilhelm – ist das Geschlechterverhältnis komplett umgedreht: Die dominante „Kaiserin“ paart sich mit allen Männchen der Gruppe. Und wenn nach 140 bis 145 Tagen Tragzeit zwei bis drei Junge geboren werden, kümmern sich alle männlichen Tiere der Gruppe um den Nachwuchs. Nur zum Säugen bekommt die Mutter die Jungen quasi angereicht: Kluges Mädchen!

Bei den Elefanten ist es aus gutem Grund ein erfahrenes Weibchen, das an der Spitze einer Gruppe steht. Die ältere Kuh bewahrt all das Wissen, das sie selbst in jungen Jahren von ihrer Großmutter gelernt hat. Und so kann sie die Gruppe während einer Jahrhundertdürre zu dem einzigen noch verfügbaren Wasserloch führen,

Auch Orcas hören auf das älteste Weibchen. Deshalb entwickelt jede Familie der Schwertwale u. a. ihre eigene Jagdtaktik. Im Nordmeer beispielsweise treiben Orcas Heringe in Schwärmen zusammen und schlagen mit ihrem Schwanz auf die Meeresoberfläche. Kurz darauf prügeln sie auch unter Wasser auf die Heringe ein. Clever: Die Fische werden nur betäubt, sind aber eine leichte Beute. In Argentinien werfen sich Orcas auch mal auf den Strand und erbeuten so Seelöwenjunge. Allerdings ist das gefährlich. Die Jäger müssen die Gezeiten kennen, damit sie nicht stranden. Das alles lernen sie vom erfahrenen älteren Weibchen.

Die Natur ist immer pragmatisch und hat Lösungen, um die Art zu erhalten. Und da ist es eben nicht immer gut, wenn sich das Weibchen kümmert und den Nachwuchs füttert, während das Männchen das Futter heranschafft. So gibt es auch „Überväter“ wie die Riesenwanzen, die primär im Wasser leben. Die bis zu zwölf Zentimeter großen Tiere machen bei der Balz auf superwichtig, indem sie Wellen im Gewässer erzeugen. Wer das am besten kann, mit dem paart sich das Weibchen bis zu 30 Mal. Einen Monat nach der Paarung klebt das Weibchen die Eier dem Männchen auf den Rücken – und weg ist sie. Er ist nun flugunfähig, weil die Larven zwei- bis dreimal so viel wiegen wie er selbst. Das alles macht Sinn, weil die Sterblichkeit der Larven hoch ist und nur die Masse es macht.

Die Annahme, dass das Männchen im Tierreich in jedem Fall am liebsten möglichst viele Weibchen begatten will, um die eigenen Gene zu streuen, stimmt also nur bedingt. Evolutionsbiologen entdecken ein komplexeres Bild der Vaterschaft: Gene, Umwelt, Hormone, persönliche Erfahrungen und die Frage, wie man die Überlebenschancen verbessert. Viel Nachwuchs, damit ein gewisser Prozentsatz überlebt, ist eine Strategie – den Nachwuchs stark zu beschützen, ist die andere.

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