Die Arbeit den Männern zu überlassen, ist im Reich der Vögel eher üblich. Bei über 70 Prozent aller Arten beteiligen sich die Männchen an der Kinderaufzucht. Das hat sich die Natur gut eingerichtet: Da die „Schwangerschaft“ meist außerhalb des Mutterleibs, sprich im Ei stattfindet, kann Papa auch mitmachen. Insbesondere bei den Meisen ist das Männchen ein perfekter Kindergärtner: Brüten, Füttern, Hudern – bis zu 800 Mal am Tag fliegt Papa das Nest mit neuer Nahrung an, wenn die Jungen geschlüpft sind.
Der Thermometerhahn aus Australien gibt zehn Monate den Klimatechniker. Er füllt eine Mulde mit Blättern, der australische Winterregen macht eine Blätterpfütze draus, die dann zu einer Art Kompost wird. Dann scharrt der Hahn einen Sandhügel drauf, der bis zu fünf Meter Durchmesser haben kann. Wenn die Henne so weit ist, ihre Eier abzulegen, gräbt er aufwendig Löcher in den Hügel. Der Kompost erzeugt Wärme und brütet die Eier aus, der Hahn ist unentwegt mit Wartungsarbeiten beschäftigt und misst per Schnabel nach, ob im Haufen die optimalen 33,5 Grad herrschen. Wenn nicht, scharrt er den Haufen um, schafft Belüftungsschächte oder wirft Sand auf. Wenn die Küken schlüpfen, hat er endlich frei.
Bei den Laufvögeln wie Emus oder Kiwis übernehmen die Männchen das Brüten. Bei den Nandus lässt der Hahn niemanden an den Nachwuchs, auch nicht die Mütter. Da er einen Harem von bis zu zwölf Weibchen um sich schart, die dann alle ihre Eier in sein Nest legen, kommen bis zu 30, manchmal sogar 80 Eier zusammen.
Beim afrikanischen Grill-Kuckuck verteidigen überraschenderweise die Weibchen lautstark ihr Revier und balzen mit aufgeplustertem Gefieder. Die Eier legen sie den Männchen ins Nest und überlassen ihnen die Brutpflege.
Während viele Fischarten ihren Nachwuchs sich selbst überlassen, kümmern sich Dreistachelige Stichlinge fürsorglich – zumindest die Männchen. Sie bauen ein Nest, verteidigen es gegen Fressfeinde und wedeln ihren Eiern sauerstoffreiches Wasser zu. Oft stehlen sie sogar befruchtete Eier anderer Männchen und beschützen sie mit. Offensichtlich finden Weibchen dieses Verhalten anziehend: Je mehr Eier ein Männchen in seinem Nest hat, desto interessanter ist es für Weibchen, die noch unbefruchtete Eier haben.