Wenn „Sie“ sich als ein „Er“ tarnt

von Redaktion

SEXUALDIMORPHISMUS

>> Als Sexualdimorphismus bezeichnet man die äußerlichen Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Lebewesen. Oft sind die Männchen stärker und schöner. Der Löwe hat eine mächtige Mähne, bei den Straußen ist der Hahn größer, seine Federn prächtig, während sie grau gewandet ist. Unauffälligkeit macht gerade bei Vögeln immer dann Sinn, wenn sie sich um die Aufzucht der Jungen kümmert und sich vor Fressfeinden tarnt. >> Bei Greifvögeln oder auch Kröten unterscheiden sich die Geschlechter deutlich durch Größe. Das Sperbermännchen ist in der Regel nur ein Drittel so groß und so schwer wie das Weibchen. Das ist bei den meisten Greifvögeln so, weshalb die Männchen Terzel (ein Drittel) genannt werden. Vorteil: Das Weibchen kann größere Beute schlagen, das Männchen kleinere. Das schont die Populationen der Beutetiere. Und dass das Weibchen üppiger ist, ist auch anderenorts von Vorteil: Beim Brüten kühlen die Eier nicht so schnell aus. >> Bei den Männchen scheint die Sache klar: Je attraktiver, desto mehr paarungswillige Weibchen und desto mehr Nachwuchs. Weibchen nutzt es weniger, sich mit möglichst vielen zu paaren, weil das die Gesamtzahl der Nachkommen ja nicht erhöht. Für sie ist die biologische Fitness eines Partners wichtiger. Aber es gibt auch vertauschte Rollen: Wo die Weibchen schöner sind als Männchen, wo sie durch sexuelle Signale Partner anlocken. Sie können dann auswählen. Die blaue Schwimmkrabbe arbeitet mit auffällig roten Scherenspitzen. ein weiblicher Stachelleguan signalisiert mit einem orangefarbenen Kehlfleck Paarungsbereitschaft. >> Manchmal hilft es auch, sich als Weibchen männlich zu kleiden. Der männliche Weißnackenkolibri, ein winziger Tropenvogel, hat einen blauen Kopf und einen leuchtend grünen Rücken, das Federkleid des Weibchens ist eher trist. Nun haben aber Wissenschaftler entdeckt: Fast 30 Prozent der mehr als 120 untersuchten weiblichen Weißnackenkolibris hatten auch das prächtige männliche Gefieder. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass das männliche Federkleid die Weibchen davor schützt, an der Futterstelle von anderen Kolibris gemobbt zu werden! Und das widerlegt auch den Naturforscher Charles Darwin, der meinte, dass männliche Merkmale bei weiblichen Tieren überhaupt keinen Nutzen hätten. Vielmehr setzen viele weibliche Tiere ihr Aussehen ein, um einen besseren Zugang zu Ressourcen zu haben.

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