Schutz vor gefährlichen Bakterien

von Redaktion

VON SUSANNE SASSE

München – Hört man Pneumokokken, denkt man meist zunächst an Lungenentzündung. Aber eine sogenannte Pneumonie ist nicht die einzige Gefahr, die eine Infektion mit Pneumokokken mit sich bringt. Die verbreiteten Bakterien werden durch Tröpfcheninfektion übertragen und besiedeln häufig den Nasenrachenraum. Von dort aus können sie in Lunge, Nasennebenhöhlen oder das Mittelohr gelangen und Infektionen in diesen Bereichen verursachen. Manchmal gelingt es ihnen sogar, in sterile Körperbereiche vorzudringen. So können sie in die Blutbahn oder in die Nervenflüssigkeit gelangen und schwere Infektionen auslösen. Schaffen sie es ins Gehirn, können sie dort eine Pneumokokken-Meningitis verursachen, das ist eine gefährliche Hirnhautentzündung. Zudem können sie eine Herzklappeninfektion und eine Blutvergiftung, Sepsis genannt, hervorrufen..

Solche Infekte können lebensbedrohlich sein, warnt Privatdozent Dr. Christoph Spinner, Leiter der Infektiologie am rechts der Isar. Er sieht im Klinikalltag häufig ältere Patienten oder Patienten mit Vorerkrankungen mit einem schweren Verlauf einer Pneumokokken-Erkrankung. „Teilweise sind die Folgen der Infektion tödlich, unter anderem durch eine Lungenentzündung, Hirnhautentzündung oder Sepsis“, warnt der Infektiologe und fügt an, dass viele schwere Verläufe durch eine Impfung vermeidbar wären. „Deshalb kann ich an Menschen über 60 und Risikopatienten nur appellieren, Pneumokokken nicht zu unterschätzen und sich impfen zu lassen“, sagt Dr. Spinner.

Seit längerer Zeit stehen in Deutschland Pneumokokken-Impfstoffe zur Verfügung, die gegenüber den wichtigsten Pneumokokken-Stämmen einen guten Schutz bieten. Immer noch sind in Deutschland zu wenige Menschen, für die die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Impfung empfiehlt, geimpft. Und dies, obwohl jährlich in Deutschland rund 5000 Menschen an den Folgen einer Pneumokokken-Infektion sterben. In Bayern sind aktuell nur 15,5 Prozent der 60- bis 74-Jährigen ohne Vorerkrankungen und 18,8 Prozent der erwachsenen Risikopatienten geimpft.

Das sind viel zu wenige, findet auch Privatdozent Dr. Jochen Schneider. Er impft als Oberarzt in der Infektiologischen Ambulanz mit den bereits zugelassenen und verfügbaren Pneumokokken-Impfstoffen. Dort läuft zudem eine Studie mit einem neuen Pneumokokken-Impfstoff, der später zusätzlich neben den bisher verwendeten verimpft werden könnte. „Der neue Impfstoff richtet sich vor allem gegen Pneumokokken-Stämme, die von den derzeitig zugelassenen Pneumokokken-Impfungen nicht erfasst werden“, erklärt Dr. Schneider. Somit könnte der neue Impfstoff ein idealer Kombinationspartner für die bisherigen zugelassenen –Impfstoffe darstellen, um einen möglichst breiten Impfschutz vor den in Europa zirkulierenden Pneumokokken-Stämmen zu erreichen.

Derzeit sucht die Infektiologie am Klinikum rechts der Isar bis Ende Februar noch Teilnehmer für die Pneumokokken-Impfstoffstudie. Teilnehmen können Menschen ab 65 Jahren, die noch nie gegen Pneumokokken geimpft wurden. Die Teilnehmer müssen über ein Smartphone Fragen beantworten können. Interessenten können sich unter der E-Mail-Adresse IZAR@mri.tum.de melden.

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