Willi Holzer hatte schon in der Schule ein Faible für Greifvögel und Eulen. Schon mit 12 ist er manchmal mit einem Freund um vier Uhr früh ins Erdinger Moos geradelt, dort wo heute der Großflughafen ist, um Vögel zu beobachten. Und stellt rückblickend fest: „Was gab es in meiner Jugend noch Schmetterlinge! Heute sieht man kaum noch welche.“ Gerade kam ein Enkel zur Welt und Holzer fragt sich, was diese neue Generation noch „live“ an Tieren sehen wird?
Als engagierter Lehrer an seiner Schule in der Hallertau forderte er schon vor 40 Jahren in einem Brief an den Bürgermeister, die Wiesen rund um die Schule nur noch zweimal im Jahr zu mähen, um Blumen und Insekten ein Überleben zu ermöglichen. Seit 1998 betreibt Holzer nun alleinverantwortlich eine Auffangstation für Greifvögel und Eulen, in der er in einem durchschnittlichen Jahr bis zu 200 Vögel und mehr betreut. Von Mai bis Juli sind viele Turmfalken darunter und „immer häufiger auch Uhus“, sagt Holzer.
Vordergründig liegt das daran, dass der Bestand zugenommen hat, dass der Uhu seine Brutgebiete ausgedehnt hat und aus den Felsregionen der Alpen und Nordbayerns auch ins flache Land gezogen ist. Darüber hinaus schenkt man dem Uhu immer mehr Aufmerksamkeit – und das hat auch mit der Windkraft zu tun. Denn sein Vorkommen beeinflusst die Entscheidung für oder gegen den Bau einer Anlage. Zudem wird ausführlich erforscht, inwieweit der Vogel durch den Betrieb der Windräder gefährdet ist. Fakt ist: Sein Revier ist mit bis zu 21 Quadratkilometer sehr groß, und Windkraftanlagen meidet der Uhu nicht. Erste Studien wollen aber herausgefunden haben, dass 75 Prozent der Flüge unter 20 Metern Höhe stattfinden. Das Kollisionsrisiko wäre also bei alten Anlagen höher, bei den neuen mit einem unteren Rotordurchgang von 60 bis 90 Metern geringer. Solange das aber nicht bewiesen ist, kann das Vorkommen von Uhus den Bau einer Anlage verhindern.
Und hier wird’s manchmal kriminell: Da mit der Pachtfläche viel Geld zu verdienen ist, „ist die Annahme nicht so abwegig, dass tote Uhus im Einzugsgebiet der geplanten Anlage damit zu tun haben“, sagt Holzer. „Neben finanziellen Interessen ist da aber immer noch dieser alte Glaube, dass alle Vögel mit krummen Schnäbeln Konkurrenten der Jäger sind. Wenn ich einen mit Schrot abgeschossenen Uhu bekomme, ist das ein sicherer Hinweis auf einen Jagdscheininhaber. Das ist so traurig wie frustrierend.“ Befürchtungen der Jäger, der Uhu beeinflusse den Bestand des Niederwilds wie Feldhase, Rebhuhn und Fasan, seien unbegründet. In den im Landkreis Freising kontrollierten Brutgebieten würden nur äußerst selten diese jagdlich interessanten Tierarten gefunden, so der Eulenexperte. Häufige Beute seien Ratten, Wildkaninchen und Igel. Auch Krähenvögel, Ringeltauben und selbst kleinere Eulenarten würden gejagt. Holzer: „Wir bekommen es aber auch mit Fällen zu tun, wo Vögel ausgehorstet oder gefangen werden. Einem rund zwei Wochen altem Jung-Uhu wurde auf dem Brutplatz am Boden einfach ein Drahtkäfig übergestülpt. Wurden die Fänger gestört? Oder wollte man den Altvogel anlocken? Ich habe ihn dann aufgezogen und später ausgewildert.“
Das Auswildern klappt nicht immer. Auf Holzers Station gibt es zwei behördlich eingezogene Uhus, einer ist seit 1998 da, beide sind dauerhaft in der Station. „Das sind zahme Vögel, Handaufzuchten, die man nicht mehr freilassen kann. So ein Uhu kann 35 Jahre alt werden, der überlebt mich“, erzählt Holzer. Wer sich nun wundert, warum Uhus beschlagnahmt werden: Es gibt sie auch in Privathaltung. Und es gibt einen Markt im Internet – selbst auf Vorbestellung.
Häufig haben auch Falkner Uhus in falknerischer Anbindehaltung und Holzer bemängelt, dass eine bestandene Falknerprüfung kein Sachkundenachweis für Eulenhaltung sei. Und weil diese Vögel so alt werden können, wird er dann auch mal unnütz, belegt dauerhaft eine Voliere, benötigt Futter und ist nicht mehr für die Zucht geeignet. Von solch einem erschütternden Fall berichtet Holzer: „Ein rund 28 Jahre altes Uhuweibchen, das an beiden Füßen übelste Ballengeschwülste durch unsachgemäße Haltungsbedingungen aufwies, wurde am Straßenrand aufgefunden. Der Ring am Beingefieder wurde offensichtlich vor der ,Auswilderung‘ weggezwickt“. Ein Tier, das ohne Holzers Hilfe draußen den sicheren Tod gefunden hätte.
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