Lauschangriff im Isartal

von Redaktion

Claudia Neumann verhört häufig. Und das mit Passion. Dabei hat die Frau aber nichts mit der Polizei am Hut. Vielmehr spitzt die Ehrenamtlichen beim Landesbund für Vogelschutz (LBV) im Isartal und an der Loisach die Ohren. Denn: Auch Vogelfreunde verhören, und Claudia Neumann verhört Uhus. Die Hobby-Ornithologin spürt durch ihre Lauschangriffe deren Reviere auf. „Uhus balzen ab Januar, um sich auf die Brut einzustimmen. Antwortet das Weibchen, ruft es ebenfalls U-hu, nur höher. Wir hoffen auf diese Duette, denn dann stehen die Chancen gut, dass das Paar ab Mitte Februar bis Ende März mit der Brut startet“, weiß Neumann.

Rufe sind rund 700 Meter weit zu hören. Dort, wo die Uhus balzen, wird voraussichtlich auch die Brutstätte liegen. Das Weibchen brütet rund 34 Tage, nach dem Schlupf hudert das Weibchen den Nachwuchs bis zu fünf Wochen. Diese Nestlingszeit endet, sobald die Jungen nach zehn Wochen flugfähig sind. Da der Beutefang erst mit rund fünf Monaten eingeübt wird, müssen die Altvögel ihre Jungen in der sog. Ästlingszeit bis mindestens August versorgen. Neumann: „Bis zum Herbst sind deshalb auch die Bettelrufe der jungen Uhus zu hören – und das kann fast die ganze Nacht hindurch geschehen.“ Die Vogelexpertin sammelt bei ihren Verhören und Beobachtungen viele Daten: In einem Revier lebt das gleiche Paar wohl schon seit 2016. 2020 und 2022 hat es nicht gebrütet oder die Jungen nicht großgezogen. Gründe gibt es zuhauf, die einen sind eine Frage der Natur. „Es gibt natürliche Ausfälle, Uhus brüten auch mal im alten Horst von Greifvögeln, realisieren aber nicht, dass der schon instabil ist. Wenn da nun zwei Junge sitzen plus einem Altvogel, der auch mal drei Kilo haben kann, bricht der Horst. Wind und Sturm können ein Übriges tun. Geht dennoch alles gut, kommt eine weitere kritische Phase, das Wanderstadium“, so Neumann. Dabei hält sich der noch flugunfähige Jung-Uhu am Boden auf und fällt Fuchs und Wildschwein zum Oper, erläutert Fachmann Willi Holzer.

Und dann kommt noch der Mensch ins Spiel. „Es gibt uneinsichtige Geocacher, da liegen Caches nahe an den Brutnischen, und diese Störungen bringen den Altvogel dazu, die Brut aufzugeben. Am schlimmsten aber sind Mountainbiker, überall im Isartal sind Trails in den Steilhängen. Verheerend. für den Uhu, aber auch für Reptilien und Amphibien, die überfahren werden“, so Neumann. Was im Isartal die Mountainbiker, sind bei Holzer im Raum Freising Motocrossfahrer. „Die rasen in alten Steinbrüchen herum und flüchten dann quer über die Felder. Man erwischt sie nie, sie warnen sich flugs übers Handy, wenn wir kommen“, bedauert Holzer.

Neumann bleibt bei ihren Verhören immer am Weg, um bloß keine Hinweise auf mögliche Brutstätten zu geben und so die Uhus zu schützen. Wenn es nicht die größte Eule weltweit ist, um die sich die Hobby-Ornithologin kümmert, dann beteiligt sie sich an weiteren Aktionen wie dem Monitoring für die Kartierung des Braunkehlchens und anderer Wiesenbrüter in den Loisach-Kochelsee-Mooren. „Der Bestand an Braunkehlchen ist aufgrund der Veränderungen ihres Lebensraumes und landwirtschaftlicher Maßnahmen um 85 Prozent zurückgegangen. Grund, warum der kleine Singvogel auch Vogel des Jahres 2023 geworden ist.“ >> Interessanter Link www.uhu.webcam. pixtura.de (Tolle Website, um sich Ver- höre vorstellen zu können.)

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