Ab einer nächtlichen Temperatur von ca. 6 Grad Celsius – und das vor allem bei Regen – gehen Amphibien wie Erdkröten und Grasfrösche auf Wanderschaft: Die fortpflanzungsbereiten Tiere machen sich auf zu ihren Laichgewässern. Dort finden Balz, Paarung und Eiablage statt. Amphibien leben sowohl an Land als auch im Wasser.
Wachsen sie heran, durchlaufen sie eine erstaunliche Metamorphose: vom Ei über die Larve (Kaulquappe) bis hin zum erwachsenen Tier verändern sie ihre Gestalt komplett. Die meisten Amphibienarten geben ihren Paarungs- und Geburtsort jedoch zugunsten des Sommerdomizils wieder auf: Sie wandern zurück, manche Arten bevorzugen die Nähe eines Flusses oder Baches, andere ein Moor oder eine feuchte Wiese, wieder andere Laub- oder zumindest Mischwald. Manche bewohnen auch Abbaustellen, etwas Wechsel- und Kreuzkröte.
Um die im zeitigen Frühjahr zum Laichplatz wandernden Arten zu schützen, wenn ihr Weg eine Straße quert, sind in ganz Bayern zahllose Ehrenamtliche unterwegs, in den Kreisgruppen von Bund Naturschutz und Landesbund für Vogel- und Naturschutz gibt es Menschen, die für die Tiere logistische Meisterleistungen vollbringen. Je nach Gebiet werden die Zäune entweder vom Straßenbauamt gesetzt oder aber von den Helfern selber. Die Halterungen müssen in den Boden geschlagen werden, das sind Stabsysteme, an denen man den Zaun dann aufhängt. Der Zaun wird mit einer Schnur gespannt, am Boden wird er zudem mit einer Art Hering befestigt, damit er nach unten absolut dicht ist. Je nach örtlicher Situation gibt es Eimer, in die die Tiere fallen, oder sie werden direkt am Zaun abgesammelt. Beide Methoden haben Vor- und Nachteile: Aus den Eimern können die Tiere am Morgen mit vergleichsweise geringem Zeitaufwand geborgen werden, aber auch Reiher, Störche oder Füchse wissen um die leichte Beute. Sammelt man am Zaun, ist man nachts lang unterwegs, oft bei miesem Wetter und manchmal an viel befahrenen Straßen.
Helfende wie Julia patrouillieren dann am Zaun hin und her. Sie hat einen Eimer mit etwas Laub dabei. „Beim ersten Mal letztes Jahr war ich etwas zögerlich, ehrlich gesagt, hat’s mir gegraust, so eine Kröte oder einen Frosch anzufassen. Ich werde das erste Tier nie vergessen. Es hat mich angeschaut und das klingt jetzt womöglich blöd: Ich glaube, es war dankbar.“ Julia aus Weilheim ist heuer natürlich wieder dabei und erzählt stolz: „Allein im Landkreis Weilheim-Schongau sind es 5100 Meter Zäune, man rettet jedes Jahr ungefähr 10 000 Tiere. Wenn man das auf Bayern hochrechnet, sind das schon Zahlen, die überzeugen.“ Es sind in der Tat jährlich bis zu 700 000 Amphibien, denen Tierschützer das Leben retten. Und damit am Ende auch eine Art erhalten, denn ohne Fortpflanzung droht das Aussterben.
>> Interessante Links > www.lars-ev.de/arten (Artensteckbriefe des Landes- verbands für Amphibien- und Reptilienschutz in Bayern.) > www.bund-naturschutz.de/tiere-in-bayern/bestimmungs schluessel-amphibien (gibt Hilfe bei der Bestim- mung der Art.)