Schon ein leicht gekrümmter Finger oder ein winziger Riss im „Meniskus“ des Handgelenks können dazu führen, dass jeder Handgriff zum Problem wird. Da ist der Handchirurg gefragt. Denn: „Handchirurgen operieren nicht nur. Wir bieten das gesamte Behandlungsspektrum mit allen bewährten Methoden der konservativen Therapie“, erklärt Dr. Claus Deglmann, Gründer der Praxis MünchenHand am Marienplatz. Der Facharzt für Chirurgie, Handchirurgie, Plastische und Ästhetische Chirurgie hat bereits mehr als 10 000 Eingriffe durchgeführt. Er behandelt alle akuten und chronischen Beschwerden an Hand und Handgelenk. Dr. Deglmann gehört zudem zum Expertenteam des Deutschen Zentrums für Obere Extremität in der ATOS-Klinik in Bogenhausen. Hier erklärt der Spezialist die häufigsten Handprobleme und wie sie behandelt werden:
Karpaltunnel-Syndrom
Symptome: Eingeschlafene Hände (oft nachts), Kribbeln, Taubheit und Missempfindungen von Daumen bis Mittelfinger sind typische Symptome eines Karpaltunnelsyndroms (Nervenengpass-Syndrom): An der Innenseite des Handgelenks wird der Mittelhandnerv im Handgelenkstunnel eingeengt. „Auch der Daumenballen kann sich zurückbilden. Dadurch drohen weitere Beeinträchtigungen bis hin zum Verlust der Feinmotorik“, so Dr. Deglmann.
Behandlung: Anfangs helfen entzündungshemmende Medikamente sowie das Tragen einer individuell angepassten Handgelenksschiene in der Nacht. Bleibt der Erfolg aus, kann eine kleine OP Abhilfe schaffen. Dabei wird ein Band durchtrennt. Der Karpalkanal weitet sich und verschafft dem bedrängten Nerv wieder Raum. „Rechtzeitig durchgeführt, wird die dauerhafte Schädigung des Mittelhandnervs vermieden und der Patient von seinen Beschwerden befreit“, betont Dr. Deglmann.
Schnellender Finger
Symptome: Wenn die Beugesehne eines Fingers nicht mehr ungehindert durch das Ringbandsystem gleiten kann, verhakt sich der Finger bei der Beugung. Er kann nur noch mit Kraft gestreckt werden – bis es zu einem schmerzhaften Schnellen bzw. Schnappen kommt. „Ursache sind entzündliche Prozesse, meist wegen Überlastung. Dadurch kann die Beugesehne knotig verdickt sein“, erklärt Dr. Deglmann.
Behandlung: In vielen Fällen hilft die Ergotherapie oder auch ein kleiner ambulanter Eingriff unter örtlicher Betäubung, um die Enge zu beseitigen. „Gute Erfahrungen haben wir mit einer neuen endoskopischen OP-Variante gemacht. Dabei sind keine Wundfäden mehr notwendig. Die kleinen Zugänge heilen innerhalb weniger Tage unter einer sehr geringen Narbenbildung ab.“
Handgelenks-Ganglion
Symptome: Bildet sich an der Hand oder dem Handgelenk eine pralle, elastische oder auch harte Wölbung, verbirgt sich dahinter meist eine harmlose Zyste – das Ganglion. Es entsteht aus einer Gelenkkapsel oder Sehnenumhüllung. Im Volksmund wird diese Zyste auch Überbein genannt, obwohl weder Knorpel noch Knochen an der Bildung beteiligt sind.
So wird behandelt: Solange ein Ganglion keine Beschwerden macht, ist auch keine Behandlung nötig. „Drückt es auf Nerven oder verursacht Schmerzen bei Belastung, empfehle ich die arthroskopische bzw. offene Entfernung der ganzen Zyste“, empfiehlt Dr. Deglmann.
Diskusschaden
Symptome: Schmerzen im Handgelenk auf der Seite des kleinen Fingers – z. B. beim Aufstützen der Hand – deuten auf einen Schaden im Handgelenksmeniskus hin. Diese dreieckige Knorpel-Bandscheibe (Diskus triangularis) ist Teil eines Bandkomplexes. Sie wirkt wie der Meniskus im Knie als Druckpolster zwischen Handwurzel- und Unterarmknochen. Durch chronische Fehlbelastungen des Handgelenks kann sich diese Knorpel-Bandscheibe vorzeitig abnutzen. Besonders gefährdet sind Menschen, bei denen die Elle länger ist als die Speiche.
So wird behandelt: Im Idealfall genügt es bereits, den geschädigten Diskus triangularis minimalinvasiv bei einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) zu glätten. Eine überlange Elle kann in bestimmten Fällen auch abgeschliffen werden. Wichtig zu wissen: „Die Arthroskopie im sehr kleinen, kompliziert aufgebauten Handgelenk erfordert viel Erfahrung. Sie sollte daher nur von ausgewiesenen Spezialisten durchgeführt werden“, empfiehlt Dr. Deglmann.
Rhizarthrose
Symptome: Die häufigste Arthrose-Form der Hand trifft das Daumensattelgelenk. Praktisch alle Griffe, an denen der Daumen beteiligt ist, schmerzen – im Extremfall so stark, dass den Patienten Gegenstände aus den Händen fallen, Schlüssel nicht gedreht und Flaschen nicht geöffnet werden können. „Leider hat die Rhizarthrose eine ausgeprägte entzündliche Komponente. Deshalb sind akute Schmerzepisoden häufig“, so der Facharzt.
So wird behandelt: Ergotherapie, entzündungshemmende Schmerzmittel, eine Daumenorthese und manchmal auch die Arthroskopie helfen bei leichteren Formen. Im fortgeschrittenen Stadium bei ausgeprägten Beschwerden ist meist die offene OP notwendig, um die Funktion wiederherzustellen.
Vier Tipps vom Experten:
1. Stärkung: Auch Hände freuen sich über ein kleines Workout. Lassen Sie sie täglich kreisen, spreizen Sie die Finger kräftig, ballen Sie eine Faust. Stärken Sie auch die Feinmotorik – z. B. mit einem kleinen Ball. Sie können auch kleine Knöpfe öffnen und schließen.
2. Schutz: Bei groben Arbeiten sollten Sie stets strapazierfähige Arbeitshandschuhe tragen.
3. Entlastung: Nutzen Sie bei der Arbeit am Computer Handballenauflagen, ergonomische Tastaturen und Mäuse.
4. Fachlicher Rat: Haben Sie Schmerzen in Händen und Fingern oder bemerken Sie sicht- oder tastbare Veränderungen? Gehen Sie rasch zum Handchirurgen. Viele Probleme lassen sich konservativ lösen, wenn sie rechtzeitig diagnostiziert werden.