Professor Dr. Eike Sebastian Debus ist einer der Autoren eines Kochbuchs mit Rezepten für gesunde Gefäße. Hier erläutert er, welche positiven Auswirkungen eine gut durchdachte Ernährung auf die Gefäße haben kann.
Ihr Buch konzentriert sich auf die Gesundheit der Gefäße. Warum?
Gefäße – und dabei geht es nicht um Venen, sondern um Arterien – sind für die Energie- und Sauerstoffversorgung aller unserer Organe zuständig. Sind Arterien verengt, ist diese Versorgung mangelhaft, und es kann zu lebensbedrohlichen Infarkten kommen. Deshalb sind gesunde, elastische und durchgängige Gefäße so wichtig.
Aber sie unterliegen einem Alterungsprozess, und den kann jeder mit seiner Ernährung und seiner Lebensweise beeinflussen.
Zur Ernährung tauchen ja beinahe schon modeartig immer wieder neue Empfehlungen auf: Low-Carb, vegan, vegetarisch, Intervallfasten, Essen nach der Säure-Basen-Formel. Wie ist das einzuschätzen?
Tatsache ist, dass für viele dieser Empfehlungen der Nachweis für ihre Wirksamkeit fehlt. Der war uns aber wichtig, also sind wir in die Literatur gegangen, um relevante Daten zu bekommen. Grundlage für unsere Empfehlungen sind also wissenschaftlich basierte Studien. Im ersten Teil des Buches werden Grundlagen des Gefäßsystems erklärt, mögliche Erkrankungen und wie sie entstehen und eben die Basis gesunder Ernährung. Im zweiten Teil finden sich die Rezepte.
Für diese Rezepte haben Sie mit Gilbert Köcher einen Sterne-Koch begeistern können.
Das war ein Glücksfall. Gilbert Köcher leitet die Kantine des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und hatte große Lust, das zu machen. Wir haben alle Rezepte gemeinsam gekocht und probiert. Es sind durchwegs neue Kreationen, die es so noch nicht gibt.
Um welche Erkrankungen geht es, die man mit der Ernährung beeinflussen kann?
Zum einen um die Arteriosklerose, die sich unterschiedlich manifestieren kann. Bei den Herzkranzgefäßen als Angina pectoris, die zum Herzinfarkt führen kann, bei den Halsschlagadern als Ursache für den Schlaganfall, und sie kann die Beine betreffen und dort zum Verschluss der Arterien führen. Eine andere Diagnose ist der Bluthochdruck, einer der Hauptrisikofaktoren für Gefäßerkrankungen. Auf all das hat die Ernährung einen großen Einfluss.
Auch wenn die Arteriosklerose schon vorliegt oder der Blutdruck bereits zu hoch ist?
Das ist die positive Nachricht. Ablagerungen in den Arterien können sich tatsächlich zurückbilden – in einem frühen Stadium natürlich am besten. Und der Blutdruck lässt sich ebenso beeinflussen. Systolischer und diastolischer Wert können um zehn bis 20 Millimeter gesenkt werden. Das ersetzt nicht ein Blutdruckmedikament, aber die Dosis kann niedriger werden.
Die Ernährung allein macht’s aber nicht.
Gesunde Ernährung ist ein wichtiger Faktor, aber natürlich nicht der einzige. Bewegung etwa spielt eine ebenso große Rolle. Dabei sollte man auch das Arbeitsumfeld betrachten. Wer viel am Schreibtisch arbeitet, sollte dazwischen immer wieder mal aufstehen und ein bisschen herumlaufen. Vielleicht lässt sich mit einem höhenverstellbaren Tisch auch mal im Stehen arbeiten, oder man schafft einen orthopädischen Stuhl an.
Doch einer der größten Risikofaktoren für die Alterung der Gefäße ist das Rauchen. Wer das Rauchen aufgibt, hat mehr getan, als er mit jedem Medikament erreichen kann.
Und wie erkenne ich selbst bei mir ein Risiko für eine Gefäßerkrankung?
Jeder sollte regelmäßig zur Vorsorge gehen, spätestens ab 50 Jahren, bei Verdacht natürlich schon vorher. Der Hausarzt kann eine Arteriosklerose feststellen. Anzeichen, die man selbst erkennen kann, sind beispielsweise Schmerzen in den Waden beim Gehen, die nach einer Pause wieder nachlassen.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind also kein Schicksal, sondern vermeidbar …
Ja. In den meisten Fällen ist das so. Es gibt zwar ein genetisch erhöhtes Risiko für solche Erkrankungen, aber jeder kann mit seiner Ernährung und dem Lebensstil viel Einfluss nehmen.