Frankfurt a. M. – Noch kurz kontrollieren, ob der Herd aus ist. Das ist normal. Wenn solche Rituale aber den Alltag bestimmen, fängt der Zwang an. Therapien können helfen.
Zwei bis drei Prozent aller Menschen erkranken laut Angaben des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie im Laufe ihres Lebens an einer Zwangsstörung. Dabei kommt es zu Handlungen oder Gedanken, die Betroffene wiederholt ausführen müssen. Zwangsstörungen können so stark werden, dass sie den ganzen Alltag bestimmen. Zu den häufigsten Arten gehören Reinigungs- und Waschzwänge, Kontrollzwänge sowie Wiederhol- und Zählzwänge. Die Corona-Pandemie habe die Zwänge bei vielen Kranken verschärft, sagt die Freiburger Psychologin und Therapeutin Anne Katrin Külz.
Einige davon kennt auch Pauline, die einen Internet-Blog zu dem Thema betreibt. Die 25-jährige Sozialarbeiterin ist seit vielen Jahren von einer Zwangsstörung betroffen, wie sie sagt. Die offizielle Diagnose sei erst vor anderthalb Jahren gestellt worden. „Die Krankheit hat sich schleichend entwickelt. Schon als kleines Kind hatte ich das Gefühl, eine große Verantwortung zu tragen.“
Tatsächlich geben Wissenschaftler an, dass der Beginn von Zwängen oft schon in der Kindheit entwickelt wird. Von einer Zwangsstörung sprächen Experten dann, wenn Zwangshandlungen zeitintensiv seien oder zu Beeinträchtigungen in wichtigen Lebensbereichen führten, erklärt Expertin Külz. Sie ist Mitglied im Vorstand der Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen.
Die genauen Ursachen einer Zwangsstörung sind nach Angaben des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie nicht bekannt, Forschungsergebnisse deuteten auf Veränderungen in Hirnsystemen hin. Laut Külz beeinflussen verschiedene Faktoren die Entstehung einer Zwangsstörung, etwa eine sehr gewissenhafte Persönlichkeit. Betroffen seien Männer und Frauen gleichermaßen, sie kämen aus allen sozialen Schichten, erklärt die Therapeutin. Als Therapie hat sich die kognitive Verhaltenstherapie bewährt, wie die Expertin berichtet. Dabei werden die Erkrankten bewusst mit ihren Zwängen konfrontiert. Das Problem: Viele Menschen verheimlichten die Symptome lange. Therapeutin Külz betont: „Zwangsstörungen sind gut behandelbar.“ epd